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Frieden ist ein fortwährender Prozess

Der »Engel der Kulturen« ist sehr weit herumgekommen - und wird am 25. August auch in Monheim installiert.

Monheim am Rhein. (IT). Am 25. August wird in Monheim am Rhein der »Engel der Kulturen« installiert. Die wohl einmalige Skulptur vereinigt die drei großen abrahamitischen Weltreligionen in einem Kreis, der die Erde symbolisiert. Ein Zeichen, das in der heutigen Zeit kaum unterschätzt werden kann. Die WochenPost sprach mit dem Burscheider Künstler Gregor Merten, der den Engel gemeinsam mit seiner Partnerin Carmen Dietrich entwickelt hat.

Herr Merten, gab es ein einschneidendes Ereignis, das Sie zur Idee des Engels der Kulturen inspiriert hat?

 

2001 hat uns natürlich der Anschlag in den USA erschrocken und nachdenklich gemacht. Seit dieser Zeit haben wir bewusster auf die Entwicklung der Konfliktregionen und die Hintergründe geschaut und uns gefragt, was unser positiver Beitrag zu dem Thema sein könnte,

Dabei ist uns aufgefallen, dass es bei der Aufbereitung des Themas fast immer um das gesprochene Wort geht. Kaum jemand baut die positiven Signale, die von Vertretern der drei Weltreligionen und anderen kommen, zusammen. Das ist die Idee hinter dem Engel der Kulturen – eine komprimierte Form des Ausdrucks von Gemeinsamkeit trotz aller Gegensätze.

 

Sie haben die Symbole der drei Religionen Islam, Judentum und Christentum unvollständig in einem Kreis angeordnet, der die Welt symbolisiert. Wann wurde daraus ein Engel?

 

Es war uns wichtig, die Zeichen so weit auseinanderzusetzen, damit jeder seinen Raum bekommt. Dass die Mitte dieses ringförmigen Stahlelements einen Engel zeigt, ist uns erst hinterher bewusst geworden. Zunächst fanden wir das ein wenig befremdlich, weil wir keinen esoterischen Weg einschlagen wollten. Da Engel in allen drei Weltreligionen aber als Beschützer und Botschafter fungieren, hätte die Deutung kaum passender sein können.

 

Bislang wurden in 92 europäischen Städten Engel der Kulturen in den Boden eingelassen. Unter anderem sind Sie nach Sarajevo, Thessaloniki oder Istanbul gereist. Wie reagieren die Menschen dort auf Ihr Anliegen?

 

Grundsätzlich muss einem einfach klar sein, dass wir alle in einer Welt leben. Und viele Zeitgenossen begreifen das auch. In der Vielfältigkeit hat dieses Projekt uns als Menschen und Künstler unwahrscheinlich bereichert. Wir sind vorher selbst nicht so intensiv mit anderen Kulturen in Kontakt gekommen und hatten nie Gelegenheit zu solch tiefen Einblicken. Nachdem, was wir gesehen haben, sind wir umso überzeugter, dass die allermeisten Menschen verdient haben, Stimme und Ausdruck zu bekommen. Und das steuern wir auch bewusst an. Wir möchten den Religionen nahelegen, gemeinsam dafür an die Öffentlichkeit zu gehen. Deshalb sind auch meist Geistliche aus allen drei Religionen bei der Einlassung der Intarsie zugegen. Das zu sehen, berührt.

 

Es gab aber auch schon Widerstände gegen den Engel.

 

In Istanbul gab es ein paar seltsame Auflagen, die aber letztlich problemlos zu erfüllen waren. Wirklich erschrocken hat uns die Reaktion der Stadt Dresden, wo wir unsere Aktion mit einer Studentengruppe durchgeführt haben. Dort wurden wir verhaftet.

 

Wie bitte?

 

Man hat uns dort zunächst von der Verwaltungsseite her viele Steine in den Weg gelegt. Hinzu kam, dass wir am Tag einer Pegida-Demo dort waren. Die Aktion haben wir mit einer Studentengruppe durchgeführt.

Die rund 10.000 Pegidisten dort zu erleben, haut einem die Füße weg. Die sind dort in der Breite von 20 Personen pro Reihe mit Parolen gelaufen, dass einem wirklich anders wurde.

Mit 800 Gegendemonstranten zogen wir schließlich über die Elbbrücke, wo wir verhaftet wurden, weil unsere Fahne mit 2,30 Meter Durchmesser angeblich zu groß war. Das Verbot fußt auf einem seltsamen Erlass, der Stadt, der erst zwei Tage zuvor verabschiedet worden war.

In Leipzig mauerte die Stadtverwaltung auch. Es gebe keine Verbindung zwischen dem Engel der Kulturen und der Stadt hieß es. Eine bemerkenswerte Aussage.

 

In Monheim war es hingegen offenbar einfacher.

 

Die Aktion wurde über ein ganzes Jahr vorbereitet. Ein Sozialarbeiter an der Opladener Berufsschule hat der Stadt Monheim das Projekt angetragen. Wir hoffen, dass die Aktion auch etwas Positives in der aktuellen Auseinandersetzung um die beiden islamischen Gemeindezentren bewirken wird, denn letztlich lautet die Botschaft: Es geht nur miteinander.

 

Die aus der Form vor dem Einlassen der Intarsie ausgestanzten Metalengel werden zu einer Säule aufgeschichtet, die am Ende in Jerusalem aufgestellt werden soll, um dort zu dokumentieren, wie viele Menschen in Europa, schwerpunktmäßig in Deutschland, aber auch über Europa hinaus, den Willen bekunden, Verschiedenheit in friedlicher Koexistenz zu leben. Was hält man dort von der Aktion?

