IT

Extrem-Wetter: Das Ende der fetten Jahre

Monheim am Rhein. Nicht nur Benzinlieferanten haben unter den Folgen der extremen Trockenheit zu leiden. Vor allem regionale Agrarbetriebe müssen mit dramatischen Einbußen rechnen.

Noch im Sommer dieses Jahres sparte der Deutsche Bauernverband nicht mit apokalyptischen Formulierungen wie »Die schlechteste Ernte des Jahrhunderts«. Tatsächlich haben auch unsere regionalen Bauern mit Einbußen zu kämpfen. Allerdings gilt die Ertragsminderung in erster Linie für Weizen, Raps oder Kartoffeln. Obstbauern erzielen hingegen sehr gute Ergebnisse. Es hängt letztlich an der Art der angebauten Feldfrucht. 

Wir sprachen mit Robert Bossmann, der auf seinen 120 Hektar Land in Monheim, Urdenbach und Leverkusen diverse Ackerkulturen, sowie Erdbeeren und Spargel anbaut »Unsere Ernteverluste belaufen sich auf gut 20 Prozent. Es ist natürlich von Kultur zu Kultur unterschiedlich. Bei Getreide sind es durch etwas gestiegene Preise nur zehn Prozent Umsatzverlust.  Zuckerrüben, Kartoffeln, Raps und Mais wurden hingegen stärker in Mitleidenschaft gezogen.«, so Bossmann, der auch gleich zeigt, was er meint. Auf einem Feld, das von der extremen Hitze besonders stark betroffen war, sind die Zuckerrüben nur noch halb so dick wie sie eigentlich sein sollten.   

Rheinland weniger betroffen

»Mit den Verlusten sind wir im Rheinland noch mit einem blauen Auge davongekommen. Im Norden oder Osten hatten einige Bauern sogar einen Totalschaden«, so Bossmann, der darauf verweist, dass die extreme Nässe des letzten Jahres mehr oder weniger übergangslos in die totale Trockenheit übergegangen ist. »Die Nässe hat eine Einsaat in der Winterung verhindert - daher hat man das viel ertragsärmere Sommergetreide anpflanzen müssen«, sagt der Landwirt. 

Kurz gesagt: Bauern müssen in solchen Phasen durch weniger Umsatz mit weniger Geld bis zur nächsten Ernte auskommen und notfalls Kredite aufnehmen. Gleichzeitig steigen die Preise für den Endverbraucher. 

Hierzu hat Robert Bossmann allerdings eine eher kritische Haltung: »Vielleicht werden die Pommes und Brötchen etwas teurer. Solche Jahre werden aber von der Industrie auch gerne genutzt, um zu begründen, dass die Brötchenpreise wieder anziehen. In Wirklichkeit steckt in jedem Brötchen nur  noch ein Cent vom Gesamtpreis, der beim Bauern für den Weizen ankommt. Alles andere schlagen der Getreidehandel, die Mühle und die Bäckerei zur Veredelung des Kornes zum Brötchen und zur Deckung ihrer Produktionskosten und Gewinnmarge oben drauf«, sagt er.

Komplexe Dürrehilfen

Die Bundesregierung hat Dürre-hilfen ins Spiel gebracht, um den Bauern zu helfen. Allerdings sind die bürokratischen Hürden oft so hoch, dass sie kaum abgerufen werden. So muss man in einer komplexen Rechnung 30 Prozent Verluste aus der Gesamtproduktion nachweisen, was nicht immer ganz leicht ist.

Verbraucher im Glück?

Für die Verbraucher hingegen gebe es wohl keine so großen Probleme, meint etwa der Hildener Markthändler Matthias Plenkens. An seinem Stand, mit dem er freitags auf dem Nordmarkt steht, gibt es kein eingeschränktes Angebot. »Das kommt auch einfach drauf an. Natürlich hat die Industrie etwa Probleme, größere Kartoffeln zu bekommen, wie man sie für die Pommes-Herstellung benötigt. Aber der Verbraucher bekommt auch so genügend«, sagt er. Einige Waren bezieht der Hildener Händler unter anderem vom Niederrhein. »Die haben da auch Glück mit dem Grundwasser und konnten viel bewässern«, sagt er. Die größten Einschränkungen durch den heißen Sommer habe man direkt am Stand auf dem Markt gehabt. »Da hatten wir wegen der Hitze früher auf und auch eher zu«, sagt er. Noch bräuchten sich aber Verbraucher keine Sorgen zu machen, weniger oder teureres Obst und Gemüse auch aus der Region zu bekommen, sagt er. Das könnte sich aber ändern: »Die Folgen dieses Sommers hat auch der regionale Einzelhandel gespürt. »Von außen sehen die Pflanzen super aus, aber von innen sind sie regelrecht verkrüppelt«, sagt Sven Lucht, Besitzer des Bioladens Rheinkiesel. Der Fenchel sei beispielsweise regelrecht von innen verbrüht, nachdem er berieselt wurde.

Die Folgen der Dürre könnten uns noch länger beschäftigen, falls die extremen Witterungsverhältnisse sich nicht ändern.   

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.