Volker Budinger

Hilden - Bauprojekt Hofstraße: Streit ist programmiert

Hilden. Heute entscheidet sich im Rat voraussichtlich, dass im »Hinterland« der Hofstraße das Planungsverfahren für neue Sozialwohnungen beginnen soll. Doch es gibt bereits Kritik an den Plänen.

Von Volker Budinger

Hilden ist eine der dicht bevölkertsten Städte in Deutschland. Dem Bedarf an neuem – besonders günstigem – Wohnraum stehen etwa Konflikte um Freiflächen, Natur- und Klimaschutz entgegen. Ein solcher zeichnet sich nun ab, auch wenn wohl sicher ist, dass der Stadtrat heute mit den Stimmen von SPD und CDU das »Bebauungsplan-Aufstellungsverfahren« in die Wege leiten wird. Gemeint ist das Bauprojekt im Hinterland der Hofstraße.

Lärmschutzwand als Stadtklimakiller?

Seit April 2017 ist das Gelände an der Hofstraße 150 inklusive dahinter liegender Flächen im Gespräch als Entstehungsort öffentlich geförderter, sogenannter »Sozialwohnungen«. Die Stadt besitzt dort ein Grundstück, hat aber auch umliegende Flächen privater Besitzer in die Planungen mit einbezogen. Zuletzt beriet man im Januar im Stadtentwicklungsausschuss über drei alternative Planungen, bei denen entweder zwölf, 33 oder gar 45 Wohnungen zwischen Hofstraße und Bahntrasse entstehen könnten – mit unterschiedlichem Bedarf an Fläche und Kosten.

Favorisiert – und heute als Beschlussvorlage auf dem Tisch – ist die mittlere Lösung, bei der 33 Wohnungen auf einer Fläche von rund 6.000 Quadratmetern entstehen sollen. SPD und CDU stimmten im Ausschuss dafür. Zwei Ein- und fünf Mehrfamilienhäuser würde das bedeuten und eine Lärmschutzwand entlang der Bahntrasse. Mit Gesamtkosten von rund 732.300 Euro rechnet das Gutachten, 22.191 Euro pro Wohneinheit. Auch müsste man sich mit den Besitzern angrenzender Grundstücke einigen und einen Investor bzw. Projektträger finden, der diese Baumaßnahme durchführt.

»Diese Variante ist nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch unsinnig«, äußert Dieter Donner, Vorsitzender des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Hilden Kritik. Bei der kleinen Variante, bei der zwölf Wohnungen entstünden, seien nicht nur mit gesamt 121.950 Euro und damit 10.163 Euro pro Wohnung die Kosten geringer. »Das könnte die Stadt nämlich auch alleine ohne Investor stemmen. Mit der anderen Variante wird nun wieder städtischer  Grund an einen Investor verscherbelt«, sagt er.

Gravierender sei aber der Eingriff in die Luftzirkulation. »Das Gebiet hinter der Bahntrasse ist eine sogenannte Kaltluftentstehungszone. Über die Bahntrasse hinweg gibt es dort eine Frischluftschneise in  die Stadt. »Die vier Meter hohe und 200 Meter lange Lärmschutzwand, die dort gebaut werden soll, würde diese Frischluftschneise versperren«, sagt Donner. Er können nicht verstehen, wie angesichts der nachgewiesenen Hitzeinseln  in der Stadt und dem merklichen Klimawandel solche Planungen durchgesetzt werden könnten.

»Außerdem würde die dann einmal gebaute Lärmschutzwand Tür und Tor öffnen, damit dort in Zukunft noch weiter im Hinterland gebaut werden könnte«, befürchtet er.
Bereits bei den bisherigen Beratungen hat Donner seine Kritik in den Bürgerfragestunden  geäußert. »Und wir werden uns natürlich auch im dann anstehenden Verfahren der Öffentlichkeitsbeteiligung entsprechend äußern«, sagt er.

Die Bebauungsvorschläge

  • Ein Gutachterbüro hat für das Gebiet Hofstraße 150 und Hinterland drei alternative Bebauungsvorschläge erarbeitet
  • Im ersten Vorschlag entstünden auf 8.270 Quadratmetern 40 bis 45 Wohneinheiten. Eine vier Meter hohe und 200 Meter lange Lärmschutzwand müsste errichtet werden und Kleingärten des Bürgervereins Hilden-Süd würden bebaut. Unter anderem weil trotzdem Lärmpegel überschritten würden, fiel diese Alternative raus.
  • Alternative 2 würde die Kleingärten unangetastet lassen und plant mit 33 Wohnungen auf 6.000 Quadratmetern, aber ebenfalls der Lärmschutzwand. CDU und SPD stimmten im Stadtentwicklungsausschuss mit ihrer Mehrheit dafür.
  • Die kleinste Lösung würde zwölf Wohnungen auf 1.450 Quadratmetern bringen und wäre im Wesentlichen nur auf dem städtischen Grundstück möglich. Die Lärmschutzwand würde dabei entfallen. Für diesen Vorschlag stimmten im Stadtentwicklungsausschuss Bürgeraktion, Allianz für Hilden, FDP und die Grünen.

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