AK

Weitere Flüchtlings-Unterkünfte in Planung

Noch immer müssen Asylsuchende in Düsseldorf untergebracht werden

Hellerhof. (pau/mb/jäk/AK). Wöchentlich werden der Stadt Düsseldorf knapp 150 Flüchtlinge zugewiesen. Die Stadt hat bislang mit mobilen Einheiten und leerstehenden Objekten einen großen Teil des Bedarfs decken können, dennoch werden dringend weitere Kapazitäten gesucht. Im Bezirk 10 wird derzeit ein Standort beim Hellerhofer SV untersucht. An der Duderstädter Straße steht eine Unterkunft kurz vor der Eröffnung.

In den ersten drei Monaten des Jahres musste die Landeshauptstadt Düsseldorf insgesamt 1.785 neue Flüchtlinge unterbringen. Zum 1. April lebten 6.285 Flüchtlinge in städtischen Unterkünften, darunter 1.227 Menschen mit verfestigtem Aufenthaltsstatus, die bisher keine Wohnung gefunden haben. Allein im März kamen weitere 744 Flüchtlinge dazu - die Zahl verringert sich also vorerst nicht.

Außerdem fallen in diesem Jahr rund 2.000 bestehende Plätze weg, weil beispielsweise die Mietverträge auslaufen. »Deshalb müssen auch in diesem Jahr neue Unterkünfte geschaffen werden. Dies bleibt ein ambitioniertes Vorhaben«, erklärt Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch. Die Flüchtlinge sollen weiterhin über das gesamte Stadtgebiet verteilt untergebracht werden.

Mit dem Eigentümer einer Liegenschaft am Gatherweg in Lierenfeld konnte die Stadt einen 15-jährigen Mietvertrag über die Nutzung eines ehemaligen Fabrikgebäudes zur Unterbringung von maximal 250 Flüchtlingen schließen. Das Gebäude einer ehemaligen Maschinenbaufirma wird nun für diesen Zweck umgebaut. Mit der Inbetriebnahme wird im Laufe des vierten Quartals gerechnet. Weitere Bürogebäude am Nördlichen Zubringer in Mörsenbroich und an der Markenstraße in Oberbilk werden derzeit zwecks Unterbringung fertiggestellt.

Im Stadtbezirk 10 hat das Amt für Gebeäudemanagement zunächst einen Standort auf der Ingeborg-Bachmann-Straße in Hellerhof für geeignet erklärt. Dort sollte eine provisorische Turnhalle errichtet werden, die nach dem Auszug der Flüchtlinge in eine Mehrfachsportstätte umgewandelt werden soll. Doch sowohl die Anwohner als auch ein Teil der Bezirksvertretung lehnte das ab, weil sich auf dem städtischen Grundstück ein wichtiger Stadtteil-Treffpunkt befindet. So erklärte beispielsweise Adelheid Schliwa (CDU): »Das können wir den Bürgern nicht wegnehmen. Auch dort findet Integration statt.«

Alternativ bietet sich eine Fläche beim Hellerhofer Sportverein an, der später von der neuen Sporthalle profitieren würde. Das Amt für Gebäudemanagement prüft nun diese Option. Das Bauverfahren könne aber längere Zeit in Anspruch nehmen, weil die Stätte langfristig genutzt werden soll, was sich entsprechend auf die Planungen auswirkt, sagt Bezirksverwaltungsstellenleiter Uwe Sandt auf Nachfrage der WochenPost. Die Unterkunft an der Duderstädter Straße soll im Mai bezugsfertig sein.

Sechs weitere Modulbaustandorte sind in der Planung. Für die Standorte In der Nießdonk (496 Plätze, maximale Platzzahl laut Machbarkeitsstudie), Oberlöricker Straße (400 Plätze), und Auf'm Tetelberg (320 Plätze, Fertigstellung jeweils im 4. Quartal), hat die Produktion der Module begonnen. Für die drei weiteren Standorte Franz-Rennefeld-Weg (160 Plätze), Ickerswarder Straße (500 Plätze), Lützenkircher Straße (160 Plätze) wurde ein EU-weiter Teilnahmewettbewerb mit Verhandlungsverfahren auf den Weg gebracht. Die Modulbauanlagen sind geplant für eine Nutzungsdauer von fünf Jahren und werden gekauft.

