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Familiensache: »Uns hält die Zeit nicht auf«

Teil 2 der WochenPost-Serie über Unternehmen, die seit Generationen in einer Hand sind. Heute: Haus Rheinblick in Monheim am Rhein

Monheim am Rhein. (IT). Es war ein ungemütlicher Tag. Der Wanderer blickte an sich herab: Hemd und Hose klebten an seiner Haut. Der dünne Mantel schützte nur unzureichend vor dem Dauerregen, der ihn seit Stunden quälte.

Auf seinem Weg in Richtung Köln war er beständig dem Verlauf des Rheins gefolgt, der seit Tagen über die Ufer getreten war. Als er an diesem 12. April des Jahres 1888 zu später Stunde  im kleinen Örtchen Blee eintraf, konnte er nur noch an eins denken: ein warmes Bett. 

Gefährlicher Rhein

Doch die freudige Aussicht auf einen Eintopf und ein paar warme Decken schwand umgehend. Man habe keine Möglichkeit, Reisenden Nachtlogis zu gewähren, hieß es an allen Türen im Ort. Das nächste Gasthaus befinde sich im etwa 30 Minuten entfernten Hitdorf. Der Wanderer nickte stumm, zog den Kragen des klatschnassen Mantels hoch und machte sich auf den Weg.

Am nächsten Tag fand man seine Leiche. Er war in der Dunkelheit an einer Werft ins Hochwasser geraten und ertrunken. 

Ein Gasthaus entsteht

Der Fall ist deshalb bekannt geworden, weil ein Ackerer namens Peter Ott seit 1894 versuchte, die Konzession für ein Gasthaus in Blee vom Landkreis Solingen zu erlangen. Zunächst allerdings vergeblich. Die Bürokraten des Landkreises beharrten darauf, dass es genug Wirtschaften in der Umgebung gebe.

Es sollte bis zum September 1896 dauern, ehe sein Anliegen bewilligt wurde. Der namensgleiche Urahn des heutigen Betreibers legte damit den Grundstein für eine Familientradition, die in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich erscheint.  Doch Peter Ott, der den 1935 errichteten Neubau des Gasthofs an der Rheinuferstraße mittlerweile in der dritten Generation mit seiner Frau Sabine führt (das ursprüngliche Gebäude war 150 Meter vom heutigen Standort entfernt errichtet und ebenfalls von der Familie Ott betrieben worden), hatte zunächst andere Pläne und wollte die große weite Welt bereisen. 

Planänderung

»Ich habe mich zwar schon als Kind pudelwohl im Betrieb meiner Eltern gefühlt und wollte auch früh Koch werden. Aber meine Sporen wollte ich mir dann doch eher in der großen weiten Welt verdienen. Zunächst habe ich in einem Betrieb in München gearbeitet und wollte von da aus nach Österreich«, sagt Peter Ott rückblickend. Ein Unfall führte 1985 zu einer folgenschweren Planänderung. Ott: »Als hier im Haus die Kegelbahn gebaut wurde, zertrümmerte sich mein Vater in der Pudelrinne die Kniescheibe. Daraufhin habe ich mich nachts von München aus in den Zug gesetzt, um zu helfen und bin seitdem fest hier.«

Geschadet hat es ihm nicht. »Ich habe den Schritt nicht bereut. Es hängen ja auch viele schöne Kindheitserinnerungen an dem Betrieb, die oft von einigen Stammgästen aufgefrischt werden, die mich schon als kleinen Steppke kannten.«

Dass Peter Ott sich entschieden hat, Koch zu werden, hat nicht nur etwas mit den Genen zu tun, wie er erklärt: » Man wird eben geprägt. Wenn das Geschäft brummt, fragt man die Kinder schon mal, ob sie helfen. So fängt es an. Meinem Sohn habe ich aber immer geraten, er solle sich etwas suchen, das ihn nicht einengt. Ich sagte: Als Koch stehst du eigentlich immer unter Druck, es gibt kaum freie Tage. Man muss diesen Job sehr lieben. Tja, er lässt sich heute trotzdem zum Koch ausbilden. Und unsere Tochter hat bereits ein Praktikum als Hotelfachfrau absolviert und wird der Branche wohl auch treu bleiben. Irgendwie kann ich das auch verstehen. Als ich bei der Bundeswehr war, musste ich ein halbes Jahr lang im Büro arbeiten. Das war absolut nicht mein Ding. Da habe ich zum ersten Mal begriffen, wie schön der Beruf des Kochs doch eigentlich ist«, sagt der Gastronom lachend. 

Familiärer Charme

Seine Frau Sabine versucht die Faszination des Hauses Rheinblick und seines ganz besonderen, historisch gewachsenen, Charmes zu erklären: »Die meisten Gäste lieben das Familiäre am Haus Rheinblick. Das spürt man einfach. In vielen Hotels steht immer wieder jemand anderer an der Rezeption. Hier hingegen stößt man nur auf vertraute Gesichter. Zudem  ist uns ein harmonischer Umgang mit dem Personal wichtig. Meine Schwiegereltern helfen auch immer mal wieder aus. Fakt ist: »Ohne die Familie Ott gäbe es hier kein Gasthaus. Das ist irgendwo auch eine Verpflichtung.«

Und die genießen die Gäste in vollen Zügen. Gut bürgerliche Küche der Region ist der Renner im Haus Rheinblick. Ob der Rheinische Sauerbraten oder die Haxe - casino-red nicht nur Touristen läuft das Wasser im Mund zusammen, wenn sie einen Blick in die Speisekarte werfen.  

Der Name ist Programm

Zudem wird der »Gasthof« mit seinen 21 gemütlichen Zimmern seinem Namen vollauf gerecht und ist bei Durchreisenden seit Jahrzehnten beliebt. Peter Ott: »Wir versuchen immer, die Preise familienfreundlich zu halten und auch dann nicht anzuheben, wenn gerade Messen oder andere Events in den großen Nachbarmetropolen stattfinden. Das wissen die Gäste zu schätzen.« 

Zu schätzen wissen sie auch die herrliche Aussicht von der geräumige Terrasse und den Festsaal, den Gesellschaften  mit bis zu 80 Personen belegen können. Apropos Terrasse. Wenn es dort kühler wird, sorgen zwei Kamine für den Wohlfühlfaktor. Den garantieren auch die rund 20 Mitarbeiter. Sabine Ott: »Wir alle mögen den Umgang von Mensch zu Mensch. Dadurch ist kein Tag wie der andere, auch wenn der Ablauf im Grunde immer gleich ist. Zu 99 Prozent sind die Gäste auch sehr nett. Und genau deshalb macht es eben Spaß.« 

 

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