David Posor

Stolpersteine für ehrenamtliche Retter

»Dogman Tierhilfe«: Gemeinnütziger Verein klagt über unkooperative Verwaltungen

Kreis Mettmann. /Region (DP). Bergen, retten und sichern lautet die Devise: Marcus Barke hat sich auf die Fahne geschrieben, in Not geratenen Tieren zu helfen. Mit seinem Verein Dogman Tierhilfe e.V. kümmert sich der Leichlinger seit zwei Jahren um das Wohl von Hund, Katz und Maus, aber auch von Reh, Hase und Co. Bei der Bevölkerung genießt das Rettungsteam hohe Beliebtheit und große Unterstützung. Mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens der Stadtverwaltungen hingegen bereitet den Ehrenamtlern teilweise große Probleme.

Wenn Passanten ein verletztes Tier melden, wollen die »Dogman«-Retter schnell und unbürokratisch helfen. Sieben mobile Kräfte des Vereins sind rund um die Uhr bereit, um auf Notrufe in der gesamten Region zu regieren. Von der Düsseldorfer bis zur Kölner Grenze und bis tief ins Bergische Land hinein fahren die geschulten Aktiven ihre Einsätze – für das angefahrene Reh ebenso wie für die Katze auf dem Baum oder den aus dem Nest gefallenen Jungvogel.

Die Grundidee umzu­setzen klappt in der Realität jedoch nur bedingt. Das Problem ist nicht die Geschwindigkeit, allerdings jedoch die Bürokratie. Denn während Bergung und Transport von unverletzten Fundtieren recht problemlos vonstattengehen, wird es bei verletzten kompliziert. Hier sorgen bestimmte Vorschriften für Hürden.

Eigenes Handeln kann kosten

»In der Regel sind die Kommunen für alle Fundtiere zuständig«, erklärt Marcus Barke, der den Verein vor zwei Jahren gegründet hat. Häufig kooperieren die Verwaltungen dafür mit externen Partnern. Nur wenn diese tätig werden und beispielsweise ein verwundetes Tier zum Tierarzt bringen, werden sämtliche Kosten übernommen. Kümmern sich aber Privatpersonen selbst um ein Fundtier oder schaltet sich die Dogman Tierhilfe ein, haben die gutmütigen Retter quasi den schwarzen Peter. Denn für die Behandlungsgebühren kann der Arzt jene belangen, die das Tier zu ihm gebracht haben.

Keine oder zu späte Hilfe

Dann sollen eben die zuständigen Partner aktiv werden, möchte man meinen. Doch gerade hier offenbart das System deutliche Schwächen, wie Marcus Barke findet. »Die Städte sagen, sie haben alles im Griff, aber unsere Erfahrungen sagen etwas anderes.« Häufig würden Passanten an Stellen verwiesen, die sich nicht zuständig fühlen, nicht erreichbar sind oder viel zu spät reagieren. Das berichten den Ehrenamtlern zufolge immer wieder Menschen, die sich letztendlich an den Verein wenden. »Wir hatten auch schon mehrfach die Situation, dass wir die Zuständigen hinzugerufen haben und dann mit dem verletzten Tier weit über zwei Stunden warten mussten, bis sie gekommen sind«, berichtet der 46-Jährige. In der Zwischenzeit müsse das entsprechende Tier unter Umständen großes Leid ertragen und könne im schlimmsten Fall verenden.

Bei einem konkreten Fall in Langenfeld wurden die »Dogmen« dennoch tätig, da eine schwerverletzte Katze zu versterben drohte und der ordnungsgemäße Weg zu viel Zeit gekostet hätte. »Am Ende hatten wir eine Rechnung von 760 Euro auf dem Tisch liegen«, so Barke – und damit die Quittung für eine gute Tat.

Auch in Sachen Wildtiere müssen die Retter vorsichtig sein. Denn bevor einem wilden Tier geholfen wird, muss der zuständige Jagdpächter kontaktiert werden. Anderenfalls könnte der Abtransport des Tieres als Wilderei angezeigt werden. Aber wie viele der Kommunenpartner seien auch die Jagdpächter nicht 24 Stunden am Tag erreichbar, so Barke. »Sollen wir dann helfen und uns strafbar machen oder das Tier krepieren lassen?«

»Brauchen größeren Handlungsspielraum«

Bereits über 800 Einsätze hat die Dogman Tier­hilfe in diesem Jahr abgearbeitet. »Wir haben Sprit­kosten von 400 bis 500 Euro im Monat«, verrät Marcus Barkes Bruder Michael (49), ebenfalls Mitglied des Vereins, der sich nur durch Spenden und Aufträge von Privatpersonen finanziert. Für die Ehrenamtler ist der hohe Bedarf ihrer Hilfe ein klares Zeichen für die Notwendigkeit einer Umstrukturierung. 

»Wir wollen Tiere retten und auch die Vorschriften beachten«, betont Marcus Barke. »Dafür brauchen wir aber einen größeren Handlungsspielraum.« Zum Beispiel wollen die Retter aktiv werden dürfen, wenn sie die ersten vor Ort sind. »Wenn wir nicht erst herumtelefonieren und warten müssen, wäre das das Beste fürs Tier.«

Marcus Barke wünscht sich, »dass die Verwaltungen mit uns in den Dialog gehen und wir gemeinsam ein Konzept erarbeiten, das die Situation verbessert«.

 

UNTERSTÜTZEN UND MITVERFOLGEN

Um ihre Arbeit zu finanzieren, ist die Dogman Tierhilfe auf Sponsoren angewiesen. Das Spendenkonto sowie alle Infos zum Verein findet man online auf dogman-tierhilfe.de. Auf der Facebookseite fb.com/DogmanTierhilfe gibt es darüber hinaus stets aktu­elle Neuigkeiten von den Einsätzen des Teams.

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