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Opfer stehen im Mittelpunkt

Solingen. In diesem Jahr liegen die Schrecken der Reichspogromnacht 80 Jahre zurück. Um der Opfer zu gedenken, wird es auch in Solingen am 8. und 9. November einige Veranstaltungen geben.

»Auf den Spuren der Pogrome« lautet der Titel eines Stadtrundganges am Donnerstag entlang der Tatorte vom 9. November 1938. Treffpunkt ist um 17.30 Uhr der Jüdische Friedhof am Estherweg. Von hier aus geht es in einem rund zweistündigen Rundgang durch die Innenstadt zu den Orten, an denen die Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung ihren Ausgang nahmen. Vorbei an Geschäften die zerstört, an Wohnungen aus denen Menschen verschleppt und im Fall des Journalisten Max Leven sogar ermordet wurden. Als Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und Kulturredakteur des KPD-Organs »Bergische Arbeiterstimme« war er den Nazis besonders verhasst und schon zu Beginn ihrer Machtübernahme eine zeitlang im Wuppertaler KZ Kemna inhaftiert worden. In der Pogromnacht stürmten führende Solinger NSDAP-Mitglieder Levens Haus, quälten und ermordeten ihn vor den Augen seiner Frau und der beiden Töchter, die einige Zeit später deportiert und ermordet wurden. Solingens damaliger Oberbürgermeister Rudolf Brückmann wurde über das Verbrechen unterrichtet, verfolgte die Mörder aber nicht. 1949 wurden den vier Haupttätern der Prozess gemacht. Alle kamen mit milden Strafen davon.

Virtuelle Synagoge entsteht

Der knapp vier Kilometer lange Weg endet am Bunker an der Malteserstraße, wo gegen 20 Uhr eine Kunstinstallation die zerstörte Synagoge virtuell wieder erstehen lässt. Für eine kleine Stärkung nach dem Rundgang ist gesorgt. Teilnehmer sollten gut zu Fuß sein oder Teilstücke selbständig mit dem Auto zurücklegen.

Demonstration und Gedenkmarsch

Anlässlich des 80. Jahrestages der Zerstörung der jüdischen Synagoge  an der Malteserstraße  durch die Nationalsozialisten, möchte der Solinger Kunstverein in Zusammenarbeit mit Studierenden der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) an dieses Ereignis erinnern. Anspruch ist es, mit Hilfe einer temporären Kunstinstallation die Synagoge und die Geschichte ihrer Zerstörung sichtbar zu machen.
Auch der Freitag steht ganz im Zeichen des Gedenkens. So lädt das Solinger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage ab 13.30 Uhr zu einer Demonstration auf den Schulhof des Gymnasiums Schwertstraße ein. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Friedhof der Alexander-Coppel-Gesamtschule stellen Holztafeln mit den Namen der Opfer zur Verfügung, die von den Demonstrationsteilnehmern getragen werden. Ein Gedenkmarsch setzt sich um 14.30 Uhr mit Start an der ehemaligen Synagoge in Bewegung. Eine Veranstaltung von Jugendlichen für Jugendliche mit Kultur- und Vortragsprogramm beginnt um 15 Uhr im Theater und Konzerthaus. Berichtet wird unter anderem über die Stolperstein-Putzaktion Solinger Schulen. Ein Filmbericht beschäftigt sich mit den rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz, eine Dokumentation zeigt die Arbeit eines Solinger Geschichtskurses. Der Schülerchor Voices stimmt musikalisch in den Nachmittag ein. Die Moderation übernimmt die »Pro Agenda/Contra Nazis-Gruppe« des Jugendstadtrates.
Ab 17 Uhr sind alle aufgerufen, an den Solinger Stolpersteinen im gesamten Stadtgebiet Lichter und Blumen aufzustellen. Grablichter und Kerzen gibt es kostenlos bei der Jugendveranstaltung ab 15 Uhr im Theater und Konzerthaus, um 17 Uhr am Rathaus oder bereits jetzt am Empfang im Stadtdienst Integration. Eine Übersicht über die Stolpersteine mit zahlreichen Informationen über die Opfer des Nationalsozialismus findet sich unter www.stolpersteine-solingen.de.

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