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Paulsmühle-Bunker: Drinnen ist die Welt eine andere

Benrath. Bunkerkoller? Im Zusammenhang mit dem Veranstaltungstempel in der Paulsmühle sicherlich kein Schimpfwort. Zu Halloween wird in dem Betonungetüm wieder der Bär steppen.

Michael Geier ist ein Überzeugungstäter. Der Vorsitzende der Paulsmühler Jecken steht hinter dem DJ-Tisch im Festsaal des Bunkers und dreht den durchs Rund dröhnenden  U2-Song noch eine Spur lauter. Hier drinnen ist die Welt eine andere. Und das liegt nicht nur daran, dass der historische Bau trotz Außentemperaturen von 25 Grad das Gefühl vermittelt, dass die dicken Mauern ihre Grundkälte umschließen wie ein kostbares Gut.  Geier nippt an seinem Kaffee und beginnt, zu erzählen: »Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um das hier zu machen«, sagt er. »Das hier«, bedeutet die ganzjährige Verwaltung und das Inschusshalten des 1941 erbauten Kolosses. »Das alles hat natürlich auch etwas damit zu tun, dass wir den Karneval in der Paulsmühle weiter beleben wollen. Und wer einmal die Augen der Kinder beim Karnevalszug gesehen hat, der weiß, dass sich jede Minute lohnt, die man in den Bunker und die  dort stattfindenden Events steckt. Zum Glück stecken alle Vereinsmitglieder verdammt viel Arbeit in den Bunker.«

Brauchtum und Historie vereinen

Sechs Veranstaltungen werden pro Jahr dort durchgeführt, wo während der Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs Menschen Schutz suchten. In drei Jahren möchte Geier dort eine große Karnevalssitzung veranstalten - und auch beim Rosenmontagszug sollen die Paulsmühler Jecken wieder mitlaufen.  »Wir haben als Verein die Aufgabe, Brauchtum, und Historie unter einen Hut zu bekommen. Das klappt auch ziemlich gut. Neben den Veranstaltungen des Vereins, ist der Bunker auch immer wieder Ausflugsziel für Schulklassen, die hier echte, lebendige Geschichte erleben können, die irgendwie noch greifbar ist«, so Geier. 

Beeindruckend und beklemmend

Spätestens, wenn man das Schild mit der Aufschrift »Männer zwischen 16 und 60 Jahren gehören nicht in den Bunker, sondern in den Einsatz« erblickt, dann weiß man, was er meint. »Das ist wirklich beeindruckend und beklemmend zugleich. Es gab ja sogar Schulklassen, die hier Unterricht hatten. Gehen Sie mal mit heutigen Schülern in solch einen kleinen, fensterlosen Raum und unterrichten dort. Die werden schnell ziemlich kleinlaut.«

1976 erhielt der Außenbau einen farbigen Anstrich durch Claus Andreas Barthelmess. Seitdem steht der ehemalige Schandfleck des Viertels unter Denkmalschutz - und das völlig zurecht. Denn einen Bunker dieser Größe mit intakter Technik und Ausstattung sucht man in der Region lange. »Ich war zwölf Jahre lang Soldat und interessiere mich auch privat für das Thema. Deshalb mache ich das gerne, auch wenn es viel Arbeit ist«, sagt Michael Geier, der allerdings ein wenig wehmütig an die  Glanzzeiten des Vereinslebens zurückdenkt. »Früher gab es Vereinsmitglieder aus jeder Branche. Da hat man dem Schreiner ‘ne Kiste Bier gegeben - und der hat dir mal eben die Schränke gezimmert. Das gibt‘s alles nicht mehr. Dafür habe ich selbst in den letzten Jahren handwerklich viel dazugelernt«, sagt er schmunzelnd.

Zwei Halloween-Events

Am 31. Oktober, 20 Uhr, findet die große Halloween-Party für Erwachsene im Bunker statt. Am 4. November, 14 Uhr,  folgt die Variante für Kids mit Tanz, Kinderschminken, Zauberer und vielem mehr. Tickets und weitere Informationen unter: info@bunker.party.de

Infos zum Bunker

- 1941 erbaut nach Plänen von Franz Conrad Schrüllenkamp

- Der Bunker bot 600 Personen Platz

- Heute ist er Bürgertreff und Veranstaltungsort 

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