Volker Budinger

Der SV Hilden-Ost in Gefahr?

Hilden. Wenn sich nicht bald jemand findet, der bereit ist für den Posten des zweiten Vorsitzenden zu kandidieren, könnte der Verein in seiner Existenz bedroht sein, mahnt Vorstand Erwin Weber. Er beklagt einen Mentalitätswechsel.

Von Volker Budinger

»You‘ll never walk alone« steht auf dem Banner des SV Hilden-Ost am Spielfeldrand des Platzes am Frans-Hals-Weg. Für den ersten Vorsitzenden Erwin Weber und den zweiten Karl Hubert wirkt das manchmal etwas wie Hohn. Denn immerhin 1.100 Mitglieder zählt der Vereint in seinen Reihen, was ihn zum drittgrößten Sportverein der Stadt macht. Indes das Interesse an der kürzlich stattgefundenen Mitgliederversammlung – und der Vereinsarbeit – ist offenbar nur mäßig.

Nur 19 Anwesende bei der Hauptversammlung

»Nur 19 von 725 stimmberechtigten eingeladenen Mitgliedern waren da«, sagt Erwin Weber, erster Vorsitzender des Vereins. Das sei beschämend, zumal man  eigens mit einem Schreiben darauf aufmerksam gemacht habe, dass der Verein gefährdet sei. Zwar seien in der Vergangenheit auch immer »nur so um die 30 Leute« zu den Hauptversammlungen erschienen. »Aber das jetzt ist echt traurig«, sagt er.

Existenzgefährdend für den SV Hilden-Ost könnte nämlich sein, dass sich von diesen 19 auch  kein Kandidat für das Amt des zweiten Vorsitzenden habe finden lassen, sagt Weber. Somit habe man zunächst keinen neuen Vorstand wählen können.  »Der bisherige Vorstand bleibt auf Basis der Legitimierung durch die Mitgliederhauptversammlung 2017 satzungsgemäß im Amt bis ein neuer Vorstand gefunden ist. Hierdurch bleibt der Verein voll rechts- und geschäftsfähig«, sagt Weber, der auch wieder als erster Vorsitzender kandidieren würde.

Karl Hubert aber, der damit aktuell zweiter Vorsitzender bleibt, möchte mit seinen 71 Jahren eigentlich aufhören. »Nach Beendigung der Kunstrasenneuverlegung auf der Sportanlage Kalstert überlege ich, wie es von meiner Seite dann weitergeht«, sagt Hubert.

»Und falls einer von uns beiden sein Amt niederlegt, was jederzeit möglich ist,  würde das den Verein rechts- und geschäftsunfähig machen«, erklärt der 62 Jahre alte Vorsitzende. Das Amtsgericht würde dann einen Notvorstand einsetzen. Sollte bis zu einem vom Amtsgericht festgelegten Zeitpunkt dann kein neuer Vorstand gefunden werden, werde der gesamte Verein aufgelöst, führt er weiter aus.

Dass sich nun niemand für das Ehrenamt finden lasse – und man habe im Vorfeld bereits lange gesucht – sei kein Einzelfall. »Mittlerweile sind es immer die ‚üblich Verdächtigen‘, die sich engagieren«, sagt Weber. Die gleichen paar Leute, die im Vorstand oder bei Komitees und Orga-Teams für Feste oder Turniere da seien – seit gefühlt 20 Jahren. »Und die werden ja auch nicht jünger«, sagt Weber. »Auch bei Auswärtspielen der Jugendmannschaften sind es ja immer die gleichen drei vier Eltern, die ihre Wagen für Fahrgemeinschaften zur Verfügung stellen«, bedauert er. Es habe  in den vergangenen Jahren eine traurigen Mentalitäswechsel gegeben.

»Der ganze Gedanke von ‚Verein‘ hat sich bei den Leuten verändert. Es wird immer schwieriger, Leute für irgendwas zu motivieren. Vor Kurzem hat mir sogar jemand gesagt, der Verein sei doch ein ‚Dienstleister‘. Viele wollen nur noch den Sport als ‚Angebot‘ bekommen, aber sich nicht mehr im Verein einbringen. Und das ist leider in allen Bereichen so, auch etwa in der Tennissparte des Vereins«, sagt Weber bedauernd.

Seit sechs Jahren arbeite man auch bereits ohne Kassenwart. »Dafür haben wir eigens die Satzung geändert, damit das geht«, sagt Weber. Natürlich müsse man Zeit und Arbeit investieren, wenn man einen solch großen Verein ehrenamtlich führe. »Ich bin da mit Herzblut dabei«, sagt Weber und auch Hubert engagiert sich leidenschaftlich. »Aber ich will nun auch mal selber wieder Sport machen können und nicht nur die Vereinsarbeit machen. Es müssen auch mal andere, jüngere jetzt ihren Beitrag leisten«, sagt Hubert.

Weber und Hubert hoffen nun, dass einige unter den 1.100 Mitgliedern die kritische Situation, in der sich der ganze Mehrspartenverein befinde, erkennen und sich zur Wahl stellten, um dem SV Hilden-Ost aus der schwierigen Lage zu helfen. »Vielleicht gibt ja auch der Aufstieg der ersten Mannschaft jetzt in die Kreisliga A nochmal einen Schub«, sagt Weber.

Er selber würde sich auch noch Mal zur Wahl stellen. »Ich  würde aber auch den Weg frei machen für ein ganz neues Vorstands­team, wenn das gewünscht ist«, sagt er..

Einen hauptamtlichen Geschäftsführer will man indes lieber nicht anstellen. »Dann müssten wir die Beiträge anheben und das will auch wieder keiner«, sagt Weber.

Der SV Hilden-Ost

  • Der SV Hilden-Ost ist ein Mehrspartenverein mit den Sportbereichen Fußball, Turnen, Gymnastik, Tischtennis, Yoga, Volleyball, Badminton, Jonglage und Artistik sowie dem Tennis-Zweigverein TC Hilden e.V. im Hilden-Ost 1975 e.V.
  • Wer Interesse hat, für den offenen Posten im Vorstand zu kandidieren, kann sich an Erwin Weber oder Karl Hubert wenden unter der E-Mail info@hilden-ost.org oder per Telefon unter 0173/3523429 (Weber) oder 01573/2414599 (Hubert)

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