Volker Budinger

Pogromgedenken in Hilden: Erinnern und Hinterfragen

Hilden. Zum 80. Jahrestag der »Reichspogromnacht« wird nicht nur der Opfer gedacht. Die Bürger sollen auch über den Wert von Vielfalt und Demokratie nachdenken.

Von Volker Budinger

Mit einem Sternmarsch am 9. November in  sieben »Strahlen«, die so an allen 48 »Stolpersteinen« in der Stadt entlang ziehen, und der abschließenden Kranzniederlegung am Gedenkstein im Stadtpark durch Bürgermeisterin Birgit Alkenings erinnert die Stadt an die Opfer der  Reichspogromnacht. Zum 80. Mal jährt sich diese Nacht des Schreckens, in der Schlägertrupps der Nationalsozialisten ungehemmt zerstörten, misshandelten und auch töteten.

Sieben Opfer gab es damals in der Stadt. »In Hilden war das im Verhältnis zur Einwohnerzahl damit eine der schlimmsten Ausschreitungen dieser Nacht«, sagt Bürgermeisterin Birgit Alkenings. Umso wichtiger sei, dass es diese Form des Gedenkens, an der der Arbeitskreis Stolpersteine, das Jugendparlament und viele Schüler unter anderem von Theresienschule und Helmholtz-Gymnasium beteiligt sind, nicht nur jetzt zum 80. Jahrestag gebe, sondern genauso groß in jedem Jahr, sagt Alkenings.

Aus der Geschichte Lehren ziehen

»Wir können den Opfern zwar ihr Leben nicht wiedergeben, aber in dem wir daran erinnern, wer sie waren, die Menschlichkeit zurückgeben, die die Nazis versucht haben, ihnen zu nehmen.« Man wolle nicht nur punktuell gedenken, sondern die Erinnerung wach halten und aus der Geschichte lernen. In diesem Sinne steht auch das Gedenken, das die Mitglieder des Jugendparlaments über den 9. November hinaus geplant haben.

»Wir haben überlegt, wie wir etwas für die Demokratie tun können und werden deshalb den Menschen die Frage stellen ‚Was ist Demokratie?‘ Das soll die Leute zum Denken anregen«, sagt Jugendparlamentarierin Maike Elsen. »Die Ereignisse in Chemnitz  haben gezeigt wie wichtig es ist, etwas für die Demokratie zu tun und sie zu schätzen zu wissen«, ergänzt ihre Kollegin Anne Herchen. Mit mehreren Mini-Demonstrationen wollen sie und ihre Mitstreiter von November bis Januar diese Frage stellen und  »Demokratie einfach bewusst machen«.

»Wir leben in einer Zeit, in der eine rechtsradikale Partei deutschlandweit Wählerstimmen im zweistelligen Bereich erhält und Populismus und Hetze salonfähig sind«, sagt Alkenings. Da sei es wichtig, dass sich viele Ehrenamtliche wie die des AK Stolpersteine oder des Jugendparlaments gegen das Vergessen und für Demokratie und Menschlichkeit einsetzten.

Aktionen

  • 8. November, 19.30 Uhr, Lesung mit Gedichten von Rose Ausländer, Wilhelm-Fabry-Museum
  • 9. November, 15 Uhr, Sterngang von den Stolpersteinen zum Gedenkstein im Stadtpark, Kranzniederlegung 16.45 Uhr, Gedenkgottesdienst 17.30 Uhr, Reformationskirche
  • weitere Aktionen bis Januar

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