Digitalisierung führt zum Wegfall der Belegvorlagepflicht!

Expertentipp. Die Experten von Kaib, Galldiks und Partner Steuerberater & Wirtschaftsprüfer geben Tipps

Die Finanzverwaltung beabsichtigt, die Bearbeitung von Steuererklärungen soweit wie möglich papierlos zu gestalten. Ein weiterer Schritt auf dem Weg dahin wurde mit dem Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens vom 18. Juli 2016 gemacht. Mit diesem Gesetzt wurde nämlich die generelle Belegvorlagepflicht durch die sogenannte Belegvorhaltepflicht ersetzt.

Folge dieser Gesetzesänderung ist nun, dass Sie bei Ihrer Steuererklärung zunächst keine Belege mehr an das Finanzamt senden müssen. Stattdessen sind die Belege vorzuhalten, also aufzubewahren, und nur auf gesonderte Anforderung des Sachbearbeiters der Finanzverwaltung zur Verfügung zu stellen. Einer solchen Aufforderung ist aufgrund der nach wie vor bestehenden Mitwirkungspflichten dann aber auch unverändert nachzukommen.

Stichtag für den Wegfall der Belegvorhaltepflicht ist der 01. Januar 2018, womit die Erleichterung dann erstmals für die Steuererklärungen 2017 gilt.

Beispiele:


Die Vorlage der Spendenbescheinigung stellt keine Voraussetzung für die Berücksichtigung einer Spende als Sonderausgabe mehr dar.

Auch die Steuerbescheinigungen der Banken über einbehaltene Kapitalertragsteuer sind für die Anrechnung im Regelfall nicht mehr vorzulegen.

Nachfolgend noch einige wichtige Hinweis:

•    Sollten künftig nicht mehr erforderliche Belege mit der Steuererklärung beim Finanzamt eingereicht werden, kann das sogar dazu führen, dass eine ansonsten vollständig maschinell bearbeitete Steuererklärung ausgesteuert wird und es zu einer manuellen Bearbeitung durch einen Sachbearbeiter kommt. Das kann dann durchaus zu Rückfragen führen und die Bearbeitungsdauer entsprechend verlängern.

•    Damit Rückfragen des Finanzamtes vermieden werden, sollten die Angaben in der Steuererklärung  möglichst vollständig, konkret und aussagekräftig sein.

Beispiele für eine nicht aussagekräftige Darstellung:

 

  • „Spende 250 Euro“
  • „Fortbildung 700 Euro“
  • „Reparaturen 800 Euro“

 

Beispiele für eine aussagekräftige Darstellung:

 

  • „SOS-Kinderdorf (06/2016) 250 Euro“
  • „Ärztekongress Berlin (23. – 26.06.2016) - Teilnahmegebühr 700 Euro“
  • „26.06.2016: Lohnanteil Reparatur Heizung (Heizungsbau GmbH) 800 Euro“


Zudem sollten Sonderausgaben, Spenden oder Werbungskosten eher nicht als Gesamtsumme eingetragen, sondern besser in einzelne Unterpositionen aufgegliedert werden.
Hier bieten das Elster-Online-Portal der Finanzverwaltung oder auch gängige Steuerprogramme entsprechend detaillierte Eintragungsmöglichkeiten.

•    Bei bedeutsamen steuerlichen Sachverhalten kann es ratsam sein, auch künftig die dazugehörigen Belege unaufgefordert beim Finanzamt einzureichen, da in diesen Fällen üblicherweise mit Rückfragen und der Anforderung entsprechender Belege zu rechnen ist. Bedeutsam sind z.B. die Neuanschaffung einer vermieteten Immobilie, die ermäßigte Besteuerung einer Abfindung oder etwa auch die erstmalige Geltendmachung einer doppelten Haushaltsführung.

Da Erfahrungswerte bislang fehlen, bleibt zu hoffen, dass der Wechsel zur Belegvorhaltepflicht in der Praxis möglichst reibungslos funktioniert, damit insbesondere dann auch Sie als Steuerbürger von den Erleichterungen der Digitalisierung profitieren und unnötige Bürokratie wegfällt.


Marc Brocksieper, Dipl.-Finanzwirt, Steuerberater
Fachberater für Unternehmensnachfolge (DStV e.V.)


Kaib, Galldiks und Partner
Steuerberater & Wirtschaftsprüfer
Hilden · Remscheid
www.stb-kgp.de



Mit acht Berufsträgern und über 40 Mitarbeitern gehört Kaib, Galldiks und Partner zu einer der größten Steuerkanzleien in Remscheid und Hilden. Betreut werden neben Einzelpersonen, Freiberuflern oder Handwerksbetrieben viele kleine bis große mittelständische Unternehmen, aber auch Vereine und Stiftungen. Über die verbundene Wirtschaftsprüfungsgesellschaft B&O Rheinisch-Bergische Treuhand GmbH (www.bo-wpg.de) können auch Prüfungsleistungen angeboten werden. Neben diesen kanzleiinternen Möglichkeiten profitieren die Mandanten darüber hinaus auch von einem großen Netzwerk an Spezialisten.

Ziel der Kanzlei ist es, den Mandanten als vielseitiger Allrounder individuell und persönlich zu betreuen, um für ihn ein optimales Ergebnis in steuerlicher und betriebswirtschaftlicher Hinsicht zu erzielen. Garant dafür sind unter anderem die langjährigen Berufserfahrungen und das unterschiedliche Expertenwissen im Partnerkreis. Selbstverständlich ist auch eine beständige Fortbildung des gesamten Teams. Die Bandbreite der Tätigkeiten reicht von der Existenzgründung bis zur Unternehmensnachfolge, von der monatlichen Unterstützung bei Buchführung und Lohnabrechnung bis zur Steuerrechtsgestaltung und Steuerrechtsdurchsetzung.

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