Volker Budinger

Aktion in Hilden: Auflegen – es ist nicht die Polizei

Hilden. Mit einer Aktionswoche hat die Polizei in Hilden die Menschen vor Telefonbetrügern gewarnt. Allein in diesem Jahr sind die Fallzahlen im Kreis sprunghaft in die Höhe geschnellt.

Von Volker Budinger

»Im vergangenen Jahr haben Trickbetrüger über 900 Mal versucht, ältere Menschen  im Kreis am Telefon zu betrügen. Und in diesem Jahr steigt die Statistik weiter an. Allein in den ersten zwei Monaten gab es 475 Versucher«, sagt Kreisdirektor Martin M. Richter.

1,1 Millionen Euro Schaden im Kreis

In der vergangenen Woche war der Stellvertreter des Landrates, welcher oberster Chef der Kreispolizei ist, selber vor Ort in der Hildener Fußgängerzone, um ältere Menschen zu warnen, gemeinsam mit dem Leitenden Polizeidirektor Manfred Frorath, Polizisten und Ehrenamtlichen von ASS!, dem Aktionsbündnis für Seniorensicherheit.

»Wir konnten nahezu 1.000 persönliche Gespräche mit Hildener Senioren an der Haustür führen. Hinzu kamen etliche Gespräche an unserem Info-Mobil«, bilanziert Polizeihauptkommissar Oliver Schult

An mehreren Stellen in der Stadt waren sie mit dem Infomobil präsent und suchten auch Senioren zuhause auf. »Aktuell wissen bereits viele Senioren Bescheid«, freut sich Richter. Aber es gelte, weiter wachsam zu sein, die Methoden würden immer dreister.

»Wenn ein angeblicher Polizist Sie am Telefon nach ihren Wertsachen oder Geld fragt – Auflegen! Wenn er ein  Geheimnis aus dem Anruf machen will oder Telefondisplay die 110 steht – Auflegen!«, rät Richter einer Passantin.

Diese Hinweise stehen auch auf einer Karte, die auf die Machenschaften der falschen Polizisten aufmerksam machen soll. »Am besten legen sich Senioren diese Karte neben das Telefon«, sagt Richter. In großer Schrift steht da »Niemals Wertsachen an die Polizei aushändigen!«.

Denn das ist es, worauf die meist aus Callcentern im Ausland her operierenden Betrüger aus sind – Geld und Wertsachen. »Die Betrüger suchen sich aus dem Telefonverzeichnis bewusst älter klingende Namen.
Dann rufen sie dort an und geben zum Beispiel vor, man habe bei der Festnahme einer Einbrecherbande eine Liste gefunden, auf der der Name der Angerufenen stehe«, erklärt Richter.

Angeblich wolle man dann die Wertsachen der Senioren »sichern«. Sie sollen einem »Polizisten« ausgehändigt werden, den man vorbeischicke.

»Und bei den 20 Fällen hier im Kreis im vergangenen Jahr, bei denen es den Tätern gelungen ist,  die Senioren zu überreden, haben sie 1,1 Millionen Euro Beute gemacht«, betont der Kreisdirektor die Dimension der Straftaten. Die Täter ru8fen dabei immer clusterweise in bestimmten Orten an. Hilden war im vergangenen Jahr und auch Anfang diese Jahres mehrfach betroffen.

»Es ist absolut nicht unhöflich,  aufzulegen. Wenn einem bei einem Telefonat mit angeblichen Polizisten etwas komisch vorkommt, selber auflegen und dann die 110 anrufen«, rät er.
In den kommenden Wochen ist das Infomobil der Polizei noch in den anderen Städten des Kreises unterwegs. Mit dabei ist auch etwa der 67 Jahre alte Daniel Rique, einer der Ehrenamtler von ASS!.
»Mit tun die älteren Menschen, die immer öfter Opfer werden, einfach leid«, sagt er. Deshalb sei es wichtig, so viele Menschen wie möglich zu warnen.

Die Polizei rät

  • Die Polizei nimmt niemals Bargeld oder Wertgegenstände an sich, um sie vor angeblichen Einbrecherbanden zu schützen.
  • Polizisten rufen niemals zu Hause an, um Vermögensverhältnisse zu erfragen.
  • Seien Sie am Telefon aufmerksam: Wenn Sie einen solchen Anruf erhalten, legen Sie am besten einfach auf
  • Geben Sie keine Details zu ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis.
  • Halten Sie nach finanziellen Forderungen unbedingt Rücksprache mit anderen Familienmitgliedern.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder andere Werte ungeprüft und ohne Zeugen an unbekannte Personen.
  • Informieren Sie die Polizei unter der 110, wenn Sie vermuten, dass es ein Trickbetrüger auf Sie abgesehen hat

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