Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer besser abziehbar

PRArtikelDie Experten von Kaib, Galldiks und Partner Steuerberater & Wirtschaftsprüfer geben Tipps

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können als Betriebsausgaben, Werbungskosten oder bei einer Aus- oder Weiterbildung in einem nicht ausgeübten Beruf als Sonderausgaben abzugsfähig sein. Die Höhe der abziehbaren Aufwendungen richtet sich dabei nach verschiedenen Kriterien, wobei entweder ein Abzugsverbot vorliegt oder ein Abzug bis zu 1.250 Euro oder sogar ein unbegrenzter Abzug möglich ist.

Voraussetzungen für die Abziehbarkeit von Aufwendungen für ein Arbeitszimmer sind:

  1. 1.    Es liegt ein Arbeitszimmer i. S. des Steuergesetzes vor.

    Das häusliche Arbeitszimmer i. S. des Steuergesetzes ist ein abgeschlossener Raum, der nach seiner Lage, Funktion und Ausstattung in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist und überwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer bzw. organisatorischer Arbeiten dient. Es ist also ein beruflich genutztes „Büro“ in dem Gebäude, in dem sich auch die Privatwohnung befindet.

  2. Für die betreffende betriebliche bzw. berufliche Tätigkeit steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Dabei ist der „anderer Arbeitsplatz“ grds. als jeder Arbeitsplatz zu verstehen, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist (BFH, Urteil v. 7.8.2003 - VI R 17/01). Die Beschaffenheit des Arbeitsplatzes (BMF, Schreiben v. 6.10.2017) oder Arbeitsbedingungen spielen keine Rolle. Ein Arbeitsplatz muss weder ein eigener, räumlich abgeschlossener Arbeitsbereich noch ein individuell zugeordneter Arbeitsplatz sein, so dass auch ein Arbeitsplatz in einem Großraumbüro ein „anderer Arbeitsplatz“ ist. Ebenso wenig kommt es auf die Ausstattung des Raums mit Arbeitsmitteln an. Für die Feststellung, ob ein anderer Arbeitsplatz vorliegt, sind ausschließlich objektive Punkte maßgebend; subjektive Einschätzungen des Steuerpflichtigen sind hierbei grundsätzlich irrelevant. Maßgeblich ist, ob der „andere Arbeitsplatz“ in dem konkret erforderlichen Umfang und in der konkret erforderlichen Art und Weise tatsächlich vom Steuerpflichtigen genutzt werden kann und für die Tätigkeit ausreichend ausgestattet ist.

Liegen diese Voraussetzungen vor ist noch zu prüfen, ob das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen bzw. beruflichen Tätigkeit bildet. Als Mittelpunkt ist hierbei der qualitative Schwerpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit maßgeblich. Der zeitliche Umfang hat lediglich indizielle Bedeutung, so dass auch bei einer Außendiensttätigkeit der Tätigkeitsmittelpunkt im häuslichen Arbeitszimmer sein kann. Übt der Steuerpflichtige mehrere Tätigkeiten aus, so ist die Abzugsfähigkeit für jede einzelne Tätigkeit zu prüfen.

Beispiel:

Angestellter A nutzt sein häusliches Arbeitszimmer zu 20 % für seine nichtselbständige Tätigkeit und zu 80 % für eine freiberufliche Autorentätigkeit als Nebentätigkeit (für diese Nebentätigkeit steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung). In 2017 sind für das Arbeitszimmer insgesamt 4.200 Euro an Kosten entstanden, die entsprechend des Nutzungsverhältnisses aufgeteilt werden müssen. Für die auf die nichtselbständige Tätigkeit entfallenden Aufwendungen i. H. von 20 % ist ein Abzug ausgeschlossen. Die Aufwendungen, die auf die freiberufliche Nebentätigkeit entfallen, betragen 80 % von 4.200 € = 3.360 Euro und dürfen bis zu einem Betrag von 1.250 Euro berücksichtigt werden.

Bei der Nutzung des Arbeitszimmers durch mehrere Personen (BMF, Schreiben vom 6.10.2017) ist neuerdings die Abzugsbeschränkung personenbezogen und nicht mehr objektbezogen anzuwenden. Wird das Arbeitszimmer daher z.B. von beiden Eheleuten genutzt, so können beide Personen jeweils diejenigen Aufwendungen, die sie selbst getragen haben, entweder unbeschränkt oder bis zum Höchstbetrag von 1.250 Euro abziehen, sofern die o.g. Voraussetzungen erfüllt sind.

Beispiel 2:

Die Eheleute A und B nutzen gemeinsam ihr häusliches Arbeitszimmer jeweils zu 50 % (zeitlicher Nutzungsanteil). Die Gesamtaufwendungen von 6.000 Euro werden von A und B zu je 50 % getragen. Für A bildet das häusliche Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit, daher kann er 3.000 Euro in Abzug bringen. Für B steht für die im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübte Nebentätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. B kann daher einen Betrag von maximal 1.250 Euro als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehen.

Bei Fragen stehen wir Ihnen natürlich gerne beratend zur Seite.

Thomas Strycker
Wirtschaftsprüfer / Steuerberater

Kaib, Galldiks und Partner
Steuerberater & Wirtschaftsprüfer
Hilden und Remscheid
www.stb-kgp.de

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