IT

Der Spatenstich blieb diesmal aus

Rund 50 Aktivisten demonstrierten gegen die Öffnung der Mülldeponie für den A1-Brückenbau

Kreis Mettmann. (IT). Der erste Spatenstich zum Bau der neuen Rheinbrücke zwischen Leverkusen und Köln war für viele Leverkusener Anwohner keineswegs ein Grund zum Feiern.

Jeden Tag Stau, jeden Tag Pendler-Qualen: Die marode A1 Rheinbrücke zwischen Leverkusen und Köln ist zum Symbol für den täglichen Verkehrskollaps geworden. Und obwohl sich wohl so ziemlich jeder betroffene Verkehrsteilnehmer ein Ende der Misere wünscht, ist der Neubau der Brücke keineswegs unumstritten. Denn um die achtspurige Brücke zu realisieren, muss die Giftmülldeponie Dhünnaue angebohrt werden, eine Altablagerung, die ein unabwägbares Gefahrenpotenzial birgt, da niemand genau weiß, welche Gifte dort wo vergraben wurden. 


Ein sicherer Eingriff?

Viele Experten raten dringend davon ab, doch der Eingriff ist beschlossene Sache. »Speziell die Arbeiten in der Altablagerung werden von einem umfassenden Sicherheitskonzept begleitet. Eine ‚Einhausung‘, in der die Luft abgesaugt und gereinigt wird, sorgt unter anderem dafür, dass nichts nach außen getragen werden kann«, meldet die ausführende Behörde, deren Direktorin, Elfriede Sauerwein-Braksiek, die große Herausforderung für den Landesbetrieb betonte: »Wir wollen die Brückenhälften jeweils innerhalb von drei Jahren fertigstellen, das ist ehrgeizig.«

Bereits im Jahr 2020 sollen auf dem ersten Teil der neuen Rheinquerung Autos und vor allem wieder Lkw fahren können. Ende 2024 sollen die Arbeiten in diesem Bereich abgeschlossen sein und den Verkehrsteilnehmern alle Fahrbeziehungen zur Verfügung stehen. Mit 740 Millionen Euro kalkuliert Straßen.NRW die Gesamtkosten für den ersten Bauabschnitt. Die späteren Bauabschnitte umfassen den Ausbau der A3 zwischen den Anschlussstellen Leverkusen-Zentrum und dem Autobahnkreuz Leverkusen (A1/A3) und den Ausbau der A1 zwischen den Autobahnkreuzen Leverkusen-West und Leverkusen. 

Nicht einmal vergleichbar geprüft

Verkehrsminister Hendrik Wüst unterstrich mit Verweis auf die rechtliche Situation, dass es »eine bestandskräftige Planung« gebe und sagte: »Der Bund, die Bezirksregierung und Straßen NRW haben mit ihrem Engagement das Projekt vorangetrieben. Die gute Zusammenarbeit werden wir sehr verantwortungsbewusst fortsetzen.« 

Genau davor fürchten sich aber viele Leverkusenerinnen und Leverkusener, die sich von der Politik abgehängt und nicht ernst genommen fühlen. Steigende Feinstaubbelastung und austretende Gifte, die riesige Stelze, die einmal quer durch ihre Stadt führt und den Lärm noch einmal anwachsen lassen wird - all das sind Argumente für eine Tunnel- oder Kombilösung, die aber nach Meinung vieler Aktivisten nie richtig geprüft wurden. 

Das Bündnis »Lev muss leben!« widersetzt sich den Bauplänen seit geraumer Zeit. Einer ihrer Sprecher ist Erhard T. Schoofs. Er sagt: »Statt dem Wunsch eines Großteils der Leverkusener Bevölkerung zu folgen, eine Kombilösung wenigstens zu prüfen, bei der der riesige Durchgangsverkehr - ca. 300.000 Fahrzeuge pro Tag - von der A1, A3 und A59 weitestgehend in Tunneln unter der Wohnbebauung von Köln-Merkenich und Leverkusen hindurchgeführt würde, lassen die Verkehrsminister des Landes und des Bundes nun zwei riesige Rheinbrücken bauen und halten an ihren Plänen fest, den Verkehr auf Stelzenbrücken quer durch die Wohnbebauung zu führen. Die Kombilösung hätte über die vorhandene und sanierte Rheinbrücke nur den örtlichen Regionalverkehr geführt und zudem vermieden, mit der A1 quer durch die gefährliche Bayer-Giftmülldeponie hindurchzumüssen. Diese Planungen der Leverkusener Bürgerinnen und Bürger sind aber nicht einmal vergleichbar geprüft worden. Die Bürger sind empört und der Dachverbund ‚LEV muss leben!‘ der Initiativen bereitet weitere Protestaktionen vor.«

Eine davon war der Spatenstich selbst. Weil Demonstranten die Feierlichkeiten störten, musste der symbolische Baubeginn in einem Zelt stattfinden.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.