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Die Angst vor dem Schlussakkord

Burscheider Musikschule sieht sich ohne kommunale Förderung in ihrer Existenz bedroht

Burscheid. (IT). Wie geht es weiter mit der Burscheider Musikschule? Die finanzielle Situation ist desolat. 16.000 Euro Defizit stehen in diesem Jahr zu Buche. Das schulische Angebot könnte leiden, falls die Stadt keine finanzielle Spritze gewährt. Zukunftsoptionen berieten die Fraktionen Mitte März gemeinsam mit Bürgermeister Stefan Caplan. Was anschließend im Protokoll zu lesen war, verschlug den Vertretern der Musikschule die Sprache.

Der Reihe nach: »Am 28. Oktober gaben wir den Startschuss für einen Dialog mit der Politik, der seinerzeit leider nicht hundertprozentig wahrgenommen wurde«, berichtet Musikschul-Vorsitzender Michael Baggeler. »Es waren nur drei von sechs Fraktionen anwesend. Daher boten wir den Fraktionen persönliche Gespräche an, wovon alle bis auf eine Gebrauch machten. Bei der SPD hat man uns gefragt, welche Fördersumme wir uns vorstellen würden. »50.000 Euro« haben wir geantwortet. Daraufhin erwiderte der Fraktionsvorsitzende Klaus Becker, wir sollten über 48.000 Euro diskutieren, da dies eine runde Summe sei, die sich aus zwölf monatlichen Beträgen à 4.000 Euro zusammensetze. Den Einzelgesprächen folgte die interfraktionelle Sitzung am 17. März. Danach erhielten wir ein Protokoll, das uns sehr stark irritiert hat«, so Baggeler.

 

Nie über konkrete Summe gesprochen?

 

Denn im Protokoll steht u.a., es sei nie über eine konkrete Summe geredet worden. »Zum Glück haben wir genug Zeugen, die bestätigen, dass dies nicht der Wahrheit entspricht«, sagt der Vorsitzende der Musikschule.

Zudem liest man in dem Protokoll, dass eine kommunale Förderung nicht möglich sei, selbst wenn man es wolle. Eine freiwillige Leistung stehe einer Kommune im Stärkungspakt nicht zu, es sei denn, man spare an anderer Stelle einen Posten ein.

Baggeler widerspricht: »Das ist nicht ganz richtig. Die Kommunalaufsicht der Bezirksregierung sagt zwar, dass man weitere Einsparmöglichkeiten prüfe, aber es kann im Einzelfall entschieden werden, der Kommune einen Handlungsspielraum zuzugestehen, weil auch das Land ein Interesse an Musikschulen hat, die einen Bildungsauftrag erfüllen.« Doch gerade diesen Bildungsauftrag scheinen einige politische Vertreter der Stadt in Zweifel zu ziehen, sagt Thomas Kienzel, der musikalische Leiter der Schule. »Der Verband deutscher Musikschulen legt diesen Bildungsauftrag allerdings verbindlich fest. Wir leisten einen Beitrag zur beruflichen Ausbildung. Daher zahlen wir auch keine Umsatzsteuer«, so Kienzel.

 

»Unterrichten ist kein Hobby«

 

Es gehe nicht um viel Geld, weil ein Großteil der an der Musikschule erbrachten Leistungen der ehrenamtlich erfolge. Allem voran die Vorstandsarbeit. Doch Kienzel unterstreicht auch: Die Musikschule ist kein Freizeitvergnügen: »Unsere Lehrer gehen hier nicht ihrem Hobby nach, sondern verdienen als hochqualifizierte Fachkräfte ihren Lebensunterhalt. Uns gehen immer mehr Lehrer verloren, weil sie im Umland mehr verdienen - das ist traurig für eine Kommune, die gerne mit dem Label ‚Musikstadt‘ wirbt.«

 

»Auf Kündigungen einstellen«

 

Es gibt also durchaus Bedarf nach Klärung der Situation. Sollte sich keine Fördermöglichkeit durch die Stadt ergeben, so könnten künftig möglicherweise nicht mehr alle der aktuell 600 Schülerinnen und Schüler in Burscheid lernen. Denn um die Finanzierung aus eigener Kraft zu stemmen, müssten die Gebühren extrem erhöht und das Angebot zusammengestrichen werden. »In dem Fall müssten wir uns auf viele Kündigungen eistellen«, sagt Vorstandsmitglied Anke Wischer.

Was die Vertreter der Musikschule besonders auf die Palme bringt, ist eine Argumentation der Verwaltung, die sich auf die kostenlose Nutzung der städtischen Schulräume bezieht. Kienzel: »Die Stadt ist der Meinung, dass man im Jahr auf 27.000 Euro Mieteinnahmen verzichte. Wir fragen uns ernsthaft: Welche Familie, welcher Verein und welches Unternehmen hätte ein Interesse daran, zwischen Schulschluss und Schulbeginn die Räumlichkeiten in einer Grundschule zu nutzen. Die Bezirksregierung hat dazu auch eine ganz klare Auffassung: Eine Zuwendung muss immer monetärer Art sein. Der eigentliche Finanzbedarf einer Musikschule wie unserer liegt zwischen 150.000 und 200.000 Euro. Dass eine Musikschule gar nichts von der Kommune erhält, ist so gut wie einzigartig.«

Michael Baggeler sieht nun ganz klar Handlungsbedarf bei der Stadt: »Wir erwarten, dass die Politik an die Bezirksregierung herantritt, um sich nach den kommunalen Fördermöglichkeiten zu erkundigen. Wir haben einen Weg aufgezeigt, den man gehen könnte, wenn man denn wollte.«

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Kommentar von Jürgen Mikus
In allen Medien liest man derzeit von der traurigen Situation, und auch die aktuelle Stunde im WDR-Fernsehen berichtet. Die Zahlen und die Begründungen wechseln wie das Wetter. Sind es nun 14.000 oder gar 16.000 € Defizit? Das muss doch eigentlich feststehen, denn es geht ja um das Jahr 2015. Bis 2014 arbeitete die Musikschule wirtschaftlich neutral, das heißt zumindest mit einer "schwarzen Null". Ende 2013 gab es einen kleinen Überschuss von 1.200 Euro. Dann kam März 2014: es wurde umstrukturiert und alles modernisiert!! Mit einem Handstreich wurde der Beirat abgeschafft. Diesem wurde gegenüber Medien sogar Kompetenz und Fachkenntnis abgesprochen. Wohlgemerkt, die Mitglieder arbeiteten ehrenamtlich - also ohne Entgelt - . Auch die Eltern- und Schülervertreter der Schule wurden abgeschafft. Die eigentliche Geschäftsführung hatte nun der Vorstand inne. Na, da hat der Vorstand vielleicht schlecht gewirtschaftet !?! Jetzt ist von gestiegenen Kosten, unter anderem für Miete, die Rede. Meines Wissens zahlt die Musikschule überhaupt keine Miete. Genau das ist der geldwerte Vorteil, den die Stadt seit Jahren bietet. Welcher andere e.V. -also eingetragener selbständiger Verein- hat das schon?

http://www.ksta.de/region/leverkusen/burscheid/burscheid-musikschule-strukturiert-sich-neu-1942222