Christian P. Seibel

Stilloses Foulspiel aus Langenfeld?

Langenfeld. Die Stadt Langenfeld hat in anderen Städten für ihren Standort mit den neuen niedrigen Gewerbesteuersätzen geworben. Prompt kam ein böser Brief aus Gelsenkirchen.

»Diese Offerte ist in meinen Augen nicht nur unsolidarisch, sondern auch unkollegial und vor allem ein Affront gegen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gelsenkirchener Wirtschaftsförderung [...]«, schreibt der Gelsenkirchener Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) an seinen Amtskollegen Frank Schneider (CDU).


Was ist da los? Die Langenfelder Wirtschaftsförderung hat rund 600 Briefe an Unternehmen im Umkreis von bis zu 70 Kilometern geschrieben und mit den niedrigen Grund- und Gewerbesteuerhebesätzen geworben. Die meisten gingen an Betriebe in der Rheinschiene und nur wenige ins Ruhrgebiet. »In Gelsenkrichen haben wir nur einen Betrieb und zwei Unternehmensberater angeschrieben«, erläutert Heike Schönfelder, Leiterin der Wirtschaftsförderung. Den Kreis Mettmann habe man bewusst ausgespart.

 

Kein Verständnis für die Kritik

 

Bürgermeister Frank Schneider zeigt wenig Verständnis für seinen Kollegen. »Alle fordern den Zusammenhalt. aber die Städte stehen nunmal im Wettbewerb um Arbeitsplätze und junge Familien für die Stadtgesellschaft. Wer das nicht sieht, hat sein Amt verfehlt. Andere Städte punkten mit einer schönen Altstadt. Wir müssen uns da anders aufstellen«, sagt Schneider. Auch Langenfeld habe in den 70er Jahren schlagartig mit hohen Arbeitslosenzahlen und Strukturwandel zu tun gehabt. Aber durch eisernes Sparen und eine Bürgerschaft, die das mitgetragen habe, habe man den Wandel schließlich geschafft.


Zudem habe die Stadt von 2014 bis 2017 11,6 Millionen Euro an ärmere Städte als Solidarbeitrag gezahlt, obwohl man dadurch in zwei Jahren einen defizitären Haushalt hatte. »Da kam kein ‚Euer Geld wollen wir nicht - euch geht es ja selbst nicht gut‘«, gibt Schneider zu bedenken. Das sei alles nicht persönlich gegen Baranowski gerichtet. Schon seine Amtsvorgänger hätten da Fehler gemacht, so Schneider.

 

»Das ist kein Stil!«

 

Baranowski bleibt aber bei seiner Linie: »Nein, das ist kein Stil! Jedenfalls kann ich für die Stadt Gelsenkirchen in Anspruch nehmen, im Miteinander der kommunalen Familie auf derartige Foulspiele zu verzichten – und das sehr bewusst.«


Eins hat der Gelsenkirchener OB allerding mit seiner Kritik erreicht: Die Stadt Langenfeld und ihre Steuersätze sind in aller Munde. Oder um in seinem  sportlichen Bild zu bleiben: Ein Eigentor nach Foul-Elfmeter.


Dabei wäre der Ärger eigentlich vermeidbar gewesen. Denn das angeschriebene Unternehmen ist seit 50 Jahren tief in Gelsenkirchen verwurzelt und hat sich schon zu Zeiten hoher Arbeitslosigkeit immer zu seinem Standort bekannt. »Da hat sich die Stadt Langenfeld genau den falschen Betrieb ausgesucht«, sagt der stellvertetende Gelsenkirchener Pressesprecher Oliver Schäfer leicht schmunzelnd.


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