Volker Budinger 2 Kommentare

CO-Pipeline - »Der Kampf geht weiter«

Hilden. Seit nunmehr zwölf Jahren beschäftigt die CO-Pipeline die Region. Das Bündnis der Initiativen gegen die Rohrleitung will nun aktiv Kläger bei ihrem juristischen Kampf unterstützen.

Von Volker Budinger

Nur wenige Sekunden braucht es, dann hat Erwin Schumacher mit einem ganz normalen Akku-Schrauber ein Loch in das Stahlrohr vor ihm auf dem Tisch gebohrt. Es ist ein Stück der Röhren, die seit rund zehn Jahren auf  gut 67 Kilometern Länge zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen im Boden liegen und dabei das Gebiet der Städte Monheim, Düsseldorf, Langenfeld, Hilden, Solingen, Haan, Erkrath, Ratingen und Duisburg durchqueren oder tangieren – und damit bereits für eine Menge Ärger, Protest und juristische Streitereien gesorgt haben.

Pipeline seit 2009 im Boden

Die  »CO-Pipeline« ist dies, das Projekt, mit dem anfangs die Bayer AG hochgiftiges Kohlenmonoxid aus ihrem Standort in Dormagen, wo es als Nebenprodukt entsteht, zu ihrem Standort in Uerdingen bringen wollte, wo es zur Kunststoff-Produktion verwendet wird. Bislang wird das Gas, von dem konzentriert ein Atemzug für Menschen tödlich sein kann, nicht transportiert. Die Pipeline-Planung steht mittlerweile unter Ägide der Bayer-Ausgliederung Covestro, die das Kunststoffgeschäft der Leverkusener weiterführt. Die Röhre liegt zwar seit dem Jahr 2009 vollendet im Boden, durfte bisher aber nicht in Betrieb gehen.

Schumacher ist einer derjenigen, der den Betrieb der »Giftgasleitung« wie die Gegner das Projekt mitunter nennen, von Anfang an verhindert hat. Er gehört zur Monheimer »Stopp CO-Pipeline«-Initiative und zeigte jetzt mit Mitstreitern bei einer Präsentation im Bürgerhaus Hilden, wie anfällig die Röhren seien. »Ich habe lange bei einem Unternehmen gearbeitet, das diese Röhren herstellte. Das Material ist für diese Pipeline ungeeignet«, sagt er.

»Geo-Grid« soll Beschädigungen verhindern

Dass man nun öffentlich wieder einmal über die Röhre sprach, hatte seinen Grund nicht nur darin, dass sich am Valentinstag die erste Veröffentlichung der Pläne zum zwölften Mal jährte. »Es geht auch darum, was als nächstes geplant ist«, erklärt Dieter Donner, Koordinator aller »Stopp CO-Pipeline«-Initiativen der betroffenen Städte.

Denn Mitte 2018 brachte Covestro wieder Bewegung in das juristisch festgefahrene Projekt. Die Bezirksregierung Düsseldorf genehmigte ein Planänderungsverfahren, demnach die Röhren nun mit einem sogenannten »Geo-Grid«, einem Kunststoffnetz, vor etwaigen mechanischen Beschädigungen durch Bagger geschützt werden sollen. Damit soll nachgebessert und für mehr Sicherheit gesorgt werden, um den Betrieb doch noch aufnehmen zu können.

18 Aktenordner zur Einsicht

»Das ist totaler Blödsinn«, sagt Schumacher und zerreisst demonstrativ ein solches Geo-Grid mit seinen Händen. »Wir haben das mit Baggerfahrern getestet. Ob da so ein Netz im Boden liegt oder nicht, geht denen beim Baggern auf Deutsch gesagt am A... vorbei«, sagt er drastisch. Die Netze stellten keinen wirksamen Schutz dar. »Das haben wir so auch als Aussage in den Akten gefunden«, sagt Donner.

Ein Gutachter des TÜV schreibt dort in dem 18 Aktenordner umfassenden Planänderungsbericht – »ziemlich weit hinten« wie Donner sagt –: »Die durchgeführten Versuche mit verschiedenen Geo-Grid-Matten haben gezeigt, dass ein umfassender Schutz der Rohrleitungen vor großen Baggern durch die verwendeten Materialien nicht erreicht werden kann.«

Kinderärzte gegen CO-Pipeline

Was Bayer beziehungsweise Covestro da mache, sei »menschenverachtend«, urteilt der Mediziner Dr. med. Gottfried Arnold, der bei der Vorführung die Initiative »Kinderärzte gegen CO-Pipeline« vertritt. Er rechnet vor, dass die Leckage-Alarm-Systeme erst greifen würden, wenn bereits große Mengen des Gases ausgetreten seien. »Und Kinder sterben bereits bei viel geringeren Mengen«, sagt Arnold. Viele andere Menschen würden in einem solchen Fall sterben, weitere könnten schwere Schäden wie etwa Hirnschädigungen erleiden, erklärt Arnold.

In jedem Fall werde man weiter  kämpfen, um den Betrieb der Pipeline zu verhindern, sagen die  Aktivisten unisono. Als nächstes konzentriere man sich darauf, vier private Kläger aus Hilden bei ihrem juristischen Kampf zu unterstützen. Im Oktober 2018 reichten die neben anderen wie auch dem BUND NRW Klage gegen das neue Planänderungsverfahren ein. »Dabei mussten sie bereits in Vorlage gehen und tragen schon in der ersten Instanz ein Risiko von 4.000 bis 5.000 Euro«, sagt Ursula Probst, Vorsitzende der Bürgerinitiative MUT Hilden – einst als »Bau-Stopp der Bayer-Pieline« gegründet. Daher hat sie Spendendosen zur Präsentation mitgebracht, die sie den Klägern überreicht »zum Anbringen auf ihren Grundstücken« wie sie sagt.

»Außerdem möchten wir einen Spendenaufruf starten, um die Kläger zu unterstützen. Dabei setzen  wir auch auf die über 5000 Bürger allein aus Hilden, die Einwendungen erhoben haben«, sagt Probst. Aus der gesamten Region  brachten rund 24.000 Menschen Einwände ein , die aber größtenteils abgewiesen wurden.

»Es heißt zwar, die Klagen hätten  keine Aussicht auf Erfolg. Aber wir haben von Anfang an gegen den großen Konzern und die Landesregierung gekämpft – bisher recht erfolgreich«, sagt Donner. Man werde nicht aufgeben.

Das Projekt und die Gegner




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Kommentar von U.Probst
Super - schnell reagiert und korrigiert. Danke
Kommentar von U.Probst
Leider ist der Link zu www.muthilden.de falsch belegt mit:
https://www.wochenpost.de/http://
VG