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Seit 100 Jahren Begegnungsort für lernwillige Düsseldorfer

Düsseldorf. Die Düsseldorfer Volkshochschule wird 100 Jahre alt. Was das bedeutet und warum es für alle Düsseldorfer gute Gründe gibt, dieses Jubiläum zu feiern, darüber sprachen wir mit Leiterin Simone Bruns und Lea Buchholtz, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit in der VHS.

Am Anfang stand eine Idee. Nach dem Ende der Monarchie und der Etablierung der ersten parlamentarischen Demokratie im Anschluss an das Ende des Ersten Weltkrieges, setzte sich in Deutschland der Gedanke durch, dass Bildung ein Recht sei, das nicht nur besser gestellten Kreisen vorbehalten sein sollte. In der Folge wurden überall in Deutschland Volkshochschulen gegründet. Dort brachte man die Menschen dazu, sich mit Länderkunde, Gesellschaftspolitik und Kultur auseinanderzusetzen, um den eigenen Horizont zu erweitern. 

Dunkle Zeiten

Die Volkshochschulen erfreuten sich großer Beliebtheit, bevor die Nazis das Erfolgsmodell nach ihrer Machtübernahme jäh beendeten und sie in so genannte »Volksbildungswerk«-Anstalten umwandelten. »In der Zeit des Nationalsozialismus‘ und vor allem im Krieg wurden  kleine NS-Schmieden aus den ursprünglichen Volkshochschulen. Nach Kriegsende erlebten die Volkshochschulen aber ein Comeback«, sagt Simone Bruns.

Hier in Düsseldorf hatten die Briten ein Interesse daran, dass den Bürgerinnen und Bürgern demokratische Lebensstrukturen zu vermitteln. Dazu konnte die VHS als Erwachsenenbildungeinrichtung mit öffentlichem Auftrag entscheidend beitragen. »Das ist eine Tradition, auf der wir seit jeher aufbauen. 

Schon in den 40er-Jahren setzte die VHS auf Themenvielfalt. Im Laufe der Zeit hat man immer viel in den Bereichen Kultur und Diversity umgesetzt. Viele der Bildungsverantwortlichen mussten seinerzeit allerdings erst lernen, die Bürger abzuholen. Zu Beginn waren vor allem Bildungsreisen beliebt. In den 60er Jahren ging es dann auch darum, sich als  Bildungsträger in einer Universitätsstadt zu behaupten.« Vielleicht stammt auch aus dieser Zeit das Image der Volkshochschule als das eines eher gemütlichen und wenig innovativen Bildungsbetriebs. 

Trendsetter

»Wir sind nicht präsent als schicker Bildungsträger. Aber wir setzen durchaus Trends. Zum Beispiel mit unseren Veranstaltungen zu.‘Virtual Reality‘, japanischen Sprachtests oder innovativen Tanzkursen. Auch Ausgefallenes wie Theaterkurse für Bewerbungsgespräche oder Flirtseminare stehen auf dem Programm. Bei uns gab es Zumbakurse, bevor sie zum Trend wurden. Leider ist das in der Öffentlichkeit bislang selten in den Fokus gerückt worden«, gibt Simone Bruns zu. 

Daher hat man sich nun mit Lea Buchholtz verstärkt, die  in Sachen Öffentlichkeitsarbeit in Zukunft einen Schritt nach vorne machen will: »Im 100. Jahr unseres Bestehens möchten wir die Menschen einladen, mit uns zu feiern. Mit 100 kostenfreien Veranstaltungen führen wir auch Bürgerinnen und Bürger an unser Angebot heran, die bislang vielleicht noch nicht so viel damit anfangen konnten. 

Zudem gibt es im September einen Tag der offenen Tür, die Lange Nacht der Volkshochschulen, Kunstprojekte und vieles mehr, mit dem wir auf uns aufmerksam machen wollen«, sagt sie. Das gelingt der Düsseldorfer VHS schon jetzt besser als man denkt. 

Die Anzahl der berufstätigen Lernenden ist höher als die der Rentner. Natürlich sind Weiterbildungsangebote oder Schulabschlüsse ein wichtiger Teil des Portfolios. Dennoch ist Simone Bruns sich sicher, dass die VHS in einem entscheidenden menschlichen Punkt anderen Lernmethoden einen großen Schritt voraus ist: »Wir setzen auf die Tradition, des Miteinanderlernens. 

Ich sehe das Internet daher auch nicht als Konkurrenz zur VHS, sondern als Helfer, der Interesse weckt und Vorab-Infos liefert, die man bei uns vertiefen und mit anderen teilen kann. Das Schlagwort ‚Begegnungsstätte‘ ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Wir bleiben ein wichtiger Bestandteil der Bildung und sind interkulturell der wichtigste Partner für Zugewanderte Zudem möchten wir Menschen ansprechen, die der Bildung nicht so zugewandt sind. 

Daher steht für mich auch fest: Ohne uns wäre das Land bildungsärmer. Die, die am lautesten schreien, würden am meisten Gehör finden und das dürfen wir nie zulassen. 

Info

- unter www.duesseldorf.de/vhs/100jahre werden weitere Informationen und alle Termine bekannt gegeben. Auch die Anmeldung zu den kostenfreien Veranstaltungen wird möglich sein. 

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