Wenn der Nebenjob zur Notwendigkeit wird – was tun?

Einst war es so, dass Nebenjobs von Schülern und Studenten zum Aufbessern des Taschengelds genutzt wurden. Hausfrauen oder Senioren nutzten die Jobs, um zwischenzeitlich ein wenig zu arbeiten und ein kleines Zubrot zu verdienen. Und heute? Seit der Agenda 2010 sind Nebenjobs nicht mehr bloße Jobs zum Aufbessern der Urlaubskasse, sondern Jobs, die gerade Singles, Alleinstehenden oder Rentnern das Überleben sichern. Sehr viele Menschen können von ihrem Hauptjob nicht mehr leben und sind auf den Zweitjob angewiesen, selbst wenn sie schon mittels Hartz-Geldern ihr Einkommen aufbessern. Dass dies so nicht weitergehen kann, dürfte nahezu jedem bewusst sein. Doch was kann die Politik tatsächlich ändern? Dieser Artikel schaut sich einige Möglichkeiten an und erklärt, welche Chancen Betroffene haben.

Mindestlohn erhöhen? 

Die Erhöhung des Mindestlohns würde eine deutliche Verbesserung der Situation bieten. Wobei hier klar gesagt werden muss, dass Erhöhungen um 32 Cent nicht ausreichen, sondern dass die Erhöhung auf mindestens 12,00 Euro in der Stunde erfolgen muss. Die deutliche Aufstockung böte Vor- und Nachteile: 

Vorteile: 

- Geringere Abhängigkeit – viele heutige Aufstocker könnten durch eine deutliche Erhöhung endgültig vom Amt loskommen. Dies würde Betroffene nicht nur finanziell entlasten, auch die psychische Belastung würde sinken. 

- Wert der Arbeit – für Betroffene würde der Wert der eigenen Arbeit durch den höheren Lohn steigen. Sie müssten sich auch gegenüber Dritten nicht mehr verpflichtet fühlen, ihren niedrigen Lohn zu erklären oder gar zu entschuldigen. 

- Zukunft – Fakt ist: Die aktuellen Mindestlöhner und Minijobber sind die Flaschensammler von morgen. Durch die niedrigen Gehälter ist es Betroffenen weder möglich, ausreichend Rentenpunkte mit Wert zu sammeln, noch für die eigene Rente vorzusorgen. Wie auch immer die Rente für diese Personen in Zukunft heißen würde, so wären sie trotz voller Arbeitsjahre auf Beihilfen oder Jobs im Rentenalter angewiesen. 

- Kaufkraft/Teilhabe – durch die Erhöhung des Mindestlohns würde die Kaufkraft der Betroffenen steigen, zugleich hätten sie die Chance der sozialen Teilhabe. 

- Bildung – es ist längst deutlich, dass Kinder aus finanziell schwachen Familien eine schlechtere Chance auf Bildung und Aufstieg haben, als Kinder aus reicheren Familien. Durch die deutliche Erhöhung des Mindestlohns könnten Eltern sich jedoch vermehrt um die Bildung ihrer Kinder kümmern. 

Nachteile: 

- Betriebsschließungen – dieser Punkt ist strittig, denn ein Geschäftsmodell, welches auf minimalen Gehältern aufgebaut ist, ist allgemein heikel. Wird der Mindestlohn jedoch deutlich erhöht, würde es zu Schließungen kommen. 

- Stellenabbau – das ist eventuell auch eine Folge. 

- Umstieg auf Minijobs – jetzt schon gehen findige Arbeitgeber hin und ersetzen eine gewöhnliche Vollzeitstelle durch mehrere Minijobs. Für die Betriebe ist dies ein Sparmodell, für die Angestellten natürlich das Fiasko. 

- Umstieg ins Ausland/auf KI – wäre es für einige Betriebe möglich, könnten Niederlassungen ins Ausland gezogen werden. Gerade in den Grenzregionen zu Tschechien und Polen ist dies durchaus denkbar. Alternativ könnten einfache Arbeiten durch KI ersetzt werden. 

