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Die heiße Liebe zum alten Blech

Langenfeld. Die Investition in den richtigen Oldtimer verspricht eine Rendite, mit der kaum eine Aktie mithalten kann. Günter Cramer und Dieter Gottschalk von den Oldtimer Freunden Langenfeld ist das egal. Zum Wegstellen sind ihre Autos viel zu schade, finden die beiden.

Ortstermin auf dem Parkplatz vor dem Sportzentrum an der Langforter Straße. Die Frage ist eigentlich eine Unverschämtheit, trotzdem stelle ich sie. »Kann ich mal den Schlüssel haben?« Ohne mit der Wimper zu zucken sagen Günter Cramer und Dieter Gottschalk ja. Ziemlich mutig von ihnen, denn es handelt sich hier um die Schlüssel ihrer Oldtimer und die beiden kennen mich erst seit ein paar Minuten.
In den Porsche von 1953 steige ich nicht, ich fädel mich in das zierliche Auto ein. Und mache dabei keine glückliche Figur. Die stehenden Pedale, das Zündschloss auf der linken Seite -der Schlüssel selber sieht aus wie ein Briefkastenschlüssel-,  dazu eine Handbremse in Spazierstock-Format. Mir wird schnell klar: In diesem 55 Jahre alten Auto ist wirklich alles anders als ich es gewohnt bin. Die Kupplung  will mit sehr viel Kraft und genauso viel Gefühl getreten werden, mit dem Schaltstock (in diesem Fall trägt er den Namen zu Recht) rühre ich suchend im Getriebe.

Heftiges Vibrieren bei jeder Drehzahl

Der Boxermotor erwacht mit einem Geräusch, als würde man Kronkorken in einen Ventilator schmeißen. »Hört sich an, als säße der Motor neben einem«, sagt Dieter Gottschalk, der selbst auf dem Beifahrersitz Platz genommen hat. Das Lenkrad ist gleichzeitig filigran und riesengroß, dafür lässt es sich so schwer drehen, als wäre es das Steuerrad einer Viermastbark. Heftig vibriert das Auto, so in etwa muss es sich auch in einem Kübelwagen anfühlen. Ich verstehe sofort, warum Gottschalk nie schneller   als 120 Km/h fährt, obwohl der alte Porsche auch heute noch für 180 Sachen gut sein soll. Spaß macht das aber vermutlich nicht. Die Sicht nach hinten ist bescheiden, in jedem Rasierspiegel würde ich mehr erkennen. Kurven peile ich wage über die beiden hochgestellten Kotflügel an, irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit, ob ich auf der Straße bleibe oder einen Unfall baue. Entsprechend hoch ist mein Adrenalinspiegel.

James Dean starb

im Porsche 356

Dieses Auto ist immerhin eine Ikone. James Dean starb in einem, Janis Joplin sang von einem (obwohl sie lieber einen Mercedes-Benz haben wollte) und Peter Krauss hat heute noch zwei davon in der Garage stehen. Die Rede ist vom Porsche 356, dessen erstes Modell im Mai vor 70 Jahren die Werkshallen verließ, und in dem ich gerade fahre.
Der Umstieg in den Triumph TR 6 Roadster von Günter Cramer ist auch nicht ohne. Zwar fehlt das Dach, was den Einstieg erleichtert, dafür legt man sich anschließend hinein wie in einen Schlafsack. Die Füße verheddern sich in der Pedalerie und das Zündschloss – mittig unter dem Lenkrad - muss ich erst mal finden. Das Holz am Armaturenbrett erinnert ein wenig an Omas Küchenbrettchen. Die Patina lassen beide dran. Ist das schlimm? Nein, das ist Leben. Im Triumph funktioniert alles etwas leichtgängiger als im Porsche, aber nichts leicht. Vielleicht liegt es daran, dass das Auto »erst« 43 Jahre alt ist. Der Roadster fährt noch ein Stück satter, hemdsärmeliger. Richtungsänderungen nimmt aber auch er als grobe Empfehlung an, und beim beherzten Tritt auf die (Trommel)-Bremse passiert erst einmal ganz lange nichts. Beide Sportwagen erziehen ihre Fahrer zur Zurückhaltung.

Oldtimerfahren ist vor allem sinnlich

 

Ein Triumph TR 6 kostet in ordentlichem Zustand zwischen 15- und 25.000 Euro. Der Porsche etwa fünfmal so viel. Macht er deshalb auch fünfmal so viel Spaß? Kann man so nicht sagen. Die frühen Porsche standen Ende der 70er Jahre noch auf Schrottplätzen herum und warteten auf Bastler oder die Schrottpresse. Dieter Gottschalk hat seinen vor fünf Jahren für rund 45.000 Euro gekauft. Heute ist er knapp 120.000 Euro wert. Für die Oldtimer-Freunde ist der Wertzuwachs aber uninteressant. Sie fahren ihre Autos lieber. »Das ist mein Hobby«, sagt Gottschalk. „Als Investment betrachte ich das nicht.« Dafür ist Oldtimerfahren viel zu sinnlich., und weil die beiden Genussfahrer sind, geht es mit den Oldtimer Freunden am 6. Juni zum Pässegleiten nach Südtirol. Mit dem Autoreisezug. »Da macht es einfach in jeder Kurve Spaß, Gas zu geben«, sagt Günter Cramer. enthusiastisch.
Mehr Infos zum Club und den Autos finden Sie auch im Internet auf der Seite www.oflangenfeld.de

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