Christian P. Seibel

Langenfeld: Kahlschlag im Biotop

Langenfeld. Ungenehmigte Rodungen an der A3 rufen Unverständnis und Ärger hervor. Eine Umkehr der Aktion kann teuer werden.

Der 1. Vorsitzende der BUND Ortsgruppe Langenfeld, Karl Wilhelm Bergfeld, ist spürbar sauer. Die Zerstörungen in einem schützenswerten Biotopbereich entlang der A3 bei Wiescheid durch eine Baufirma, die im Auftrag des Landesbetriebs Straßenbau NRW die Sanierung der Autobahn vornimmt, treffen ihn sehr. Vor allem, weil es für die Rodung von rund 1.500 Bäumen und das Umpflügen eines streng geschützten Biotops in diesem Bereich keine Genehmigungen gab. Weder die Stadt Langenfeld, noch die Forstbehörde oder die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Mettmann wurden im Vorfeld informiert.

Stadt und Kreis

reagieren sofort


»Auch wenn der Landesbetrieb Straßen einen Antrag auf Genehmigung gestellt hätte, wäre diese aufgrund des besonderen Schutzstatus’ der Fläche nicht erteilt worden. Und sie wird auch nicht nachträglich erteilt werden«, stellt Landrat Thomas Hendele unmissverständlich klar. Bürgermeister Frank Schneider setzte sich nach Bekanntwerden umgehend für einen Baustopp ein und erstattete Strafanzeige gegen die bauausführende Firma und den Landesbetrieb. »Es wäre aus meiner Sicht das falsche Signal, wenn die Verantwortlichen für dieses unglaubliche Fehlverhalten nicht zur Rechenschaft gezogen würden.

Vor allem vor dem Hintergrund des zerstörten Biotops und der damit vorher wohl kaum gegebenen Genehmigungsfähigkeit durch den Kreis als zuständige Naturschutzbehörde möchte ich hier ausschließlich fahrlässiges Handeln zumindest in Frage stellen und juristisch untersucht wissen«, sagt Schneider. Mit der Forderung nach sofortiger Wiederaufforstung der Fläche und Wiederherstellung des Biotops trifft er auf breite Zustimmung bei Fraktionen und Umweltschützern.

Wiederaufforstung kann

teuer werden


Einfach und billig wird diese Renaturierung wohl nicht. Es handelt sich bei dem circa 1,5 Hektar großen Gelände um einen »schützenswerten Biotopbereich«, der noch einen »streng geschützten Bereich« mit einer Fläche von 1.430 Quadratmetern enthält, in dem bisher unter anderem auch das gefleckte Knabenkraut, eine äußerst seltene und geschützte Orchideenart, zu finden war. Dafür muss der Boden auf die richtige Zusammensetzung gebracht werden. Nicht zu sauer, nicht zu kalkhaltig. »Das ist nicht mal eben gemacht. Hierzu ist fachliche Planung erforderlich unter Regie der Unteren Landschaftsbehörde. Gegebenenfalls ist hierzu auch ein externer Berater hinzuzuziehen. Und das kann dann auch teuer werden«, gibt Bergfeld zu bedenken. Zudem sollten auch keine kleinen Setzlinge die gerodeten Bäume ersetzen, sondern schon groß gewachsene.

A3-Ausbau

im Blick


Im Hinblick auf den geplanten achtspurigen Ausbau der A3 wäre das zerstörte Biotop für die Planungen natürlich praktisch. »Wertvolle Biotope, die man vorher aus dem Wege räumt, müssen dann auch nicht mehr kartiert werden.« Trotzdem bleibt Bergfeld in dem Punkt doch etwas gelassen: »Den Ausbau sehe ich so noch nicht.« Es sollten, wie vom Oberbürgermeister der Stadt Solingen und den Bürgermeistern von Langenfeld, Hilden und Leichlingen in einem Brief an die Direktorin von Straßenbau NRW gefordert, erst alle Möglichkeiten des Verkehrsmanagements, der Verkehrslenkung und die Benutzbarkeit des Standstreifens in Betracht gezogen werden.


Straßenbau NRW hat inzwischen um Entschuldigung gebeten und zugesagt, die betroffene Fläche in der nächsten Vegetationsperiode wieder aufzuforsten.Trotzdem wird es einige Zeit dauern, bis die Bürger sich an dem Anblick eines neuen Biotops und vielleicht auch der seltenen Orchidee erfreuen können.

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