Chiara Delahaye

Pflegekräfte in Solingen: Wenn Helfer Hilfe brauchen

Solingen. Der Umgang mit Sterben und Tod ist nur schwer zu bewältigen. Pflegekräfte haben im Schichtdienst jedoch kaum Möglichkeiten, diese Eindrücke angemessen zu verarbeiten. Die Frauenberatungsstelle Solingen will hier helfen.

Von Chiara Delahaye

Anne Grefer, beobachtet dieses Problem seit einiger Zeit. Sie ist als Psychotherapeutin und Fachberaterin - speziell im Bereich pflegende, ältere und behinderte Frauen an der Solinger Frauenberatungsstelle (FBS) tätig  und berichtet: »In einer Einrichtung wurden die Pflegekräfte der Nachtschicht von sechs auf zwei reduziert – bei 80 zu pflegenden Menschen. Dabei passiert gerade nachts besonders viel.«

Effektive Hilfen anbieten

Laut Grefer kein Einzelfall: »Es wird viel über Veränderungen in der Pflege gesprochen, aber keiner der Betroffenen spürt eine Verbesserung.« Deshalb möchte sie eine Hilfegruppe für betroffene Frauen anbieten, um Bewältigungsmöglichkeiten zu erarbeiten und Burnout vorzubeugen. »Wie kann ich damit umgehen, wenn mir die Familie eines Pflegepatienten Vorwürfe macht?

Wo ziehe ich Grenzen, um mich vor Überlastung zu schützen?«, sind nur zwei der vielen Fragen, die für die Pflegenden oft unbeantwortet bleiben. »Unsere neue Gruppe hat das Ziel, zu stabilisieren und einen Raum für Reflexion zu schaffen, der im Berufsalltag fehlt«, erklärt Andrea Lafos, Vorstandsmitglied der FBS. Grefer pflichtet ihr bei: »Diese Form der Supervision kommt in vielen Einrichtungen zu kurz.

Privat die Kosten für eine begleitende Beratung aufzubringen, ist für die meisten nicht möglich.« Sie vermutet darin auch eine der Ursachen dafür, dass Pflegende vereinzelt gewalttätig werden: »Viele professionelle Pflegerinnen kommen zu mir und sagen: ‚Ich bin nach vier Jahren durch und habe schon ein Alkoholproblem.‘«

Besonders alleinerziehende Mütter, von denen es in der Pflege viele gibt, leiden unter der ständigen Belastung, allen Anforderungen gerecht werden zu müssen. »Die Schere zwischen Helfen wollen und Helfen können ist groß«, betont Grefer.

Steigende Fallzahlen

Das Ziel ihres Angebots soll daher sein, in kleiner Gruppe mit maximal zehn Frauen individuelle Lösungen zu erarbeiten. Die Teilnahme ist zwar kostenlos, generell ist die Frauenberatungsstelle jedoch auf Spenden angewiesen, denn die Förderung des Landes deckt nur einen Teil der betrieblichen Kosten ab. Dieses Jahr wird die Frauenberatung ihren 35. Geburtstag feiern. Die steigenden Fallzahlen zeigen, wie groß die Nachfrage unter Frauen ist. »Im letzten Jahr haben wir 427 Frauen in 1.264 Terminen beraten.

Rund die Hälfte davon kam wegen Gewaltthemen zu uns, wobei dies viele verschiedene Bereiche abdeckt: Von sexueller und häuslicher Gewalt bis hin zu Stalking, Mobbing und Cybergewalt«, sagt Andrea Lafos. Aber auch andere Themen wie Beziehungsprobleme und Scheidungsfälle finden in der Beratungsstelle Gehör. »Es gibt Frauen, die materiell oder emotional abhängig sind.

Was wird besser, wenn ich mich trenne? Für solche Fälle haben wir auch eine offene Recht-Sprechstunde, in der sich die Frauen über ihre juristischen Möglichkeiten informieren können«, erzählt Grefer und Lafos fügt hinzu: »In erster Linie geht es uns darum, Frauen mit Problemen ihr Selbstwertgefühl zurück zu geben.«

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