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»Das Ehrenamt rettete mein Leben«

Bezirksvertreter Peter Ries erhält den Martinstaler für sein Engagement

Garath.  Peter Ries wird am 30. November für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement mit dem Martinstaler ausgezeichnet. Wir sprachen mit dem Garather Bezirksvertreter (FWG Freie Wähler) über Einsatz, Lebensrettung und Auszeichnungen.

Herr Ries, wie würde unsere Gesellschaft ohne Ehrenamtler aussehen?

Fast jeder Dritte engagiert sich ehrenamtlich. Wenn sie aufhörten, sich ehrenamtlich zu engagieren, wäre das eine Katastrophe für die gesamte Gesellschaft. Ich behaupte, dass alle Vereine oder Institutionen ohne das Ehrenamt nicht mehr überleben können. Viele soziale Errungenschaften müssten auf Minimum zurückgefahren werden. Es gäbe weniger Integration, keinen Jugend­rat, keinen Seniorenrat, keine Bezirksvertreter. Es gibt noch sehr viel mehr, aber das würde den Rahmen sprengen.

Wie hat Ihr eigenes ehrenamtliches Engagement Ihre Sicht auf das Leben verändert?

Angefangen hat alles damit, dass ich vor rund 30 Jahren wegen einer schweren Erkrankung – die eine Behinderung zur Folge hatte – meine Arbeit verloren hatte. Nach vielen Krankenhausaufenthalten, einigen Rehamaß­nahmen fiel ich damals in ein tiefes Loch und wurde depressiv. Irgendwie raffte ich mich auf und beschloss, mir eine ehrenamtliche Beschäftigung zu suchen, um nicht weiter abzustürzen. 

Ich wurde Pressewart im Hellerhofer Bürgerverein, schrieb einige Artikel für den Rheinboten, war Mitgründer des Fördervereins der Freizeitstätte Garath. Später engagierte ich mich als einer der ersten männlichen »Grünen Engel« im Benrather Krankenhaus. Das Ehrenamt rette nicht nur mein Leben, sondern gibt mir Tag für Tag Gelegenheit, mein Wissen und meine Erfahrung weiterzugeben und Menschen zu unterstützen, die Hilfe benötigen.

Heute bin ich Kommunalpolitiker und sitze in vielen Ausschüssen wie Behindertenbeirat, Seniorenbeirat und bin Vorstandsmitglied im VdK-Sozialverband. Ich habe viel zu tun und das ist auch gut so.

Was bedeutet Ihnen eine Auszeichnung wie der Martinstaler?

Ich freue mich sehr über die Auszeichnung. Es macht mich stolz, aber nicht überheblich. Denn ich engagiere mich nicht für eine Auszeichnung, sondern für mehr Menschlichkeit, gegen Hass und Ausgrenzung und für ein friedliches Miteinander.

Wird man im Ehrenamt im Grunde nicht permanent ausgenutzt?

Diese Frage habe ich mir hier und dort auch schon mal gestellt. Ich denke, dass es auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mehr Ausnutzung gibt als beim Ehrenamt. Natürlich gibt es hier und dort schwarze Schafe. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, wie unser Leben und wo Licht ist, ist auch Schatten. 

In welchen gesellschaftlichen Bereichen brauchen wir aktuell noch mehr Ehrenamtler – speziell in Garath?

Aktuell werden zum Beispiel Kandidaten für die Seniorenratswahl im März gesucht. Ich habe mich auch aufstellen lassen. Auch der VdK-Sozialverband Benrath-Garath – dem ich ebenfalls als 2. Vorsitzender angehöre, sucht ehrenamtlich für die Mitarbeit im Vorstand Vorsitzende, Kassenführer und Beisitzer. Wenn Günter Meier sein Amt auch aus Altersgründen niederlegen muss und wir keinen Kassenwart haben, sehe ich schwarz für den Fortbestand des Ortsverbandes. Hilfesuchende müssen dann später bis in die Stadt. 

Das Hospiz in Garath würde sich ebenfalls über Menschen freuen, die etwas Liebe, Zeit und Hoffnung zu verschenken haben. Es ist sehr schwer, Menschen zu finden, die sich einsetzen wollen und ihrem Leben damit vielleicht noch ein wenig mehr Sinn geben. Profitieren – ob vom Seniorenrat oder Sozialverband – möchten alle. Niemand muss Angst vor der Verantwortung haben. Denn er/sie trägt sie nicht, sondern wir alle.  Wenn die Vorstände älter werden und nichts nachwächst, sterben die Vereine. Wenn es keine Trainer mehr gäbe, die den Kindern Fußball, Singen, Schwimmen und vieles mehr beibringen, zerfällt alles.

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