Thomas Strycker

Steuerpflicht durch Rentenerhöhung

Expertentipp. Die Experten von Kaib, Galldiks und Partner Steuerberater & Wirtschaftsprüfer geben Tipps

Auch in diesem Jahr steigen für zahlreiche Rentner zum 1. Juli wieder die Rentenbezüge. Während die Erhöhung im Westen 3,18 % beträgt, steigt die Rente im Osten aufgrund der Angleichung des Rentenniveaus sogar um 3,91 %. Sicherlich ein Grund zur Freude, allerdings hat diese Erhöhung auch steuerliche Auswirkungen, die beachtet werden sollten.

Hintergrund zur Besteuerung von Rentenbezügen

Die Bundesregierung verfolgt seit dem Jahr 2005 das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Ziel ist es, dass während des Erwerbslebens Einzahlungen in die Rentenversicherung in vollem Umfang als Sonderausgaben abgezogen werden können, dafür später jedoch die Rente in voller Höhe besteuert wird.

Die Renten der gesetzlichen Rentenversicherung sind aktuell zum Teil noch steuerfrei. Dieser steuerfreie Anteil wird jedoch seit dem Jahr 2005 jährlich immer weiter abgeschmolzen, so dass Renten, die ab dem Jahr 2040 beginnen, zu 100 % steuerpflichtig werden:

Renten-eintritt

Besteuerungs- anteil in %

Renten-eintritt

Besteuerungs-anteil in %

Renten-eintritt

Besteuerungs-anteil in %

Renten-eintritt

Besteuerungs-anteil in %

bis 2005

50

2014

68

2023

83

2032

92

ab 2006

52

2015

70

2024

84

2033

93

2007

54

2016

72

2025

85

2034

94

2008

56

2017

74

2026

86

2035

95

2009

58

2018

76

2027

87

2036

96

2010

60

2019

78

2028

88

2037

97

2011

62

2020

80

2029

89

2038

98

2012

64

2021

81

2030

90

2039

99

2013

66

2022

82

2031

91

2040

100

 

Der steuerfreie Teil eines Rentners bestimmt sich zum einen nach dem Jahr des Rentenbeginns und zum anderen nach der Höhe der Rente, die im auf den Rentenbeginn folgenden Jahr bezogen wird. Der Rentenfreibetrag wird in dem Jahr festgeschrieben, in dem die Rente erstmals volle 12 Monate bezogen wird. Dieser Freibetrag ist fix und wird auch bei späteren Erhöhungen der Renten nicht mehr angepasst. Der Besteuerungsanteil in Prozent wird dagegen in dem Jahr des Renteneintritts festgestellt.

Beispiel:

R bezieht ab Juli 2017 eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Seine Renteneinnahmen im Jahr 2018 (Januar-Dezember) haben insgesamt 18.000,00 € betragen.

Lösung:
Der Besteuerungsanteil für Renten, die in 2017 beginnen, beträgt 74 Prozent. Der steuerfreie Teil der Rente beträgt somit 26 Prozent aus der dem Rentenbeginn folgendem Jahr erhaltenen Rente von 18.000,00 €.

Der sich dadurch ergebene Rentenfreibetrag (4.680,00 €) gilt für R nicht nur im Jahr 2018 sondern lebenslang.

 

Steuerliche Auswirkungen der jährlichen Rentenerhöhungen

Dadurch, dass der steuerfreie Teil der Rente festgeschrieben ist, führen die jährlichen Anpassungen immer nur zur Erhöhung des steuerpflichtigen Anteils der Rente.

Dies hat dann Auswirkungen, wenn das zu versteuernde Einkommen über dem Grundfreibetrag liegt. Für das Jahr 2019 liegt dieser bei Einzelveranlagungen bei 9.168,00 € (Zusammenveranlagung 18.336,00 €). Unter dem zu versteuernden Einkommen ist grob gesagt der Saldo aus sämtlichen Einkünfte (Renten, Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, Kapitalerträge, gewerblicher/selbständiger oder nichtselbständiger Tätigkeit) abzüglich abziehbarer Aufwendungen (z.B. Krankenversicherung, Krankheitskosten oder Spenden) zu verstehen.

Rentner, die unter dem Grundfreibetrag liegen sind nicht zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet, sofern sie nicht von der Finanzverwaltung dazu aufgefordert werden. Allerdings liegt hier in der Praxis das Problem. Durch die jährliche Rentenerhöhung kommt es dazu, dass zahlreiche Rentner, die in den Vorjahren noch unter dem Grundfreibetrag lagen, ohne es zu wissen auf einmal darüber liegen und somit zur Abgabe eine Einkommensteuererklärung verpflichtet sind. Fällt dies der Finanzverwaltung erst in späteren Jahren auf, werden rückwirkend mehrere Jahre gleichzeitig veranlagt, was zu einer für die Rentner unerwarteten hohen Nachzahlung führen kann.

Die Bundesregierung schätzt, dass durch die Rentenerhöhung im Jahr 2018 alleine 54.000 Rentner erstmals über den Grundfreibetrag liegen (BT-Drucksache 19/189 v. 8.12.2017, S. 23). Die Rentenerhöhung im Jahr 2019 wird demnach nicht weniger viele Rentner verpflichten, eine Einkommensteuererklärung abzugeben.

Von daher sollte in gewissen Zeitabständen immer wieder überprüft werden, ob das eigene zu versteuernde Einkommen noch unter dem Grundfreibetrag liegt, damit es nicht im Nachhinein zu eine bösen Überraschung kommt.

Sofern Sie unsicher sind, ob Ihre Renteneinkünfte zu einer Abgabeverpflichtung führen, oder nicht, kann unser Team Ihnen gerne eine Hochrechnung erstellen und gegebenenfalls weiter beratend zur Seiten stehen.

Thomas Strycker
Wirtschaftsprüfer / Steuerberater

 
Kaib, Galldiks und Partner
Steuerberater & Wirtschaftsprüfer
Hilden · Remscheid
www.stb-kgp.de

Mit acht Berufsträgern und über 40 Mitarbeitern gehört Kaib, Galldiks und Partner zu einer der größten Steuerkanzleien in Remscheid und Hilden. Betreut werden kleine bis große mittelständische Unternehmen, Einzelpersonen, Freiberufler oder Handwerksbetriebe aber auch Vereine und Stiftungen. Über die verbundene Wirtschaftsprüfungsgesellschaft B&O Rheinisch-Bergische Treuhand GmbH (www.bo-wpg.de) können auch Prüfungsleistungen angeboten werden. Neben diesen kanzleiinternen Möglichkeiten profitieren die Mandanten darüber hinaus auch von einem großen Netzwerk an Spezialisten.

Ziel der Kanzlei ist es, den Mandanten als vielseitiger Allrounder individuell und persönlich zu betreuen, um für ihn ein optimales Ergebnis in steuerlicher und betriebswirtschaftlicher Hinsicht zu erzielen. Garant dafür sind unter anderem die langjährigen Berufserfahrungen und das unterschiedliche Expertenwissen im Partnerkreis. Selbstverständlich ist auch eine beständige Fortbildung des gesamten Teams. Die Bandbreite der Tätigkeiten reicht von der Existenzgründung bis zur Unternehmensnachfolge, von der monatlichen Unterstützung bei Buchführung und Lohnabrechnung bis hin zur Steuerrechtsgestaltung und Steuerrechts-durchsetzung.

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