Volker Budinger

Vollsperrung für jede Hildener Baustelle?

Hilden. In Zukunft könnten Straßen- und Kanalbauarbeiten deutlich schlimmere Auswirkungen auf den Verkehr haben. Schuld sind neue Vorschriften zum Arbeitsschutz.

Von Volker Budinger

7,70 Meter breit ist die Hochdahler Straße an einigen Stellen und damit eine der breitesten Hauptverkehrsstraßen, für deren Unterhalt die Stadt zuständig ist. Jedoch, das ist nicht breit genug. Jedenfalls nicht im Sinne der »Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A5.2: ‚Anforderungen an Arbeitsplätze und Verkehrswege auf Baustellen im Grenzbereich zum Straßenverkehr – Straßenbaustellen‘«.

Keine Straße in Hilden breit genug

Was sich sehr technisch anhört, wird Folgen haben, vor allem für den Straßenverkehr. »Bisher war es ein Anliegen, insbesondere Vollsperrungen von verkehrsbedeutenden Straßen nach Möglichkeit zu vermeiden. So sollte wenigstens in eine Fahrtrichtung  der Verkehr aufrecht erhalten werden. Dies wird so nach derzeitiger Einschätzung nicht mehr möglich sein«, informierte der Leiter des Tiefbau- und Grünflächenamts, Harald Mittmann, jetzt den Stadtentwicklungsausschuss.

Denn die ASR A5.2 sieht in ihrer neuesten, seit Dezember 2018 geltenden, Version Sicherheitsabstände der Bauarbeiter zum fließenden Verkehr vor, die rechnerisch bedeuten, dass eine Straße mindestens 8,50 Meter breit sein muss, damit der Verkehr einschließlich Lkw einspurig an der Baustelle vorbei geführt werden kann.

Die Gerresheimer Straße hat so etwa 7,20 Meter an den breitesten Stellen, die Oststraße 6,70 Meter  – inklusive Parkstreifen –, der Erikaweg sogar nur 6,20 Meter. Dies seien nur einige Beispiele der wichtigen Straßen Hildens. »Diese Beispiele zeigen deutlich, dass es keine Straßen im Zuständigkeitsbereich der Stadt gibt, welche bei Erfüllung der Vorgaben zukünftig ohne Vollsperrung bei Sanierungen auskommen werden«, erklärt Mittmann.

»Die Auswirkungen hängen immer von den jeweiligen örtlichen Verhältnissen und der jeweiligen Bauaufgabe ab.« Aber es werde bei großflächigen Sanierungen häufiger zu Vollsperrungen kommen. Das gelte auch bei Kanalbauarbeiten, wenn die etwa nahe der Straßenmitte lägen.
Nachtbaustellen eher schwierige Alternative

»Derzeit gibt es in 2019 keine geplanten Baustellen, bei denen einen Vollsperrung geplant ist. Da allerdings die rechtliche Regelung noch sehr neu ist, muss hier noch die Entwicklung in der Praxis abgewartet werden«, sagt der Amtsleiter.

Unter Umständen könne die komplette Sperrung natürlich auch dazu führen, dass Baustellen schneller abgewickelt werden könnten. »Bei der in Hilden üblichen Baustellengröße ist hier aber eher von Einsparungen im  Bereich von Tagen als von Wochen auszugehen«, sagt der Experte. Auch etwa Alternativen wie Nachtbaustellen seien zwar an sich naheliegend, aber mit vielen Problemen verbunden. »Da wäre zum einen der Lärmschutz in den Nachtstunden. Aber auch die Anlieferung von Baumaterial, insbesondere die Lieferung von kleinen  Asphaltmengen nachts ist schwierig.« Dazu kämen höhere Kosten, schwierige Sicherstellung der Bauaufsicht und die Genehmigungen der Nachtarbeit bei der Gewerbeaufsicht.

Insgesamt bleibe festzustellen, dass zukünftig Baustellenplanung im Straßenbereich aufwändiger werde und die Auswirkungen auf den Straßenverkehr deutlich zunehmen würden. Mehr Staus  sind da wohl programmiert.

Regeln für Arbeitsstätten

  • Herausgeber der Technischen Regeln für Arbeitsstätten ist das Bundesminsterium für Arbeit und Soziales. Damit wird geregelt, wie Gesetze zum Arbeits- und Gesundheitsschutz eingehalten werden können.

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