Volker Budinger

Der letzte Vorhang für die Gala

Hilden. Nach 37 Jahren ging am Sonntagabend die wohl letzte Unicef-Gala in der Hildener Stadthalle zu Ende, da sich die Commerzbank als Hauptsponsor zurückzieht. Dem Applaus folgt die Frage nach der Zukunft.

Von Volker Budinger

Es war wie fast immer in den vergangenen 37 Jahren – Stunden voller guter Unterhaltung mit Stars der internationalen Jazz-, Gospel-, Musical- und Opern-Szene, donnernder Applaus und Standing Ovations sowie ein gerührter Moderator und Organisator Heribert Klein. Und doch war es anders, denn der letzte Vorhang am Sonntagabend war wohl auch der allerletzte für die Unicef-Gala in der Hildener Stadthalle.

1982 bewusst für Hilden entschieden


Nachdem der Haupt­sponsor Commerzbank zum Ende des Jahres seine Unterstützung aufgekündigt hat, ist die Gala in ihrer bisherigen Form wohl nicht mehr realisierbar.

Dass es diese in ihrer Art ungewöhnliche Veranstaltung zu Gunsten bedürftiger Kinder in aller Welt überhaupt ausgerechnet in Hilden gab, dahinter steckte eine Idee: »Ich hatte mich damals  1982 ganz bewusst für Hilden entschieden als Veranstaltungsort. Ich hatte mir gedacht, wenn es mir gelänge, internationale Stars in eine Stadt zu holen, von der sie noch nie etwas gehört hatten, um für den guten Zweck zu singen, dann kämen sie auch nur der guten Sache willen – nicht, um als Star dazustehen.

Das wäre in Berlin oder Paris anders gewesen«, sagt Heribert Klein, vom Deutschen Komitee für Unicef und ehemaliger Pressesprecher der Commerzbank, der die Unicef-Gala als erste in Deutschland auf die Beine gestellt hat.

Ellen Wiederhold kaufte den Flügel


»Hier in Hilden sind wir nicht die Stars, sondern wir sind hier um zu helfen«, unterstreicht das auch Musical-Star Stephanie Reese von den Philippinen, die bei der ersten Gala 1982 und bei dieser wohl letzten dabei war.

Damals zu Beginn überzeugte Klein nicht nur seinen damaligen  Arbeitgeber – da noch die später von der Commerzbank übernommene Dresdner Bank – sondern auch die damalige Bürgermeisterin Ellen Wiederhold. »Frau Wiederhold hat dann sogar für die erste Gala den Steinway-Flügel in der Stadthalle von ihrem eigenen Geld angeschafft – über 100.000 Mark damals. Den Flügel gibt es dort heute noch«, erinnert sich Klein.

Nach der langen Zeit war die Gala eine Institution. Hilden ist mittlerweile ein Begriff für die Musiker der Szene – und wohl auch für viele Musik-Liebhaber, die zum Teil von weit her kamen. Dass die Karten für die letzte Gala schnell ausverkauft waren, belegt das unter anderem.

»Die Gala in Hilden war mit ihrer Mischung so verschiedener Genres und  mit ihrer familären Atmosphäre immer etwas Besonderes«, sagt so etwa John Florencio, der als musikalischer Verantwortlicher viele Jahre mitgewirkt hat.

In Köln und Neuss gehen Galas weiter


Auch in Köln und in Düsseldorf beziehungsweise Neuss hat Klein Unicef-Galas etabliert, die es dort  nun seit 16 (Köln) und vier (Neuss) Jahren gibt. »In Neuss haben sich zehn Mittelständler zusammengetan, um die Gala weiter zu unterstützen und auch in Köln geht es wohl weiter«, sagt Klein.  Für Hilden hat er noch Hoffnung. »Im Januar werde ich Gespräche hier führen, wie es weiter gehen könnte«, sagt er.

Denn ans Beenden seiner Arbeit für Kinder in Not will er nicht denken. »Ich habe Sir Peter Ustinov, meinem großen Idol, versprochen, dass ich mich, solange ich atme, für  das Wohl von Kindern einsetzen werde.« Das tut er auch unter anderem mit Ideen wie »Ein Herz für Unicef«, bei der von Prominenten gestaltete und signierte Holzherzen versteigert werden.

Letzte Gala

  • Im Publikum der letzten Gala war unter anderem FDP-Vize-Bundesvorsitzende Marie Agnes Strack-Zimmermann.
  • In 37 Jahren waren 327 Künstler aus 93 Ländern zu Gast.
  • Über 4 Millionen Euro zu Gunsten von Kindern in Not kamen zusammen.

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