AK

Botschafter für Fischotter und Wölfe

Zoologe Wolfgang Gettmann hält sich Marder Nemo als Haustier

Hilden. (AK). Fast 20 Jahre lang leitete Dr. Wolfgang W. Gettmann den Düsseldorfer Aquazoo – bis zu seinem Ruhestand. Und etwa 40 Jahre lang ist er Mitglied des NABU. Nun nutzt der Hildener die Zeit, sein Wissen im Dienste der Artenvielfalt weiterzugeben. Insbesondere auf Wölfe und Otter hat er sich spezialisiert. Jetzt plant er eine Ausstellung für das Wilhelm-Fabry-Museum.

Wo auch immer Dr. Wolfgang W. Gettmann mit seinem Haustier – Fischotter Nemo – auftaucht, löst er Entzücken aus. Es ist aber auch ein süßes Tierchen. In seiner Heimstadt Hilden gehen sie zusammen an der Itter spazieren – angeleint darf der Marder hier auf Fischfang gehen. Und das sollte es öfter in Deutschland geben, meint der Zoologe: »Die Otter sind vielerorts ausgerottet. Dabei halten sie die Natur im Gleichgewicht, weil sie die kranken Fische aus dem Bestand holen.« Immerhin gibt es eine leichte Verbesserung: Bis zur Wende 1989 gab es in Westdeutschland nur rund 200 Fischotter, inzwischen sind es deutschlandweit etwa 1.000. »Das wurde durch Schutzmaßnahmen erzielt, beispielsweise Rückbau von Flussufern«, sagt der 66-Jährige. »Das hat zur Verbesserung der Beutestruktur und damit zu mehr Nachkommen geführt.« Dennoch sind es immer noch viel zu wenig Exemplare, und in Hilden gibt es kaum solche Wildtiere, bedauert Gettmann.

Das liegt seiner Meinung nach am Umweltverhalten der Menschen: die Itter wurde begradigt, manche Landwirte und Gartenbesitzer setzen zu viel Schädlingsbekämpfungsmittel ein, und einige Spaziergänger in Naturschutzgebieten halten sich nicht an entsprechende Verhaltensregeln: »Die Natur wurde beschädigt und ist verarmt. Ich höre und sehe hier seit Jahren keinen Kuckuck oder Mauersegler mehr.«

Ähnlich wie beim Otter verhält es sich mit Wölfen, die auch selten in den deutschen in den Grüngehölzen auftauchen. Das mag zwar manche Waldbesucher beruhigen, nicht aber Dr. Gettmann: »Der Wolf ist ein faszinierendes Geschöpf. Und auch er hat eine Spitzenregulierungsfunktion in der Nahrungskette.«

Als stellvertretender Sprecher der Fachgruppe Wolf im NABU und Wolfsbotschafter hält der Rentner nun Fachvorträge, in denen er für ein Umdenken wirbt. Sein Publikum ist breit gefächert: von der Senioren-Union über Umweltorganisationen bis zu Sportvereinen, die ökologische Kurse absolvieren müssen.

Am meisten Aufmerksamkeit erregt er natürlich mit seinem Fischotter Nemo, der im November seinen zehnten Geburtstag feiert. Schon so manche Promis wie Verona Pooth, Ranga Yogeshwar, Frank Elstner oder Bernd Stelter ließen sich gerne mit ihm ablichten. Fernsehauftritte wie bei Stefan Raab haben die Popularität und das Ansinnen Gettmanns verstärkt. Das kecke Landraubtier wurde im Aquazoo Düsseldorf geboren, den Gettmann bis zu seinem Renteneintritt leitete. Um die Mutter zu entlasten nahm er ihn kurzerhand bei sich Zuhause auf. »Nemo ist stubenrein, hat sein eigenes Schlafhäuschen und bekommt fünfmal am Tag Seafood«, sagt sein Gastgeber. Natürlich gibt es auch manchmal Tieerschützer, die diese Heim- und Zoohaltung kritisieren. Denen entgegnet der Experte: »Meine Haltung ist artgerecht, weil Nemo alles hat, was er braucht. Und ein Zoo ist unter bestimmten Bedingungen in Ordnung. Er ist ein Schaufenster zur Natur und ermöglicht vielen Menschen, die Welt der Tiere besser kennen zu lernen.« Außerdem nutzt Gettmann die Sogwirkung Nemos zu Spendensammlungen für den International Otter Survival Fund (IOSF).

Im Herbst können sich die Hildener einmal mehr mit der Welt des Nemo beschäftigen: Dr. Gettmann arbeitet an einer Ausstellung im Wilhelm-Fabry-Museum, die Exponate aus seiner privaten Sammlung und anderen Tiermuseen zeigen soll, zum Beispiel Präparate, Nachbildungen von Schädeln, ein Skelett, aber auch künstlerische und historische Abbildungen, Briefmarken, Teller und Teekannen mit Ottermotiven, Kinderbücher sowie Kochrezepte. Man darf gespannt sein. Die Eröffnung ist für den 29. Oktober geplant.

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