Marcus Italiani

Blaues Kreuz Solingen: Willi Klappers besondere Berufung

Solingen. Er kämpft einen Kampf, den man eigentlich nicht gewinnen kann. Und doch ist Willi Klappers Einsatz für Suchtkranke eine Berufung, die ihn seit 25 Jahren erfüllt.

Von Marcus Italiani

Wenn Willi Klapper lacht, dann lachen vor allem seine Augen. Es sind eindringliche Augen, die Beruhigung und Hoffnung ausstrahlen. Zwei Dinge, die beim Blauen Kreuz entscheidend sind.

Die christliche Einrichtung kümmert sich seit 117 Jahren um Suchtkranke in Solingen. 25 davon fallen in Klappers Amtszeit als Vorsitzender. Eine echte Ära: »Ich bin im Blauen Kreuz groß geworden und habe mich schon in der Jugend dafür entschieden, dort mitzuarbeiten. 1993/94 habe ich die Leitung übernommen.« Seitdem konnten Klapper und seine Mannschaft vielen Menschen dabei helfen, von der Sucht wegzukommen, ihr Leben zu ordnen und wieder in die Spur zu bringen.

Jugendliche sind schwer erreichbar

Mit den Jahren sind die Probleme nicht kleiner geworden. Ganz im Gegenteil: »Wir sind in Solingen von montags bis freitags täglich mit Gruppenangeboten vertreten, mit dem Schwerpunkt Alkoholmissbrauch. Dazu kommt, dass wir immer mehr mit Medikamenten, Drogen und anderen Süchten konfrontiert werden. Auch diese Suchtkranken suchen unsere Gruppen auf und bekommen Hilfe.

Tendenz steigend«, sagt Willi Klapper, der vor allem ein aktuelles Problem bei der Bekämpfung der Suchtkrankheiten sieht: »Wir kommen nur schwer an Jugendliche heran. Daher erstellen wir zurzeit ein gemeinsames Konzept mit der Jugenddrogenberatung und sind auch an den Schulen präsent.

Dort kommen sehr viele Fragen von Jugendlichen auf, die  feststellen, dass es so etwas wie Suchtproblematik auch in ihrer Familie gibt. Das ist etwas, das wir in der Zukunft ausbauen wollen«, sagt der Mann, der selbst in seinem Leben nie einen Tropfen Alkohol angerührt hat.   

»In den Gruppen lerne ich auch für mich. Das ist eine schöne Erfahrung. Wir möchten das Ganze in Zukunft noch öffentlichkeitswirksamer gestalten. Dabei hilft zum Beispiel die bundesweite Suchtwoche im Mai. Da bieten wir im Hofgarten alkoholfreie Getränke und viele Infos rund um die Thematik an. Dort möchten wir nicht nur mit Betroffenen ins Gespräch kommen, denn es geht auch um Hintergründe und gesellschaftliche Akzeptanz. Ich wünsche mir einfach noch mehr Anerkennung und Verständnis für Alkoholkranke.«

Das Blaue Kreuz

  • Im August 1902 gründete Pfr. Wilhelm Nitsch mit einigen Solinger Bürgern die christliche Suchtkrankenhilfe in Solingen. In den Jahren 1988 bis 2010 gründeten sich fünf ehrenamtlich geführte Selbsthilfegruppen für Suchtkranke und deren Angehörige.
  • Infos im Internet unter www.blaues-kreuz.de/de/rheinland/solingen/

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