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Rekorde auf zwei Rädern in der Landeshauptstadt

2018 gab es mehr Radfahrer als je zuvor in Düsseldorf - aber reicht das?

Düsseldorf. Düsseldorf fährt Rad. Zumindest da, wo man nicht Gefahr läuft, vom nächsten Laster erfasst zu werden.

Das ist nichts Neues, aber dennoch rekordverdächtig. Denn aufgrund der anhaltend hohen Sommertemperaturen 2018 und der akribischen Messungen verkündet die Stadt just: »Allein an der Zählstelle der Landeshauptstadt am Mannesmannufer wurden 1.042.633 Fahrradfahrer registriert. Das sind 13 Prozent mehr als 2017 - so viele wie noch nie. Im Schnitt fuhren dort täglich 2.857 Radfahrer vorbei.«

Auch die übrigen Zählstellen verzeichnen einen steilen Anstieg der radelnden Mitmenschen. Ihre Zahl nahm an den 13 Messpunkten gegenüber 2017 um 6,6 Prozentpunkte auf 5,36 Millionen zu. 

»Natürlich ist der Rekord eine tolle Sache«, findet Lerke Tyra, stellvertretende Vorsitzende des ADFC Düsseldorf. »Zählstellen können auch feststellen, wenn viele Radler dort unterwegs sind, wo es eigentlich keine Infrastruktur für Radler gibt. Das hilft uns weiter, denn auch Zweiflern wird langsam klar:  Radfahren ist ein Trend, der zum Lebensstil wurde. Das Fahrrad ist auf kurzer Strecke unschlagbar«, so Tyra.

Die Daten der Dauerzählstellen und weitere Daten werden von der Stadtverwaltung jedes Jahr zur Planung und Optimierung des Radverkehrs in Düsseldorf erhoben und ausgewertet. Sie dienen der Anpassung der Radverkehrsinfrastruktur an das tatsächliche Radverkehrsaufkommen. Doch genau da hakt es laut Lerke Tyra noch entscheidend: »Das Radhauptnetz, das mit 300 Kilometern Länge geplant und seit 2015 in der Umsetzung ist, kommt nur stockend voran. Wenn es weiter in diesem Tempo verwirklicht wird, dann dauert es noch 50 Jahre, bis es fertig ist.«

Laut der Zweirad-Expertin könnte eine Gesellschaft, die sich lautstärker für den Umbau des Netzes einsetzt, den Vorgang beschleunigen. »Ich erkenne natürlich an, dass Kreuzungen etc. umgebaut werden müssen. Aber das reicht nicht. Falschparker müssten auf Fahrradwegen härter bestraft werden. Die Fahrradstreifen sollten eingefärbt werden oder sich baulich vom Rest der Straße abheben. Aktuell ist das noch nicht wirklich gut gelöst. Das erkennt man auch am jährlich durchgeführten »Fahrradklimatest«, der Städte auf ihre Fahrradfreundlichkeit hin untersucht und bei dem Düsseldorf immer im unteren Drittel rangiert. Letztlich greift hier die Regel: Wenn man sein zwölfjähriges Kind bedenkenlos mit dem Fahrrad losschicken kann, dann hat man als Stadt alles richtig gemacht.«

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