Volker Budinger

Donum Vitae: »Bei einigen Themen mussten wir schlucken«

Hilden. Nach drei Jahren läuft das Projekt »Schwangerschaft und Flucht« der Schwangerschafts-Beratungsstelle Donum Vitae in Hilden aus. Die für den gesamten Kreis zuständigen Helfer ziehen positive Bilanz – und haben viel gelernt.

Von Volker Budinger

Die Schwangerschaftskonfliktberatung des christlich geprägten Trägers Donum Vitae gibt es bereits seit dem Jahr 2000 in Hilden – mit Zuständigkeit für den gesamten Kreis Mettmann. Insofern haben die Beraterinnen dort bereits viel Erfahrung und viel erlebt. »Als 2015  viele Flüchtlinge betreut werden mussten, standen wir aber plötzlich vor ganz neuen Herausforderungen«, berichtet Beraterin Margret Herbertz.

Sprachbarrieren waren ein Problem

Sprachbarrieren galt es so etwa zu überwinden. »Und wir waren auf einmal mit ganz neuen Themen konfrontiert. Wie etwa mit den Folgen der weiblichen Genitalbeschneidung. Da mussten wir auch erstmal schlucken und haben in den vergangenen Jahren viel gelernt und neue Netzwerke zu Experten und Ärzten aufgebaut«, sagt Tatjana Soliman. Die heute 48-jährige Sozialpädagogin kam im Jahr 2015 als »Aufsuchende Beraterin« im Rahmen des  Projektes »Schwangerschaft und Flucht« zu Donum Vitae.
Als einer von nur sechs Standorten des Vereins in NRW arbeitete Hilden in dem vom Donum Vitae-Bundesverband mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend entwickelten und geförderten Modellprojekt speziell für Geflüchtete seit Mai 2015. Nun endet es.

»Das Besondere daran war, dass ich als Beraterin zu den Ratsuchenden raus fuhr. Im ganzen Kreis Mettmann. Das war natürlich auch sehr zeitaufwändig«, sagt Soliman. »Aber wir haben mit dem Projekt viel erreicht«, sagt sie.

187 Frauen und Familien habe man in Einzelberatungen helfen können, 84 weitere erhielten Hilfe in Gruppenberatungen.

»Die Geflüchteten aus Somalia, Syrien, Iran, Eritrea, Irak und anderen Ländern  wussten ja damals meist nichts von den Beratungsangeboten in Deutschland«, erklärt Herbertz. Man habe sie mit ihren Problemen rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt »dort abholen müssen, wo sie gerade waren«. Zumeist in Sammelunterkünften also.

»Wir berieten dann etwa zum Gesundheitssystem, halfen bei der Suche nach Entbindungsstationen und Hebammen.« Beim Thema der – zwar in  den meisten Ländern verbotenen, aber besonders in Afrika viel praktizierten –  Genitalbeschneidung habe man Rat geben können, wie sich das auf die Geburt auswirkt und auch in einem konkreten Fall die Wiederherstellung des weiblichen Geschlechts vermitteln können.

Das Know-how bleibt erhalten

»Nun endet zwar die aufsuchende Beratung, aber das erworbene Wissen in diesen Themen bleibt natürlich erhalten«, sagt Herbertz. Mittlerweile habe sich die Situation auch geändert. Es seien nicht nur weniger betroffenen Geflüchtete – »wir brauchen jetzt auch immer seltener einen Dolmetscher bei den Beratungen«, erklärt Soliman.

Mit dem Ende des Projekts endet auch ihre Zeit in Hilden. Zukünftig widmet sie sich sozialen Aufgaben in Duisburg. »Ich habe auch persönlich viel gelernt und wollte dieses Projekt damals unbedingt machen«, sagt sie.

Die Beratungsarbeit in Hilden geht nun stationär in der Beratungsstelle an der Gerresheimer Straße 106 weiter – für Geflüchtete und für über 400 Frauen und Familien aus dem Kreis in jedem Jahr.

Beratung

  • In Hilden gibt es nach telefonischer Terminabsprache Beratung rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt bei Donum Vitae an der Gerresheimer Straße 106. Telefon 02103/417745, E-Mail donum_vitae_hilden@t-online.de
  • Sprechstunden jeweils einmal in der Woche gibt es  auch in Ratingen, Wülfrath und Velbert.
  • Weitere Informationen im Internet unter www.donum-vitae-hilden.de

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