- Konkurrenz aus dem Ausland – auch das trifft insbesondere die Grenzregionen. Schon jetzt haben einige kleinere Betriebe damit zu kämpfen, Kunden angesichts der deutlich günstigeren Konkurrenz aus Polen oder Tschechien zu behaupten. Müssten sie ihren Angestellten nun auch höheren Lohn zahlen, würde dies in höheren Rechnungen enden – und die Kunden nützten vermehrt ausländische Betriebe. 

Es genügt also nicht, wenn einfach nur der Mindestlohn angehoben wird. Die Politik müsste zugleich hingegen und schwache oder gefährdete Betriebe ausreichend schützen und unterstützen. Hier wären durchaus Aufstockungsmodelle möglich. Statt dem Arbeitnehmer, der auf den Betrag bei geringerem Lohn angewiesen wäre, würde das Amt beispielsweise dem Betrieb den Ausgleich zum hohen Mindestlohn zahlen. Der Arbeitnehmer wäre unabhängig vom Amt, der gefährdete Betrieb hingegen konkurrenzfähig. 

Nebenjobs mit geringem Zeitaufwand? 

Aber welche Nebenjobs bieten sich für Arbeitnehmer an, wenn sie ohnehin schon Vollzeit arbeiten? Online lassen sich immer wieder praktische Jobs finden: 

- Umfragen – wer an Umfragen teilnimmt, der kann damit Geld verdienen. Nebenjobber melden sich auf speziellen Portalen an und wählen die Umfragen aus, die sie interessieren. 

- Produkttester – hierfür gibt es nicht unbedingt Geld, dafür erhalten Nebenjobber die Produkte, die sie freilich später weiterverkaufen können. In der Regel wird erwartet, dass die Produkte in einem Onlinebericht ausgiebig beschrieben und bewertet werden. 

- Zeitung austragen – dieser Job findet zwar nicht online statt, gehört aber auch zu den Minijobs mit relativ überschaubarem Zeitaufwand. Wichtig ist, dass dies nur auf die Wochen- oder Stadtteilzeitungen zutrifft. Je nach Herausgeber gibt es ein Pauschalgehalt plus Vergütungen für Werbeprospekte. 

Wer zusätzlich Anregungen benötigt, findet hier weitere Tipps zum Geld verdienen. Einige dieser Optionen eröffnen eventuell den Weg in eine Selbständigkeit.

Was können Betroffene selbst noch tun? 

Es lässt sich immer leicht vorschlagen, dass Betroffene doch einfach den Job wechseln sollen. Leider ist dies in vielen Gebieten Deutschlands nicht allzu leicht, zudem spielen auch das eigene Leben, die Bildung und natürlich etwaige familiäre Verpflichtungen eine Rolle. Trotzdem gilt: 

- Weiterbildung – sie schadet nie. Zudem gibt es im Rahmen von Fort- und Weiterbildungen auch die Chance auf Umschulungen. Hier sollte unbedingt versucht werden, etwas für sich zu finden. Manchmal reichen schon Zusatzqualifikationen aus, um auf dem Arbeitsmarkt ganz andere Chancen zu haben. 

- Arbeitsplatzwechsel – das ist regionsabhängig und branchenabhängig. Ein Beispiel: Wer in der Reinigungsbranche arbeitet, wird vermutlich auch nicht bei anderen Arbeitgebern deutlich mehr verdienen. Dennoch bietet sich ein Wechsel des Arbeitsplatzes gerade dann an, wenn der aktuelle Job über eine Zeitarbeitsfirma läuft. Eine Festanstellung bietet in nahezu allen Bereichen einen wesentlich höheren Lohn. 

Ansonsten ist es immer ratsam, die Augen offen zu halten und auch mal über den Tellerrand hinauszuschauen. Nicht selten gibt es gleich in der Nähe die perfekten Jobs für Quereinsteiger. Gerade im Bereich der Kassierer oder Ladenverkäufer wird immer wieder Personal ohne Vorwissen gesucht, das im Endeffekt deutlich über dem aktuellen Mindestlohn bezahlt wird. 

Fazit - eine Lösung muss her, doch welche? 

Natürlich ist es einfach zu fordern, dass der Mindestlohn einfach angehoben werden muss und schon sieht die Welt besser aus. Doch ist dies nicht der Fall, denn auch die Arbeitnehmer könnten unter der einfachen Lösung leiden. Es muss allgemein eine Lösung gefunden werden, die alle Seiten zufriedenstellt. 

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