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Interview mit Linda Bresonik: »Nach wie vor viel zu tun«

Düsseldorf. Fußball-Europameisterin, Weltmeisterin, Mitarbeiterin der Gleichstellungsstelle der Stadt Düsseldorf, Trägerin des Verdienstordens des Landes NRW: Linda Bresonik kann sich über mangelnde Abwechslung im Leben nicht beklagen. Wir trafen die frisch gebackene EM-Botschafterin zum Gespräch.

Frau Bresonik, Für welche Bereiche sind Sie bei der Gleichstellungsstelle der Stadt aktuell zuständig?

Meine Hauptaufgabe im Gleichstellungsbüro ist die Geschäftsführung des Gleichstellungsausschusses, der ca. acht Mal im Jahr tagt. Dabei handelt es sich um die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Sitzungen sowie die Organisation und die Schriftführung am Sitzungstag. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Mitwirkung an Personalauswahlverfahren, Beantwortung von Anfragen aus der Bürgerschaft zu frauenrelevanten Themen, die Mitarbeit in Projekten/Veranstaltungen, beispielsweise die kommende Veranstaltung am 25. November zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, sowie allgemeine Verwaltungsaufgaben.

Hatten Sie immer schon geplant, nach Ihrer  Sportlerinnen-Karriere den Schritt in die Verwaltung zu machen?

Noch während meiner aktiven Zeit als Fußballerin habe ich mir sehr viele Gedanken um meine berufliche Zukunft nach dem Sport gemacht. Die letzten drei Jahre während meiner Karriere habe ich bereits in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet, um schon mal wieder in den beruflichen Alltag hineinzufinden. Bei der Verwaltung habe ich mich initiativ beworben und hatte großes Glück, dort eine Stelle zu bekommen.

Welchen Herausforderungen begegnen Sie bei Ihrer Arbeit?

Dadurch, dass ich gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau bin und vorher in der freien Wirtschaft gearbeitet habe, waren die größten Herausforderungen für mich die allgemeinen Verwaltungsaufgaben. Wie sind die Rechtsvorschriften? Wie funktioniert die Aktenführung? Welches Formular muss ich für Vorgang X ausfüllen? Die größte Herausforderung war somit die gesamte Bürokratie.

Woran muss man in Sachen Gleichstellung in Düsseldorf noch arbeiten?

Beginnend möchte ich sagen, dass in Düsseldorf bereits hervorragende Gleichstellungsarbeit geleistet wird. Noch im Juni dieses Jahres wurde die Landeshauptstadt Düsseldorf mit dem Gender Award für vorbildliche Gleichstellungsarbeit ausgezeichnet. Trotz allem gibt es in Sachen Gleichstellung leider nach wie vor viel zu tun, wie beispielsweise die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen oder im Bereich Geschlechtergerechtigkeit und der Akzeptanz diverser Lebensweisen ist noch einiges zu tun. Der langjährige Gleichstellungsausschuss ist dabei ein wichtiges Instrument, um Gleichstellungspolitik verstärkt in den Mittelpunkt des politischen Handelns zu setzen.

Sie wurden als EM-Botschafterin nominiert. Welche Aufgaben sind damit verbunden?

Zunächst einmal fühle ich mich geehrt als Botschafterin der EURO 2024 für die Stadt Düsseldorf aktiv sein zu dürfen. Zu Gast durfte ich bereits als lokale Botschafterin bei DFB-Botschafter Phillip Lahm zum Länderspiel Deutschland gegen Frankreich sein. Seit einiger Zeit bin ich unter anderem Teil einer stadtweiten Plakat-Kampagne unter dem bundesweiten DFB-Motto »United by Football«.

Im kommenden Jahr findet die Frauen WM in Frankreich statt. Werden Sie sich dort Spiele anschauen?

In meiner Urlaubsplanung für 2019 steht Frankreich ganz oben auf der Liste.

Wie hat sich der Frauenfußball in den letzten Jahren entwickelt?

Meiner Meinung nach hat sich der Frauenfußball insgesamt toll entwickelt, vor allem International. Man kann es anhand der englischen Liga verfolgen. Manchester City, Arsenal London und Chelsea sind bereit, mehr zu investieren. Dadurch werden Spielerinnen aus aller Welt angelockt, was den Sport für beide Seiten attraktiver macht. In Deutschland hat man glaube ich das Gefühl, dass es derzeit stagniert, was daran liegen kann, dass die deutsche Frauennationalmannschaft bei der letzten Europameisterschaft 2017 nicht gut abgeschnitten hat. Außerdem gab es in den letzten Jahren einen Umbruch in der Mannschaft. Nichts desto trotz ist der Frauenfußball in Deutschland kein reiner Amateursport mehr und das ist eine tolle Entwicklung. Die meisten Frauen-Bundesligavereine bieten heutzutage sehr professionelle Bedingungen und die Etats sind mittlerweile enorm gestiegen, was sich in der Bezahlung widerspiegelt. 

Was kann man tun, damit der Sport eine breitere Lobby bekommt?

Die Deutschen werden mit Angeboten, Fußball zu sehen, ja fast erschlagen. Der Männerfußball hatte sich schon fest etabliert, als die Frauen-Bundesliga 1991 hinzukam. Bei den großen Turnieren spielt das nationale Interesse eine Rolle. Die Frauen-Bundesliga hingegen hat in der Wahrnehmung mehr regionalen Charakter. Mehr mediale Aufmerksamkeit hierfür wäre sehr hilfreich. Nützlich wäre es auch, wenn man vor allem Sponsoren davon überzeugen könnte, dass man im Verhältnis zu den Männern, mit »weniger« Aufwand schnell international oben mitspielen kann.

In Düsseldorf steht vor allem die Nachwuchsförderung im Frauen- und Mädchenfußball aktuell im Fokus. Wie beobachten Sie die Entwicklung und was muss in Zukunft noch getan werden?

Grundsätzlich kann ich feststellen, dass es eine Entwicklung gibt und das ist absolut erfreulich. Seit fast einem Jahr habe ich nun die Möglichkeit, den Frauen- und Mädchenfußball in Düsseldorf zu beobachten. Dabei aufgefallen ist mir, dass es Vereine gibt, die sich vorbildlich dafür engagieren und sehr viel investieren. Hilfreich wäre es, wenn der gesamte Frauen- und Mädchenfußball in Düsseldorf auf einer deutlich breiteren Basis aufgestellt wäre. Dazu bedarf es im ersten Schritt, Anreize zu schaffen, sich in diesem Bereich zu engagieren. Auch Angebote für Mädchen, in Männerbundesligavereinen spielen zu können, wären ein wichtiger Schritt. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig Vorbilder im Sport sind. Aus meiner Heimatstadt Essen kann ich berichten, dass neben dem Bundesligisten SG Essen auch RW Essen, Adler Frintrop und der FC Kray aktiv sind und gute Ergebnisse erzielen. Toll wäre es, wenn Fortuna Düsseldorf mit ins Boot geholt werden und die Vereine als Kooperationspartnerin unterstützen könnte.

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