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Der Wanderer, der im Rhein ertrank

Monheim am Rhein. In diesem Teil unserer Serie »Unheimliche Orte« nehmen wir Sie mit, auf eine Wanderung, die die dunkelste Stunde der Blee beschreibt.

Wir schreiben den 12. April des Jahres 1888. Später Abend im Ortsteil Blee. Es regnet in Strömen und der Wind ist eisig. Wer nicht unbedingt vor die Türe muss, bleibt in der warmen Stube und wärmt sich am Ofen.

Auf der Suche nach einer Herberge

Auf seinem Weg nach Köln kämpft sich ein Wanderer, dem Verlauf des Rheins folgend, durch das Unwetter.
Die Hände tief in den Taschen vergraben, den Kopf gesenkt und den Mantelkragen hochgestellt, spürt er den Regen den Nacken herunter laufen. Die durchnässte Hose klebt an seinen Beinen, in den Schuhen steht das Wasser. Von der Rheinseite aus pfeift ihm der Wind um die Ohren. Er friert bitterlich.
In dem kleinen Örtchen Blee also, so denkt der Fremde, wird er Einkehr für die Nacht finden: ein kräftiges Mahl einnehmen, sich vielleicht einen leckeren Trank gönnen und sich dann auf ein gemütliches und warmes Lager begeben. Am nächsten Morgen dann wäre die Kleidung am Ofen getrocknet und er könne, gestärkt mit Brot und Kaffee, seine Reise den Rhein entlang fortsetzen.
In diese Gedanken versunken geht der Fremde bei immer dunkler werdender Nacht von Tür zu Tür. Doch überall wird er abgewiesen: Man habe keine Möglichkeit, ihn zu beherbergen. Man sagt ihm, das nächste Gasthaus befindet sich im einige Kilometer entfernten Hitdorf. Entmutigt, durchgefroren und dem Ende seiner Kräfte nah, macht sich der Mann also auf, die nächste Etappe seiner schon viel zu langen Wanderung anzutreten.
Am Rheinufer entlang kehrt er Blee den Rücken und verschwindet langsam in der Dunkelheit.
In Hitdorf sollte er nie ankommen. Am nächsten Morgen findet man seine Leiche im Rhein. In der Dunkelheit kam er wohl vom Weg ab, geriet an einer Werft ins Hochwasser und ertrank.

Die Geburtsstunde des Haus Rheinblick


Mit dieser Geschichte versuchte der Ackerer Peter Ott sechs Jahre später, am 17. April 1894, die Beantragung einer Konzession zum Betrieb einer Gastwirtschaft voranzutreiben.
An den Landkreis Solingen gewandt, schrieb er, dass es für Besucher von Außerhalb, aber auch für Einheimische in Blee und Umgebung keine Möglichkeit der Einkehr gäbe. Nachdem er im ersten Versuch scheiterte, führte der zweite Anlauf im Jahr 1896 zum Erfolg:
Das Haus Rheinblick war geboren. Bis heute ist es in der Familie geblieben. Geführt von Peter Ott und seiner Frau Sabine.
Nun muss sich niemand  mehr davor fürchten, in kalter und stürmischer Nacht abgewiesen zu werden.

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