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Rheinbahn-Busse für E-Scooter tabu

Verkehrsbetrieb hat im Januar Verordnung herausgegeben

Haan. (BL). Für Marek Ringel muss es wie ein schlechter Scherz gewesen sein, als er Anfang Januar auf seinem Elektromobil (E-Scooter) an der Haltestelle wartend von einem Busfahrer ignoriert wurde. Nach weiteren fehlgeschlagenen Versuchen einen Bus nach Haan nehmen zu können, bekam der Gruitener zumindest von einem Fahrer die Info, dass eine neue Verordnung von der Geschäftsführung der Rheinbahn herausgegeben wurde, die eine Mitnahme von E-Scootern untersagen würde.

Die Begründung des Nahverkehrsbetriebes basierend auf einem Gutachten, das der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) wohl nach Unfällen mit umkippenden und Verletzungen verursachenden E-Mobilen in Auftrag gegeben hat, kann man auf der Internetseite www.rheinbahn.de nachlesen. Daraus geht hervor, dass lediglich E-Scooter von dem Ausschluss in den Bussen (nicht aber in Straßen- und Stadtbahnen) betroffen sind: »Das Verbot gilt ebenfalls nicht für Rollstühle, Elektro-Rollstühle und E-Bikes!«, so die Pressemitteilung, die als Begründung hervorhebt: »In Bussen wirken andere Kräfte auf die nicht kippsicheren, meist querstehenden Scooter ein.« 

Doch das alles hilft Marek Ringel (53) wenig. Er hat bereits im Dezember - also noch vor der Verordnung - sein neues Jahresabo (gültig seit April 2015) für die Rheinbahn gekauft, das er jetzt nicht nutzen darf. Er fühlt sich gedemütigt und sozial abgehängt: »In Haan gibt es Veranstaltungen. Da konnte ich unabhängig hinfahren.«

 

Dass sein Scooter während der Fahrt oder bei einem Bremsmanöver kippen kann, weist Marek Ringel zurück. Die Bremsen seines fünf Stundenkilometer schnellen Gefährts arretieren automatisch, sobald der Schlüssel umgedreht wird, also der Scooter ausgestellt wird. Er selbst habe auch nie quer im Bus gestanden, so Marek Ringel. Wenn der Frührentner nicht auf den Bus zurückgreifen kann, den er zuvor mindestens zwei- bis dreimal wöchentlich genutzt hat, kann er die Fahrt nach Haan nur mit dem Scooter bestreiten. Eine gute Stunde braucht er für die hügelige Strecke. Beim letzten Schneefall sei er allerdings stecken geblieben, wie er bildhaft berichtete. »Hätte mir nicht ein Lkw-Fahrer geholfen, würde ich da heute noch stehen«, beschreibt er mit einer gewissen Ironie den Menschen gegenüber, die ihn hilflos im Schnee haben verharren lassen. Das Schicksal des Frührentners, der nach den Spätfolgen eines Unfalls Amputationen an den Beinen erfahren hat, ließ auch die ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten der Stadt Haan - Gaby Bongard, Hans-Werner Joormann und Dieter Smolka - nicht kalt. Sie haben sich an die Presse gewandt, um eine Öffentlichkeit nicht nur für die geschätzten zehn E-Scooter-Fahrer in Haan zu erzeugen. »Wir fliegen zum Mond, dann dürfte es kein Problem sein, für die E-Scooter-Rollstuhlfahrer eine sichere Arretierung in den Bussen einzurichten«, so Dieter Smolka. Auch der Landesbehindertenbeirat fordert in einer Resolution die Verkehrsunternehmen in NRW auf: »E-Scooter müssen auch weiterhin befördert werden.« Ein kleiner Erfolg ist den Haaner Behindertenbeauftragten dabei vielleicht schon gelungen. Nach Aussage von Dieter Smolka habe man Kontakt zur Rheinbahn aufgenommen. Der Leiter der Unternehmenskommunikation zeigte sich zu einem Gespräch mit dem Haaner Team der Behindertenbeauftragten, einigen betroffenen E-Scooter-Fahrern und der Presse bereit. 

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