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Interview mit Monheims Bürgermeister: »Auf einem guten Weg«

Monheim am Rhein. Mit der Europawahl werden die Weichen für Entwicklungen gestellt, die uns alle betreffen. Aber vor allem die heutige Jugend wird die Auswirkungen spüren und damit leben müssen. Dennoch waren die Gegner politisch handelnder Jugendlicher selten so laut wie in diesen Tagen. Ob die jungen Aktivisten alles richtig machen, erörtern wir mit jemandem, der ganz ähnliche Erfahrungen machen musste: Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann.

Herr Zimmermann, können Sie sich noch daran erinnern, warum Sie als Jugendlicher politisch aktiv wurden?

Seinerzeit gab die Wahlrechtsänderung den Ausschlag. Der Umstand, dass man mit 16 wählen durfte, hat mir Mut gemacht.

Warum?

Weil man als junger Mensch schon lernt, dass Wünsche und Vorschläge umgesetzt werden können, wenn man sich an politischen Prozessen beteiligt. Das sieht man bei uns in Monheim an der regen Beteiligung der jungen Leute im Jugendparlament, aber auch schon beim Verwirklichen von Ideen zum Bau von Freizeitanlagen oder Spielplätzen.  

Hand aufs Herz: Hat Sie als Sechzehnjähriger, der gerade eine Partei gegründet hatte, das Gerede der Polit-«Profis« gestört, die Sie nicht ernstnehmen wollten?

Ein paar altväterliche Ratschläge muss ich mir ja auch heute noch anhören (lacht). Aber gut, es war natürlich frustrierend, denn von den anderen Parteien hat uns kaum jemand für voll genommen. Niemand hat gedacht, dass wir mal die absolute Mehrheit erreichen könnten.  

Mit dieser Art der Geringschätzung müssen ja auch heutige Jugendliche klarkommen, die sich politisch engagieren. 

Ja, aber das ist ja keine neue Entwicklung. Skepsis gegenüber der Jugend gab es schon bei den alten Griechen. Und letztlich muss man einfach weitermachen. Ich hoffe, dass ich mit meiner Biografie den lebenden Beweis angetreten bin, dass man tatsächlich etwas bewegen kann, wenn man an eine Sache glaubt – unabhängig vom Alter. Ich bin damals nicht politisch aktiv geworden, um Bürgermeister zu werden. Das muss ja auch gar nicht sein. Manchmal reicht es, eine E-Mail zu schreiben, Unterschriften zu sammeln oder im Verein oder der Schülervertretung aktiv zu werden, um Veränderungen zu erreichen.

Also unterstützen Sie die Fridays For Future-Demos?

Ich persönlich finde diese Demos super, weil sie den Nagel auf den Kopf treffen und die Jugendlichen jedes Recht dazu haben. Schließlich müssen sie mit den Folgen unseres Handelns leben.


FDP-Chef Christian Lindner, der ungefähr in Ihrem Alter ist, möchte Politik lieber den Profis überlassen.

Mit dieser Aussage hat er sich angreifbar gemacht. Vor allem, wenn man sieht, in welch jungen Jahren er schon an seiner Karriere gearbeitet hat. 


Die Europawahl steht vor der Tür. Europäische Politik wird an der Oberfläche eher negativ dargestellt. Zu viel Bürokratie und Regulierungswahn. Kann man Erstwähler begeistern, sich mit den Themen  unvoreingenommen auseinanderzusetzen?  

Ja, natürlich. Jeder ist doch froh, dass er überall mit dem gleichen Geld bezahlen, internationale Studienprogramme nutzen und problemlos Grenzen überschreiten kann. Über zu viel Bürokratie kann man sicherlich diskutieren. Wenn aber der nächste Rindfleischskandal kommt, dann rufen alle nach mehr Regulierung. Letztlich kann man doch jedem klar machen, dass es gut ist, wenn ein hiesiges Unternehmen in Deutschland eine Waschmaschine bauen und nach Spanien exportieren kann, ohne dort mit Auflagen belastet zu werden, die den Export sinnlos erscheinen lassen. 

Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg in Europa, den wir weitergehen müssen – und daran werden sich die jungen Leute beteiligen müssen, weil es eben um ihre Zukunft geht.

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