Die winterfeste Leichtbauhalle Itterstraße (288 Plätze, Fertigstellung 2. Quartal) ist derzeit in der Herrichtungsphase. Zwei weitere Leichtbauhallen sind an der Straße Am Wald (288 Plätze) und an der Further Straße (192 Plätze) geplant. Zwei zusätzliche Standorte für winterfeste Leichtbauhallen mit jeweils 288 Plätzen werden noch gesucht.

Daneben werden derzeit neun Büro- und Gewerbegebäude zu Flüchtlingsunterkünften umgebaut: Gather Weg (250 Plätze), Graf-Adolf-Straße (175 Plätze), Höher Weg (250 Plätze), Markenstraße (125 Plätze), Monschauer Straße (100 Plätze), Nördlicher Zubringer (420 Plätze), Robert-Stolz-Straße (150 Plätze), Zum Märchenland (130 Plätze), Kieshecker Weg (290 Plätze). Derzeit liegen 25 weitere Angebote vor, von denen fünf Objekte bereits in konkreten Verhandlungen beziehungsweise Prüfung sind. »Selbst wenn die Flüchtlingszahlen zurückgehen sollten, womit derzeit niemand rechnet, werden zusätzliche Unterkünfte gebraucht«, sagt Birgitt Lilienbecker vom Amt für Gebäudemanagement. »Denn derzeit müssen noch rund 500 Flüchtlinge in Hotels und 600 weitere in der Messehalle 18 und der Uni-Sporthalle untergebracht werden – die teuersten und problematischsten Unterbringungsmöglichkeiten. Diese sollen daher langfristig aufgegeben werden.«

Daher appelliert die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch an Grundstücksbesitzer und auch Schützen-, Kleingarten-, oder Sportvereine, die über geeigneten Grund verfügen: »Wir benötigen weitere Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge. Bitte melden Sie sich bei der Stadt«.

Das Amt für Gebäudemanagement konkretisiert die Anforderungen: »Für die Unterbringung von Asyl suchenden Personen werden Gebäude ab einer Größe von 800 Quadratmetern und mehr zur Anmietung durch die Stadt gesucht«, sagt Rachid Jaghou, Abteilungsleiter des kaufmännischen Gebäudemanagements. Ehemalige Hotels, Tagungsstätten und Wohngebäude wären ideal. Aber auch leerstehende Bürogebäude haben sich als geeignet erwiesen, da sich die notwendigen sanitären Einrichtungen und Küchen, notfalls auch in Containern auf dem Außengelände, kurzfristig schaffen lassen. Ideal seien Gebäude mit Zimmern, die Platz für insgesamt mindestens 50 Personen oder mehr bieten und die längerfristig zur Verfügung gestellt werden können. Für die Errichtung von weiteren Unterkünften in modularer Bauweise werden Grundstücke mit einer Fläche von mindestens 3.000 Quadratmetern gesucht.

Wer der Stadt entsprechende Immobilien oder Grundstücke zur Anmietung zur Verfügung stellen möchte, kann auf der Homepage der Stadt Düsseldorf im Bereich der Flüchtlingsbeauftragten Miriam Koch weitere Informationen finden. Interessenten können die entsprechenden Unterlagen (Adresse, Grundriss, gegebenenfalls Exposé) per E-Mail an fluechtlingshilfe@duesseldorf.de übersenden.

Der Runde Tisch Asyl hat ein Flüchtlingskonzept beraten, mit dem das weitere Vorgehen festgeschrieben wird. Es soll dem Rat in seiner nächsten Sitzung am 28. April zur Kenntnisnahme vorgelegt werden. Danach sollen sich die verschiedenen Fachausschüssen mit den jeweiligen Themen auseinandersetzen.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.