Chiara Delahaye

Neue Solingen App: »Vernetzen statt ersetzen«

Solingen. Die Stadt Solingen plant im Rahmen des Projekts »Smart City« die App »Mensch, Solingen!«. Sie soll als digitaler Helfer Auskunft über Parkplätze, Wetter, Verkehr, Veranstaltungen und mehr geben. Die Betaversion ist nun für iOS im Betrieb und die Stadt sucht noch »Versuchskaninchen.«

Von Chiara Delahaye

Das Wetter ist schlechter als erwartet, der Regenschirm liegt vergessen zu Hause und der Puls steigt, weil auch nach längerer Suche kein Parkplatz auffindbar ist. Also wird noch eine Runde um den Block gedreht, während die Zeit langsam aber sicher knapp und der Stresspegel immer höher wird. Eine Alltagssituation, die es – wenn es nach den Vorstellungen der Stadt Solingen geht – schon bald nicht mehr geben soll.

Ein ganz neuer Alltagshelfer

Die Idee einer digitalisierten Stadt ist an für sich nicht neu. Diverse Kommunen haben schon seit mehreren Jahren eigene Apps mit Funktionen wie Mängelmeldern, Veranstaltungskalendern oder Online-Formularen, die den Bürgern so manchen aufwendigen Behördengang ersparen sollen. Solingen will die Smart City jedoch noch umfassender und plant mit »Mensch, Solingen!« einen Alltagshelfer, der das sogenannte »E-Government« mit praktischen Anwendungen wie einem Parkplatzfinder verbindet.

»Das ‚E-Governement‘ macht die Leistungen des Staates für alle Bürger digital zugänglich. So kann man Anträge und Dokumente, bei denen es eine Unterschrift zur Authentifizierung braucht, schnell und leicht online einreichen. Außerdem sind wir bei der Gestaltung der Funktionen auf die Bedürfnisse der künftigen Nutzer eingegangen.

Zum Beispiel gibt es einen sehr intuitiven Mängelmelder und einen Abfallkalender, der - wenn gewünscht - auch an das zeitige Tonnenrausstellen erinnern kann«, erzählt Projektleiter Nils Gerken, der als IT-Spezialist maßgeblich an der Entwicklung beteiligt ist.

»Aber ‚Mensch, Solingen!‘ ist nicht nur eine Verwaltungsapp«, betont Gerken. Deshalb sei das Projekt auch in einem ungewöhnlich frühen Stadium der Öffentlichkeit vorgestellt worden. »Das Benutzerfeedback ist uns wichtig. Wir wollen eine Plattform schaffen, die alle einbindet«, so Gerken

Intelligente Straßenlampen

Um dieses Feedback zu bekommen, habe die Stadt am 7. März eine zwei- bis dreimonatige Testphase der Betaversion für iOS-Geräte gestartet. »iOS ist leichter zu testen. Die Variante für Android wird in den nächsten ein bis eineinhalb Monaten folgen«, begründet Gerken.

Diese erste Version der App sei mit elf intelligenten Straßenlampen verbunden, die mit Umweltsensoren und WLAN ausgestattet Wetterdaten wie Niederschlag und den UV-Index messen könnten. Die Daten seien dann auf einer Stadtkarte auf dem Handy lokal einsehbar. Bisher gebe es stadtweit elf solcher Laternen, deren Daten für Interessierte auch auf der parallel gestarteten Webseite »Urban Cockpit« nachzuverfolgen seien.

Das Sensoren-Netzwerk solle in den nächsten Jahren flächendeckend ausgebaut werden. So könnten auch stätische Dienstleister wie die Stadtwerke die lokalen Daten verwenden, um beispielsweise nur noch an Stellen Salz zu streuen, an denen die Sensoren Frost meldeten. Das sei umwelt- und kostenfreundlicher.

Eine andere bereits verfügbare Funktion sei der Parkplatzsucher. »Im ersten Schritt wollen wir Parkplätze nur anzeigen. Später soll das System voraussagen, ob man noch einen Parkplatz bekommt, wenn man jetzt losfährt«, erklärt Gerken. Zudem führe man Gespräche mit den Partnern des öffentlichen Nahverkehrs, den örtlichen Einzelhandelsverbänden und kooperiere mit der Initiative »Freifunk«.

Gerken bringt die Idee hinter der App noch einmal auf den Punkt: »Wir wollen nicht ersetzen sondern vernetzen.«

Die Stadt will bei der Entwicklung der Solingen App auch Vorschläge der Bürger mit einbeziehen. Die Wochenpost hat sich daher auf Solingens Straßen vorab schon mal umgehört

Jasmin Engel: »Bislang kannte ich die App noch nicht. Ich würde begrüßen, wenn man dort auch Tipps zu Angeboten für Familien bekommen könnte. Vor allem das Thema Inklusion sollte eine Rolle spielen. Außerdem fände ich aktuelle Hinweise zum ÖPNV gut.«

Hannar Kiwan, Al Sham Supermarkt: »Es gibt ja im Netz bereits die Seite www.nordstadt-haendler.de, die auf uns Einzelhändler hinweist. Von der neuen App würde ich mir nicht nur Tipps zum Angebot wünschen, sondern auch zu günstigen Parkmöglichkeiten rund um den Laden. Denn daran hapert es aktuell noch ziemlich.«

Dirk Mähler, Fitness Centrum TM: »Damit es nicht eine App unter vielen bleibt, müsste sie spezifische Verkehrsinfos über den direkten Solinger Umkreis bieten. Viele unserer Kunden kommen aus Remscheid oder Wuppertal. Das wäre eine Hilfe. Ein Hinweis auf Spots und Parkgelegenheiten, die nicht für jeden sichtbar sind, wäre wünschenswert. Auch eine etwas detailliertere Info zu den Händlern könnte ich mir gut vorstellen. In unserem Falle zum Beispiel über die Klientel, die hier trainiert und unsere Angebote.«

Wer die Testversion ausprobieren will, kann sich unter 0212 / 290-2213 oder app@solingen.de melden und erhält einen Link. Achtung: Die App ist nur für iOS

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