 

Mit dem Jerusalemer Bürgermeister ist die Aktion kommuniziert worden. Es wird vielleicht nicht ganz einfach werden, aufgrund der aktuellen politischen Situation. Dennoch sind wir optimistisch.

Im kommenden Jahr werden es gut 100 Intarsien sein, die dann zu der Säule aufgeschichtet werden. Die Scheiben werden aufeinandergelegt und beschriftet, um sichtbar zu halten, woher sie kommen. Damit ist das Projekt nicht beendet. Es folgen immer weitere Städte und damit wächst die Säule, was verdeutlicht, dass friedvolles Miteinander ein fortwährender Prozess ist.

 

Info:

- An einer geeigneten Stelle, idealerweise von Vertretern verschiedener Kulturen in ihrer jeweiligen Stadt bestimmt, wird das vorbereitete Zeichen in Form einer Intarsie in den Boden eingelassen. Anschließend wird das nächste Zeichen – für eine weitere Stadt – an gleicher Stelle mit Hilfe der Anwesenden aus einer kreisförmigen Stahlplatte mit dem Schneidbrenner ausgeschnitten.

- Der nun fertig erstellte Engel der Kulturen wird an einer weiteren Stätte in den Boden eingebracht. Und dort wird wiederum das Zeichen für die nächste Stadt ausgebrannt usw., sodass es zu einem miteinander verbundenen Weiterreichungsprozess kommt.

- Das ringförmige Stahlelement wird zunächst für die nächste Installation fertiggestellt, indem in die Mitte mit blau eingefärbtem Spezialbeton ausgegossen und dann mit einem aus Aluminium gegossenen quadratischen Rahmen versehen wird, der dazu dient, die Intarsie gegen den jeweiligen Untergrund abzusetzen.

- Der Engel der Kulturen wird auch in Monheim durch die Straßen gerollt, bevor die Intarsie fest in den Boden eingelassen wird. Start ist um 15 Uhr im Hof der Ozman Gazi Moschee, Niederstraße 52. Danach geht es weiter zur evangelischen Altstadtkirche (Grabenstraße), zur katholischen St. Gereon Kirche (Franz-Böhm-Straße), zum Standort des alten jüdischen Gebetshauses (Grabenstraße) und anschließend zum Haus der Chancen (Friedenauer Straße 17c), wo die Intarsie in den Boden eingelassen wird.

 

 

 

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Kommentar von carla
schöne sache die sie da vorstellen....ein wunderbares Kinderbuch zu dem thema Toleranz zwischen den Religionen bringt es - auf einfache Art und Weise - denk ich -auf den punkt: "Mein Gott, dein Gott, Unser Gott" liebe grüsse

So macht Umwelterziehung richtig Spaß

Monheim am Rhein. Petrus hat es gut gemeint, mit den rund 90 Kindern und deren Eltern, die sich am 16. April bei bestem Wetter zusammengefunden hatten, um die Umgebung rund um die Kita Max und Moritz an der Oranienburger Straße von achtlos weggeworfenem Unrat zu befreien.Umweltschutz beginnt zu HauseZu der Aktion aufgerufen hatte eine Elterninitiative. Wobei, eigentlich ging das Ganze von dem fast vierjährigen Lennard aus. Mit seiner Familie besuchte er kürzlich den Aquazoo in Düsseldorf. Hier fiel dem Jugen vor allem das ausgestellte Skelett eines Pottwals auf. Dort, wo man eigentlich den Magen des Tieres sehen sollte, befand sich jetzt ein schwerer Klumpen Plastikmüll.»Die Installation soll auf die Gefahr von Plastikmüll im Meer für Wale aufmerksam machen. Sie hat bei meinem Sohn großen Eindruck hinterlassen«, erzählt Lennards Mutter Lea.Noch Wochen nach dem Besuch habe der Junge viele Fragen gestellt und wollte den Walen und anderen Tieren, die durch den Plastikmüll im Meer bedroht sind, helfen.»Zunächst hatten wir überlegt, im Urlaub am Strand Müll aufzusammeln«, erzählt Lennards Mutter weiter. Dann aber habe man sich gedacht »Warum bis zum Urlaub warten, wenn man auch vor der eigenen Türe anfangen kann?!«Die Idee für eine Eltern-Kind-Müllsammelaktion war geboren. Untersützung bekamen Lennard und seine Mama von der Abfallberatung der Stadt Monheim und der Kita Max und Moritz.Mit Greifern, Sicherheitshandschuhen, Müllsäcken und Warnwesten ging es am 16. April also los. Die Kinder waren mit Freude und Eifer bei der Sache. Schnell wurden sie auch fündig – drei prallgefüllte Müllsäcke, ein Staubsauger und sogar ein Kinderautositz kamen am Ende zusammen. Für jedes Kind gab es eine persönliche Müllexperten-Medaille und einen Schokoladen-Lutscher als Belohnung, bevor alle gemeinsam auf den Spielplatz gingen und dort ein Picknick veranstalteten.»Müllsammeln macht Spaß! Das müssen wir nochmal machen!«, freut sich Lennard. Seine Mutter ergänzt: »Das positive Feedback der Kinder und Eltern ist ein Ansporn, die Aktion in absehbarer Zeit zu wiederholen!«Petrus hat es gut gemeint, mit den rund 90 Kindern und deren Eltern, die sich am 16. April bei bestem Wetter zusammengefunden hatten, um die Umgebung rund um die Kita Max und Moritz an der Oranienburger Straße von achtlos weggeworfenem Unrat zu…

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