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Jedes Opfer von häuslicher Gewalt ist eins zu viel

Kreis Mettmann. Seit 25 Jahren besteht das SKFM-Frauen- und Kinderschutzhaus für den Kreis Mettmann.

Acht Frauen - oft mit Kindern, leben im Mettmanner SKFM-Frauen- und Kinderhaus in einer Art Wohngemeinschaft zusammen. »Jede hat natürlich ihren eigenen Bereich, aber einige Dinge werden gemeinsam beschlossen. Hier können die Frauen zur Ruhe kommen. Die Kinder sind sehr oft direkt mit betroffen. Sie müssen so viel verarbeiten«, sagt Geschäftsführerin Lilo Löffler. 

Was eine Flucht ins Frauenhaus bedeutet, schildert eine Betroffene dem SKFM in einem persönlichen Bericht: »Ich habe drei Söhne, sie sind drei, fünf und acht Jahre alt. Ich fliehe vor meinem Mann, der mich nicht nur psychisch fertig machte, sondern auch geschlagen hatte. Ich wollte weg, einfach meine Kinder nehmen und weg ... aber meinen Mittleren konnte ich nicht mitnehmen. Mein Mann hatte ihn einfach genommen und sich ins Ausland abgesetzt. Ich fühle mich im Frauenhaus  sicher und besser, aber mir fehlt mein Sohn. Die Polizei ist machtlos.«

Kein Einzelfall. »Jede vierte Frau in Deutschland ist von häuslicher Gewalt bedroht. Und  diese Zahl hat nichts mit Herkunft, Alter oder Gesellschaftsschicht zu tun«, sagt Eva-Maria Düring, beim  SKFM Mettmann e.V. für die Bereiche Gewaltschutz und Schwangerschaftsberatung zuständig.

Doch dank der Frauenhäuser gibt es Hoffnung für die Betroffenen: »Ich sage immer, unsere Erfolgsquote liegt bei 100 Prozent, denn jede Frau, die zu uns findet, ist an einem sicheren Ort. Durch unser großes Netzwerk sind wir in der Lage, Frauen, die in einer bestimmten Region bedroht werden, umgehend zu verlegen.«, sagt Eva-Maria Düring. 

Das größte Problem bestehe darin, dass die Frauen eher zu spät zu den Beratungsstellen finden würden. Düring: »Es gibt den Typ Täter, der seine Frau nachhaltig eher subtil und psychisch bedroht, dann aber beim allerersten Gewaltausbruch gleich umbringt. Es ist daher wichtig, sich an die jeweilige Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt zu wenden, wenn man das Gefühl hat, einer Bedrohung ausgesetzt zu sein.«

Die große Bedeutung des Frauenhauses in Mettmann wurde am Freitag deutlich, als die Kulturvilla Mettmann aus allen Nähten zu platzen drohte, weil eine riesige Gästeschar gratulierte und sich für die Arbeit der vergangenen 25 Jahre bedankte.

Info

- In Deutschland stirbt im Durchschnitt an jedem dritten Tag eine Frau durch häusliche Gewalt

- Hilfe unter Tel. 02104-9222220

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