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100 Jahre Altes Helmholtz

Ein Stück Kultur- und Bildungsgeschichte in Hilden

Hilden. (AK). Das Alte Helmholtz feiert ein großes Jubiläum – Ein Programm mit vielen Erinnerungen startet am 12. September.

Baubeginn des Schulgebäudes war im August 1913. Der Entwurf stammt von Peter Klotzbach aus Barmen, der Gewinner eines entsprechenden Architektenwettbewerbs. Ein Eisernes Kreuz zwischen den Jahreszahlen am Eingang erinnert noch heute daran, dass das Gebäude im Ersten Weltkrieg errichtet wurde. Arg verblasst, aber immer noch lesbar kann man im Treppenaufgang den Schriftzug lesen: »In schwerer, waffenstarrer Zeit ward dieses Haus gebaut, eine Pflanz- und Pflegestätte deutschen Geistes, der allein unser Volk groß und stark erhalten hat.« 

Am 26. Januar 1915 wurde die Einweihung gefeiert. Nach einer knapp einjährigen Beschlagnahmung durch die Besatzungsmacht nach Ende des Krieges erhielt die Realschule 1921 den Namen des 100 Jahre zuvor geborenen Gelehrten Hermann von Helmholtz.

Ostern 1926 absolvierten 14 junge Männer ihr Abitur. Aber auch Schülerinnen waren da bereits zugelassen. Eine davon war Dr. Ellen Wiederhold, Abiturientin von 1940 und spätere Bürgermeisterin von Hilden.

In der Reichspogromnacht 1938 versammelten sich die Nazis im heutigen Heinrich-Strangmeier-Saal, bevor sie durch die Stadt zogen und ihre Gewalttaten und Morde an den Hildener Juden verübten.

Ab 1940 wurde die inzwischen zur Oberrealschule umgewandelte Einrichtung als Lazarett und später von der Besatzungsmacht als Kaserne genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das jetzt städtische Helmholtz-Gymnasium wieder seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt.

In den 70er und 80er Jahren gab es erneute Wendungen: Rund 500 Theodor-Heuss-Hauptschüler und etwa 600 Berufsschüler wurden hier unterrichtet.

Seit 1998 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Anfang des neuen Jahrtausends hat es als Schule ausgedient. Stattdessen beschloss der Rat im Januar 2001, ein Kultur- und Weiterbildungszentrum anzusiedeln: für die Musikschule, VHS, das Stadtarchiv, die Freizeitgemeinschaft Behinderte und Nichtbehinderte und den Stadtverband der Sänger. Dafür war aber eine umfangreiche Sanierung notwendig, die 2003 begann. Am 6. November 2004 erblühte der altehrwürdige Bau im neuen Glanz als »Altes Helmholtz«.

Herzstück ist der Heinrich-Strangmeier-Saal im Obergeschoss, der sich für kulturelle Veranstaltungen und Versammlungen aller Art eignet. Namensgeber ist der ehemalige Stadtbüchereileiter (1899-1986). Eine seiner besonderen Leistungen war es, durch fingierte Verkäufe die Bücher von jüdischen, ausländischen und kritischen deutschen Autoren vor der Verbrennung durch die Nazis zu verstecken. In den 50er Jahren wurde er zum Beigeordneten für das Schul- und Kulturwesen der Stadt Hilden ernannt. Als Heimatforscher verfasste er zudem zahlreiche Hildener Jahrbücher und Niederbergische Beiträge.

Im Zeichen dieser Geschichte wollen die heutigen Nutzer nun den 100. Jahrestag ihrer Bildungsstätte begehen.

Am Samstag, 12. September, feiert die Stadt Hilden das große Jubiläum mit einem außerordentlichen Festprogramm: Nach einem Einführungskonzert des Chores »Voix Mixte« sowie eines Bläser- und Streicher-Ensembles der Musikschule werden »Zeiträume« die zehn Jahrzehnte darstellen. Ab 20.30 Uhr öffnen sich mit Einbruch der Dunkelheit szenische »Zeitfenster«, die von der Gerresheimer Straße aus zu sehen sein werden. Es wird eine effektvolle Lichtshow geboten, die von typischen Musikstücken aus den vergangenen 100 Jahren untermalt werden.

Zudem gibt es eine Gedenkveranstaltung am 9. November. Mit Musik, Texten und Bildern soll auch an den dunklen Teil der Gebäudegeschichte erinnert werden. Nähere Infos folgen zeitnah.

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Kommentar von Gronen, Anja
Ein sehr schöner Artikel, es kommen durch die Bilder die Sie hier abgelichtet haben viele Erinnerung in meiner Familie hoch. 1914 zog mein Ur-Opa mit seiner Familie als Hausmeister in diese geschichtswürdige Haus ein. 1915 wurde in diesem Haus mein Opa in diesem Hause geboren, als jüngster von 3 älteren Geschwistern. Während der Besatzungszeit ist mein Opa als vierjähriger Bub mit dem von Ihnen veröffentlichtem Bild, zu sehen. Selbst meine Mutter wuchs ab 1954 in diesem Hause auf und verbrachte ihre Jugend dort. Meine Familie (4 Generationen) freuen uns am Samstag an dieser Veranstaltung teilnehmen zu können. Mit freundlichem Gruß Anja Gronen