IT

Total vernetzt und dennoch frei?

25 Jahre Internet haben unser Leben drastisch verändert - mehr als so mancher heute denkt

Düsseldorf. (IT). Bei all den ausgelassenen Feierlichkeiten anlässlich des 70. Geburtstags unseres Bundeslandes ging ein echtes Jubiläum im August ziemlich unter. Das World Wide Web wurde 25. Zeit, um auf diese sowohl nützliche als auch gefährliche Institution, die unser gesamtes Leben für immer verändert hat, gebührend einzugehen.

Als der Physiker Tim Berners-Lee am 6. August 1991 mit dem Satz »This is for everyone« seine Idee eines weltumspannenden Netzwerks vorstellte, ahnten wenige, welche Folgen diese Innovation für die gesamte Menschheit haben würde. »Das Internet ist für uns alle Neuland«, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch 2013 und brachte damit Milliarden Nutzer sozialer Medien zum Lachen. Dass mittlerweile niemand mehr ohne das Netz kann und leider auch viele Menschen nur noch im Netz leben, ist mittlerweile Realität geworden.

 

Digital organisiertes Leben

 

Deutschland im Jahr 2016. Die meisten Menschen checken morgens als allererstes ihre Nachrichten per Smartphone, loggen sich in die sozialen Netzwerke ein und beginnen dann erst ihren Tag. Adressen, die sie zuvor per Suchmaschine gefunden haben, erreichen sie durch Navigationsgeräte. Die WhatsApp-Gruppe informiert über Geschäftstreffen oder Trainingszeiten in Sportvereinen. Recherchen starten grundsätzlich mit Wikipedia und Skype sorgt dafür, dass man mit dem Konferenzpartner in Übersee virtuell an einem Tisch sitzt. Ein Segen, dieses Internet, oder?

 

Möglichkeiten der Technik positiv nutzen

 

»Im Grunde ja«, sagt Michael Zinke vom in Monheim ansässigen Unternehmen »Computerservice ZL.Com«, das mittlerweile rund 1.200 Kunden aus der Region betreut. »Natürlich gibt es immer wieder Gefahren wie Malware und ähnliche Probleme. Aber die positiven Eigenschaften der Technik überwiegen meines Erachtens. Man kommt leichter in Kontakt, kann sich schneller informieren und beispielsweise auch karitative Dinge wie Crowdfunding sind problemlos möglich. Natürlich geht mit der Nutzung der Technik eine enorme Verantwortung einher und hier treten Probleme auf – vor allem in sozialen Netzwerken, wo es zu Cybermobbing etc. kommen kann. Doch es gibt gleichzeitig auch tolle Projekte, die dafür sorgen, dass Generationen zusammenrücken.« So möchte Zinke Jugendliche dafür gewinnen, dass sie älteren Menschen die Funktionen von Smartphones erklären und künftig regelmäßig Seminare zu Themen wie dem Verschicken von Bildern oder Nachrichten anbieten: »2,4 Milliarden Menschen sind mit dem Internet verbunden. Da ist es schon sinnvoll, dass die Leute kleine technische Probleme schnell selbst lösen können. Dabei helfe ich ihnen«, sagt der Fachmann, der in seiner beruflichen Praxis vor allem Firmen betreut, Außendienstmitarbeiter vernetzt und Sicherheitslecks findet. »Ich muss mich quasi jeden Abend auf den neuesten Stand bringen.« Dabei sei vor allem die Sicherheitsthematik ein großes Problem. »Jeder zweite private Rechner ist heutzutage infiziert. Aber die Arbeit ist schon spannend und fordernd. Oftmals steht man beim Kunden und muss schnell eigene Lösungen suchen. Ich freue mich einfach darüber, welche Möglichkeiten die Technik bietet und sehe die Entwicklung positiv.«

 

Man kann auch mal miteinander sprechen

 

Yvonne Fischer und Marco Iannucci aus der Satztechnik der WochenPost sind eher geteilter Meinung über die Vorzüge digitaler Kommunikation. »Ich bin eigentlich froh, wenn ich mal ausspannen und mein Handy abschalten kann. Man kann durchaus auch mal wieder miteinander sprechen, anstatt immer nur digitale Kanäle zu bemühen«, sagt Yvonne Fischer. Ihr Kollege sieht das nicht ganz so: »Wenn ich mein Handy im Urlaub ausschalte, komme ich mir schon einige Zeit lang irgendwie nackt vor. Und natürlich hilft uns die digitale Netzwerktechnik bei der Datenübermittlung im Job ebenfalls ungemein. Sie ist schneller und genauer als rein manuelle Verfahren«, gibt Marco Iannucci zu bedenken.

 

Datenerfassung ist ein zwiespältiges Thema

 

Wolfgang Beneke arbeitet als Projektmanager IT-Infrastrukturen bei einer Düsseldorfer Bank. Beim Thema Internet wohnen zwei Herzen in seiner Brust: »Ursprünglich hieß das Internet ‚Arpanet‘ und wurde von der amerikanischen Luftwaffe in Auftrag gegeben, um ein Netzwerk zu entwickeln, das die Kommunikation zwischen Institutionen erleichtern sollte. Die militärische Nutzung hat natürlich immer einen Beigeschmack. Aber andererseits muss man eben auch sehen, dass auf diesem Weg sehr oft nützliche Dinge für die Zivilgesellschaft entwickelt wurden. Ursprünglich war die Basis-Technik fürs Internet eine Art Freiheitsbewegung, die dazu dienen sollte, sich von der drohenden Übermacht der Großkonzerne zu lösen. Damals schon, also vor über 30 Jahren, hat man bereits erkannt, dass diese Technologie die Grundlage für unser späteres Zusammenleben darstellen würde.« Allerdings sei in den letzten zehn Jahren so viel passiert, dass es schwierig sei, überhaupt einen gesellschaftlichen Konsens darüber zu finden, wie man mit den vielen Neuerungen umgeht, weil die Geschwindigkeit der Entwicklung kaum Zeit zur Reflektion biete. Beneke: »Nehmen wir die zentrale Speicherung von Daten, die über eine SIM-Karte im Auto erfolgt. Einerseits wird die Datenerfassung genutzt, um im Notfall schnell einen Werkstattservice oder einen Notarzt einsetzten zu können. Andererseits wird ein langfristiges Profil des Fahrstils erstellt, der in zweifelhaften Situationen auch gegen den Fahrzeugführer eingesetzt werden kann. Und das ist nur die Oberfläche. Zum Beispiel bekommt die Diskussion um Werkstadtbindung und damit Wettbewerbsverzerrung durch eine solche Praxis ganz neues Futter. Ähnliches kann man sich auch im Bereich der Gesundheitsfürsorge vorstellen. Datensammlung ist ein zweischneidiges Schwert und durch den Umstand, dass sie politisch noch Kinderschuhen steckt, wirkt der Ausspruch von Angela Merkel zum Thema Internet weniger naiv. Darüber sollte man nachdenken, wenn man sich scheinbar sorglos in unserer Zeit bewegt.«

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