BL

Bunte Jesus-Figuren sollen Blick auf Kirche verändern

Interessant und leicht provokant zeigt sich die Ausstellung »Solus Christus 3D.0«

Haan. (BL). Morgen Abend findet die Vernissage zu der Ausstellung »Solus Christus 3D.0« in der evangelischen Kirche an der Kaiserstraße statt. Mit ihr wird sich das Gotteshaus seinen Besuchern von einer ganz anderen Seite zeigen.

Ins Auge fallen dürfte dabei, dass der Mittelpunkt jeder Kirche - der Altar - um ein Arbeitsmittel angereichert sein wird. Auf dem »Tisch des Herrn« wurde neben Kreuz und Bibel ein 3D-Drucker platziert, der farbige Plastiken produziert. Einige Duplikate der bereits in Serie vervielfältigten nahezu immergleichen dreidimensionalen Figur finden die Betrachter an den Kirchenwänden drapiert wieder, zusätzlich wurde ihr Antlitz auf ganz unterschiedlichen Werbeträgern (wie Bannern, Flyern und Fotos) verewigt - schließlich geht es dabei um niemand geringeren als um Jesus Christus. Das Haaner Künstler-Ehepaar Schneider-Mombaur hatte die Idee zu dieser Installation, die im Rahmen der Aktion »Augenmerk - Kirche neu sehen« des Kirchenkreises entstanden ist. Unterstützt wurden sie dabei maßgeblich von Ulrich Christmann aus dem Bauausschuss der evangelischen Gemeinde und von Werner Koch vom 3D-Netzwerk aus Solingen. Pfarrer Hans-Peter Gitzler ist angetan von der Inszenierung, die den ganzen Juni über andauern wird. Er gibt offen zu: »Die evangelische Kirche und Kunst, da gab es bislang noch keine große Affinität.« Das soll sich jetzt ändern.

Gottes Sohn als Plastikrelikt

Passend zum Lutherjahr (500 Jahre Reformation) hat sich der Kirchenkreis auf die Suche nach Künstlern gemacht, die in jeder Stadt ein evangelisches Gotteshaus anders gestalten. Gemeindemitglieder, die das Atelier und die Arbeiten des Haaner Künstler-Duos Güdny (Malerei, Installation) und Wolfram Schneider-Mombaur (Fotografie) bereits kannten, haben die beiden ins Gespräch gebracht. Für das Ehepaar, das selbst keiner Kirche angehört, eine äußerst spannende Aufgabe, für die es sich zwei Wochen Bedenkzeit eingeräumt hatte. »Uns hat dabei überzeugt, dass wir Künstler bei der Umsetzung freie Hand haben«, so Güdny Schneider-Mombaur. Wie es der Zufall oder die Bestimmung wollte, schlummerte der Prototyp für die geschaffene Jesus-Figur bereits in ihrem Atelier. Sie hatten das Urmodell, eine Kreuzigungsfigur, vor gut zwei Jahren auf einem Flohmarkt im belgischen De Haan für kleines Geld erworben. Eine Skulptur aus Roheisen, die feucht geworden und angerostet ist, der ein Arm fehlt und die durch weitere Mitleidenschaften gezeichnet ist. Dieser deformierte Körper birgt eine besondere Qualität, wie es Güdny Schneider-Mombaur beschreibt: »Sie wirkt wie eine verzehrte, angegriffene Figur«. Eingescannt dient der rostige Christus als Druckvorlage. Mittlerweile wurde er auf einen Metall-Sockel gehoben. Im Altarbereich wird der Prototyp während der Ausstellung angestrahlt, während seine biologisch abbaubaren bunten Repliken in der Kirche verteilt auf sich und die Technik des 3D-Drucks aufmerksam machen. Denn ähnlich wie einst der Buchdruck leitet auch dieses Verfahren eine neue revolutionäre Vervielfältigungsära ein, stellte Werner Koch beispielhaft dar. Werkzeuge, Autos und Häuser können damit bereits gedruckt werden. Weiterentwickelt wird das für die produzierende Industrie und den daran angeschlossenen Handel einen kompletten Umbruch bedeuten.

Die Kirche als Medium

Morgen Abend, am 1. Juni, wird die Ausstellung um 20 Uhr mit einer Vernissage eröffnet, zu der neben dem Künstlerteam der langjährige Leiter des Film-Funk-Fernsehzentrums der evangelischen Kirche Rheinland, Jürgen Jaissle, angekündigt ist. Außerdem soll DJ Mika für die passende Begleitmusik (Lounge-Sounds) sorgen. Als Teil der Ausstellung entstand eine limitierte und signierte Edition der Solus Christus Figur, die jeweils für 40 Euro erworben werden kann. Geld, mit dem die Ausstellung mitfinanziert werde, unterstreicht Wolfram Schneider-Mombaur, der vielen Gartenstädtern als »Wolf de Haan« bekannt ist. Am 9. Juni steht für 17 Uhr erneut ein Künstlergespräch auf dem Programm und am 30. Juni ist ab 20 Uhr die Finissage geplant. Darüber hinaus kann die Ausstellung jeweils vor und nach den Gottesdiensten sowie mittwochs (9.30 bis 12 Uhr), freitags (17 bis 19 Uhr) sowie samstags (10 bis 13 Uhr) besucht werden. 

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.