Volker Budinger

Mit Steinen gegen das Vergessen

Sechs neue Stolpersteine erinnern jetzt an Opfer der Nazi-Verbrechen in Hilden

Hilden. Nach fünf Jahren wurden jetzt erstmals wieder Stolpersteine in Hilden verlegt. Mit der Aktion des Künstlers Gunter Demnig wird der Opfer der Nazi-Herrschaft gedacht - erstmals jetzt in der Stadt auch einer Sinti-Familie.

Von Volker Budinger

»Am Anfang stand nur der Name -  Gisela Weiss«, sagt Isabella Osenberg, Geschichtslehrerin an der Theresienschule in Hilden. Auch jetzt ist es ihr Name, der auf einem der drei Stolpersteine vor dem Haus Pungshausstraße 17 an das Schicksal des kleinen Mädchens erinnert, das unter der Tyrannei der Nazi-Verbrecher im Konzentrationslager Auschwitz starb - mit wahrscheinlich gerade mal sieben oder acht Jahren.

»Ich habe dann recherchiert und herausgefunden, dass Gisela am 23. Mai 1936 hier in diesem Haus geboren wurde«, sagt Osenberg - als jüngstes von fünf Kindern der Familie Weiss. Flankiert wird die im Pflaster eingelassene Messingplakette nun von den Namen ihrer Eltern, Karl Heinrich und Christine Weiss. »Bei Gisela steht kein Todesdatum«, erklärt die Lehrerin. 

Alleine keine Chance ohne die Eltern

Das sei nicht ungewöhnlich bei Kindern, die in dem Lager starben. »Aber nachdem ihre Eltern in Auschwitz gestorben waren, hatte sie alleine dort keine Chance«, sagt Osenberg. Besonders an der Familie Weiss ist, dass sie zur Gruppe der Sinti gehörten.

Damit wird nun erstmals in Hilden Angehörigen dieser von den Nazis als »Zigeuner« beschimpften Minderheit gedacht. 1943 wurden sie nach Auschwitz deportiert, nachdem sie zuvor auf der Ohligser Heide in ein »Zigeunerlager« gesperrt und durch die Innenstadt von Remscheid in einem  Marsch zu den Güterzügen getrieben worden waren.

Insgesamt 48 Erinnerungen an die Opfer in Hilden«

Die drei Steine für die Familie Weiss sind nach fünf Jahren nun wieder die ersten die neu verlegt wurden. In der Stadt lagen bislang 42 der Stolpersteine. Mit drei weiteren für die Opfer der Nazis Wilhelm Johann Weiler vor dem Haus Am Jägersteig 7, Johann Kirschall vor der Biesenstraße 80  und Karl Friedrich Dornbach vor dem Haus Mettmannerstraße 34 sind es nun 48 Erinnerungen.

»Erinnerung ist wichtig«, sagte Bürgermeisterin Birgit Alkenings als der Künstler Gunter Demnig die Steine ins Pflaster eingelassen hatte. Denn indem man der Opfer gedenke, unterbreche man das Vergessen. Und dass die Nazis Menschen erst ausgegegrenzt hätten, bevor sie zu Opern wurden, dürfe man nicht vergessen. Denn heute würden auch wieder Stimmen laut, die andere Menschen versuchten auszugrenzen.« 

Stolpersteine an 1099 Orten in ganz Europa

1992 hatte Demnig die Aktion begonnen und seitdem in 1099 Orten in Deutschland und zwanzig Ländern Europas Gedenksteine an die Opfer der Nazi-Verbrecher verlegt.
Dass auch in Hilden Stolpersteine verlegt werden, ist dem Arbeitskreis »Stolpersteine in Hilden« zu verdanken, dessen Vorsitzende Osenberg ist.

Gemeinsam mit den Schülerinnen der Auschwitz AG  der Theresienschule recherchierte sie die Lebensgeschichte der Nazi-Opfer aus Hilden. Ende April fahren die 23 Schülerinnen mit ihrer Lehrerin in das ehemalige Konzentrationslager, das heute Mahn- und Gedenkstätte ist.

Schülerinnen der Theresienschule gestalteten den festlichen Rahmen

Bei der Verlegung der Stolpersteine sorgten die Mädchen mit Musik, Gedichten und dem Verlesen von Texten über die Opfer für den würdigen festlichen Rahmen. Die Schule hat für den Stein von Gisela Weiss die Patenschaft übernommen

»Ich danke Euch, dass Ihr mit euren Recherchen das Vergessen aufgehalten habt«, sagte Alkenings, die selber die Patenschaft für den Stolperstein für den aus politischen Gründen Verfolgten Karl Friedrich Dornbach übernommen hat.

Arbeitskreis

In Hilden kümmert sich seit dem Jahr 2004 der »Arbeitskreis Stolpersteine in Hilden«   um Recherche und Verlegung der Gedenksteine für die Opfer der Nazi-Verbrechen. Daran sind der Kreisverband Mettmann der GEW - Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft und die Evangelische Erwachsenenbildung Hilden beteiligt. Vorsitzende ist Isabella Osenberg. Kontaktiert werden kann sie unter der E-Mail-Adresse isabella.osenberg@gmx.de

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