Julia Lippert

Große Panik an der Tankstelle

Solingen. An Solinger Zapfsäulen gab es bereits einige Leerstände infolge des Niedrigwassers im Rhein. Seitdem tanken die Kunden auf Vorrat, berichten die Tankstelleninhaber.

Die Angst vor einem leeren Tank sitzt bei vielen Solinger Bürgern tief: Die Nachricht, dass es an einigen Tankstellen nach Allerheiligen Lieferschwierigkeiten gab, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Tatsächlich gab es an dem Wochenende und dem Montag nach dem Feiertag an so mancher Tankstelle in Solingen zeitweise kein Super und Diesel mehr.
So traf es auch die Aral-Tankstelle von Lutz Esser an der Schlagbaumer Straße: Aus manchen Zapfpistolen kamen nur noch letzte Tropfen heraus. Einen halben Tag gab es dort keinen Diesel und für 36?Stunden kein Super mehr. »Ich habe zwischenzeitlich keine neue Lieferung mehr bekommen«, so Esser.  Aktuell habe er wieder genug Sprit für seine Kunden, doch wie es in Zukunft aussehe könne noch niemand sagen. Beide Kraftstoffe seien die am häufigsten gefragten. Auch an ein paar Star-Tankstellen und einigen weiteren kam es zu Engpässen bei Super und Diesel. »Aufgrund der aktuellen Wettersituation gibt es an einzelnen von Orlen Deutschland betriebenen Tankstellen temporäre Lieferengpässe bei einzelnen Kraftstoffsorten«, gab die Pressestelle von Orlen Deutschland bekannt, die unter anderem Star-Tankstellen betreibt.
Gleichzeitig steigen die Sprit-Preise derzeit in die Höhe: Teilweise über 1,60 Euro zahlt man derzeit an den Tankstellen für einen Liter Super und über 1,40 Euro für Diesel.

Niedrigwasser führt zu Lieferengpässen

Die Gründe dafür sind schnell gefunden: Die Nachwirkungen des heißen Sommers und der immer noch zu wenig fallende Regen führen zu einem niedrigen Pegelstand des Rheins. Das hat zur Folge, dass die großen Tankschiffe entweder gar nicht oder nur eine deutlich geringere Menge Kraftstoff mit dem Schiff von den Raffinerien zu den Tanklagern in der Region transportieren können. Sonst würden sie auf Grund laufen. Und das führe auch zu gestiegenen Transportkosten und letztendlich zu höheren Spritpreisen, erklärt Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Tankstellengewerbes mit Sitz in Bonn: »Der Westen Deutschlands ist so wie der Süden besonders davon betroffen. Es ist aber nicht das Rohöl, was da fehlt. Das bekommen die meisten Raffinerien etwa in Wesseling per Pipeline aus Rotterdam.« Von den Raffinerien aus allerdings werden die aus dem Öl gewonnenen Produkte wie Super oder Diesel dann per Schiff in großen Mengen zu Zentrallagern im Ruhrgebiet gebracht. »Nur die letzten Meter zur Tankstelle werden von dort aus per Tanklaster zurückgelegt«, sagt der Experte.

Alternative Transportwege

Genau da müsse nun umdisponiert werden, denn Tanklaster und Tankwaggons müssten auch Super von den Raffinerien zu den Lagern bringen, mit deutlich kleineren Mengen – und höheren Kosten. »Und etwa an den Feiertagen durften die Laster ja gar nicht fahren«, sagt Ziegner. An fehlendem Kraftstoff jedenfalls läge es nicht. »Den gibt es zur Genüge«, sagt er. Es fehlten aber die Transportkapazitäten. Die Transportkosten würden damit zu regionalen Preisunterschieden von bis zu 25 Cent pro Liter führen. Somit seien die gestiegenen Preise keine Geschäftemacherei der Konzerne, wie es von manchen Seiten vorgeworfen wird.

Hamsterkäufe und große Hektik

Die meisten freien Tankstellen hätten keine Lieferschwierigkeiten, doch auch sie spüren die Panik bei ihren Kunden. »Ich habe bei einigen gemerkt, dass sie sehr nervös sind und auch eher volltanken, statt für 20 Euro. Sie haben Angst nichts mehr zu bekommen«, sagt Helmut Wegener, Mitarbeiter von Tank Point Solingen an der Merscheider Straße. »Wir merken schon, dass die Nachfrage wächst und mehr Kunden eher volltanken«, sagt Nina Molkentin, Mitarbeiterin der Bft Ernestus Tankstelle an der Wuppertaler Straße.
Doch auch bei den großen Tankstellenketten ist die Gemütslage der Kunden angespannt. »Viele haben bei mir nachgefragt, ob es bei uns noch Sprit gibt. Sie sagten mir verzweifelt, dass es an fünf oder sechs Tankstellen kein Super mehr gegeben hätte«, sagt Tugce Erzan, Mitarbeiterin bei der Shell Tankstelle an der Forcher Straße.

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