Volker Budinger

»Ein Angriff auf den Landschaftsschutz«

Hilden. Die Initiative der Bezirksregierung mit dem Titel »Mehr Wohnbauland am Rhein« sorgt für großen Ärger bei Naturschützern und der Stadt. Begehrlichkeiten auf Landschaftsflächen am Stadtrand würden da geweckt.

Von Volker Budinger

»Das ist ein politisch motivierter Angriff auf den Landschaftsschutz«, sagt Dieter Donner, Vorsitzender des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) Hilden. Gemeint ist die anstehende Änderung des Regionalplans, die die Bezirksregierung Düsseldorf auf den Weg gebracht hat.

»Mehr Wohnbauland am Rhein«

Hinter deren Titel »Mehr Wohnbauland am Rhein« verbirgt sich regelrechter Sprengstoff – denn es geht um Gebiete nicht nur in Hilden, die zwar nicht unter Naturschutz stehen, aber eine große Rolle etwa als Naherholungsgebiete spielen. Ganz konkret betroffen sind in, beziehungsweise am Rande der Stadt die Bereiche Karnap-West, Flächen westlich des Westrings (Schalbruch-Elb) und an der Richrather Straße an der Grenze zu Langenfeld.

Geht es nach dem Willen der Bezirksregierung, so sollte dort geprüft werden, ob sich diese  Landschaftsgebiete nicht für eine Wohnbebauung eignen – denn aus Sicht der Behörde sei »der Wohnungsdruck in der Rheinschiene so groß, dass die Entwicklung neuer Wohnbauflächen regionalplanerisch zusätzlich gefördert werden sollte«. Festgestellt wird in dem Verfahren auch, dass etwa Kommunen wie Düsseldorf den steigenden Bedarf nicht alleine stemmen könnten. »Der Wohnbedarf ist teilweise vom Umland zu decken«, heißt es in dem Konzept. Es könne nicht sein, dass die Kommunen im Kreis jetzt den Bedarf Düsseldorfs auffangen müssten – auf Kosten der Natur, sagt Donner. »Außerdem müssten die Prognosen des steigenden Wohnungsbedarfs in Düsseldorf erstmal richtig geprüft werden«,sagt er.

Besonders bedenklich sei allerdings, dass nun die Bezirksregierung überhaupt diese Initiative einleite, sagt er. »Dass ist vorbei an allen  normalen demokratischen Verfahren. Die Bezirksregierung ist ja eigentlich die regulierende Behörde, die die Aufsicht über die Planungen der Kommunen hat«, erklärt er. So habe etwa 1993 die Bezirksregierung verhindert, dass Karnap-West damals seitens der Stadt als Wohnbauland verplant worden sei.

Bisher nur nicht-öffentlich verhandelt

Bis vergangenen Montag wurde  all dies nicht-öffentlich in verschiedenen Gremien behandelt, der Kreis Mettmann brachte den aktuellen Verfahrensstand jetzt aber in den öffentlichen Teil des Ausschusses für Umwelt-, Landschafts- und Naturschutz ein. Denn auch seitens des Kreises und der Stadt Hilden gibt es eher Ablehnung für die Planungen. In der Vorlage für den Kreis-Umweltausschuss heißt es so etwa, dass man zwar ausführlich Stellung zu mehreren Flächen genommen habe, das in den Berichten aber nur sehr pauschal vermerkt sei.

Die Stadt Hilden habe laut Donner für die Flächen ebenfalls klargestellt, dass man dort eigentlich keine Bebauung wünsche. »Und es kann auch niemand die Stadt dazu zwingen, dort Wohnbau zuzulassen, wenn das in Verwaltung  und Stadtrat nicht gewollt ist«, erklärt auch Hildens Baudezernentin Rita Hoff. »Eigentlich gibt es also keinen Grund zur Aufregung. In absehbarer Zeit wird niemand die Flächen in Karnap-West oder im Schlabruch bebauen«, sagt sie.

Der politische Wille in der Stadt sei, innerhalb des  bisherigen Stadtbereichs zu entwickeln und nicht darüber hinaus. »In dem Gebiet an der Richrather Straße wäre das schon eher möglich«, sagt sie. Dort gebe es nicht die Bedeutung als Naherholungsgebiet und es würde sich an die bestehende Siedlung anschließen. Allerdings gebe es dort ein Altlastenproblem.

»Es würde Proteste geben«

Zwar sind die Hildener Flächen in einem Steckbrief, den die Stadt    für das Verfahren mit einem Punkteranking erstellen musste, bislang alle eher niedrig bewertet und würden wahrscheinlich nicht dem »Regionalbedarf« zugeschlagen – diese Bewertung könne sich aber ändern, fürchten nicht nur die Umweltschützer.

»Außerdem«, sagt Donner, der auch im Naturbeirat des Kreises sitzt, »wird durch die Bewertung der Flächen als mögliches Bauland der Druck von Investoren auf die Stadt und  bei den anderen Gebieten auf die anderen Kommunen erhöht.« Besonders bei klammen Kassen könnte das Begehrlichkeiten wecken, meint er. Man werde aber auf keinen Fall klein beigeben. »Wenn etwa Hand an Karnap-West gelegt wird, wissen wir die Bürger hinter uns. Da gab es bereits etliche Anfragen zu. Dann wird es Proteste geben«, sagt Donner. Dabei gehe es nicht nur um die Bedeutung als Naherholungsgebiet. »Die Stadt braucht diese Flächen am Rand auch etwa als Frischluftschneisen – und angrenzende Naturschutzgebiete sind dabei gefährdet. Die Tiere, die da leben machen ja nicht an irgendwelchen Grenzen halt. Das betrifft dann die Vernetzung der Gebiete in der Landschaft«, sagt er.

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