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Echte Chance oder Bedrohung für Vereine?

Düsseldorf. Es klingt wie ein Traum: Paris Saint Germain eröffnet eine Akademie für den kickenden Nachwuchs in Düsseldorf. Kinder zwischen sechs und 16 Jahren sollen dort ab September trainieren können.

Am 22. Juni findet zunächst ein kostenloses Schnuppertraining statt, ab dem 13. Juli diverse Trainingscamps. Danach startet PSG dann mit der regelmäßigen Ausbildung der Jugendkicker. Für viele Kids und deren Eltern sicherlich ein Traum, um der großen Karriere einen Schritt näher zu kommen.    Stellt sich natürlich zwingend die Frage, was die Vereine darüber denken, in deren Gebiet PSG nun seine Zelte aufschlägt. Dass man sich als Standort den DSV Lierenfeld ausgesucht hat, der so gut wie gar keine Jugendmannschaften mehr unterhält, scheint da fast Symbolcharakter zu besitzen. 

Wertevermittlung?

»Als ich von dieser Akademie hörte, habe ich das erst für einen schlechten Scherz gehalten. Sofort entstanden da Bilder vor meinem geistigen Auge von einem Oligarchen, der seine gierigen Finger ausstreckt, um junge Talente zu verbrennen. Ob das dann letztlich so sein wird, kann ich nicht sagen. Für mich ist Fußball jedoch nach wie vor Herzenssache, die in einem Verein ausgeübt wird, der Werte wie Zusammenhalt, Fairness und das gemeinschaftliche Erreichen von Zielen verkörpert. So etwas kann ein Unternehmen wie PSG nach meiner Einschätzung gar nicht vermitteln«, glaubt beispielsweise Gerhard Stelzer, 2. Vorsitzender des TSV Urdenbach.  

Auch für Ute Groth, Vorsitzende der DJK TuSA 06 Düsseldorf, die für das Amt der DFB-Präsidentin kandidiert, ist der Fall klar: »Hier wird suggeriert, dass man besseres Training bekommt und möglichst schnell den Weg in den Bezahlfußball schafft. Damit unterscheidet sich die PSG Academy zunächst einmal nicht von anderen Nachwuchsleistungszentren /(NLZ). Die grundsätzliche Frage, warum jemand, der ein solches Wappen auf der Brust trägt, qualifizierter sein muss, als einer unserer Trainer, stellen aber viel zu wenige. Im Gegensatz zu dem vergleichsweise lächerlichen Jahresbeitrag in einem Verein, werden in der Akademie ganz andere Preise aufgerufen. Und was bekommt man dafür? Wenn ich das richtig verstanden habe, handelt es sich um ein Franchise-System. Also wird nicht Herr Tuchel oder jemand aus seinem Trainerstab die Kids trainieren, sondern ein Übungsleiter, der auch in einem Amateurverein Fußball lehren könnte«, glaubt sie. 

Keine Komkurrenz?

Für Düsseldorfs einzigen Proficlub, Fortuna Düsseldorf, ist die PSG-Akademie kein wirklicher Konkurrent.  »Wir glauben, dass die Gründung einer PSG-Fußball-Akademie einen rein kommerziellen Hintergrund hat und deshalb keine Auswirkungen auf unsere Nachwuchsarbeit bei der Fortuna haben wird«, sagt Frank Schaefer, Chef des Nachwuchsleistungszentrums des Bundesligisten.

Dennoch ist ein Verein, der in seinen Reihen Superstars wie Neymar, Mbappé oder Buffon hat, für viele Nachwuchskicker ein regelrechter Magnet. Ist es daher so abwegig, von einer direkten Konkurrenz für die umliegenden Vefreine zu sprechen? Wir fragten direkt bei Vito Werner an, PerformanceDirector bei der Paris Saint-Germain Academy Germany. Er möchte zunächst Grundsätzliches klarstellen: »Nicht so wie in der aktuellen Presse dargestellt, jagen wir in Deutschland nach Talenten. Vielmehr möchten wir jedem Kind die Möglichkeit geben, ein professionelles Training zu erhalten. Unsere Vision ist es, allen Kindern diese Chance zu bieten und den Fußball in Deutschland zu verändern. Wir werden die Akademie für jedes Kind zugänglich machen. Natürlich werden sich im Laufe der Zeit verschiedene Gruppen herauskristallisieren – von nicht ganz so stark, bis sehr stark. Alle werden von uns leistungsgerecht trainiert. Wir wählen die Kinder nicht nach den Camps bzw. kostenlosen Probetrainings aus.« Wenn man allerdings allen eine Chance geben möchte, steht eine monatliche Gebühr dem Glück nicht so gut betuchter Kinder im Weg. Werner: »Unsere Vision ist es, jedem Kind die Möglichkeit zu geben professionell zu trainieren und das zu einem bezahlbaren Preis. 99 Euro für zwölf Einheiten wird von keinem NLZ angeboten und wir betrachten diesen Preis als äußerst fair. Wir verstehen uns begleitend zum Vereinsfußball, wo Kinder zu ihrem normalen Training, vielleicht nochmal Ihre Fähigkeiten in einem oder zwei weiteren Trainings pro Woche verbessern können. Aber selbstverständlich werden wir Ausnahmetalente auch fördern, um maximale Leistungsstärke zu erreichen.«

Eigene Teams?

Auf die Frage, ob man denn plane, eigene Mannschaften zu bilden, die am Ligabetrieb oder zumindest an Freundschaftsspielen teilnehmen, sagte er: »Auch hier müssen wir differenzieren. Einmal im Jahr lädt PSG zum Academy Cup ein. Eine eigene Weltmeisterschaft in der alle Akademien der Pairs Saint-Germain-Academy in einem Wettbewerb aufeinander treffen. Dieses Jahr war dieser Cup von 15-19. Mai. Leider für uns etwas zu früh. Zu diesem Cup darf jede Akademie drei Mannschaften stellen. Eine Jungen U11, eine Jungen U13 und eine Mädchenmannschaft. Natürlich werden wir nächstes Jahr diese Möglichkeit wahrnehmen und Deutschland repräsentieren«, sagt Werner. 

Mit Fortuna will man vordergründig nicht in Wettbewerb treten wie Werner erklärt: »Wir maßen es uns nicht an, einen Vergleich zu den NLZ´s von Fortuna Düsseldorf, Borussia Dortmund oder Schalke 04 zu ziehen. Klar ist, diese Zentren leisten seit Jahren hervorragende Arbeit. Speziellen Dank an Schalke 04 für die Ausbildung von Julian Draxler und Thilo Kehrer. Leider wird in diesen NLZ nur die Elite gefördert.

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