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Der ewige Kampf für das Gute

Interview mit Düsseldorfs Metal Queen Doro Pesch

Düsseldorf. Metal Queen Doro Pesch holt zum großen Schlag aus. Nach knapp 35 Jahren veröffentlicht sie im August ihr erstes Doppelalbum. Wir sprachen mit der blonden Düsseldorferin über Musik, Frauenpower und Wiedergeburt.

Doro, hat man nach so langer Zeit im Geschäft überhaupt noch etwas zu sagen?

Na klar. Es geht ja immer weiter. Ich zwänge mich immer noch mit acht Leuten in einen Tourbus, halte Augen und Ohren auf, um interessierte Newcomer zu entdecken. Und dieses Mal hat es sogar für ein Doppelalbum gereicht.

Hatte sich über die Jahre so viel angesammelt oder sind in erster Linie neuere Songs auf der Scheibe?

Die Lieder sind alle in den letzten zweieinhalb Jahren entstanden. Der erste Song ist entstanden, als ich auf Lemmy Kilmisters Beerdigung war. Er heißt »Living Life To The Fullest«. Schon im Flieger auf dem Weg zum Begräbnis hatte ich Melodie und Text fertig. Eine Woche später haben wir den Song aufgenommen. Das war der Startpunkt. Von da an sprudelten die Ideen. Wir haben überall aufgenommen. In New Jersey, in Schweden, in Hamburg und auch in Solingen.

In Solingen?

Ja, im Rockcity Studio. Ein ganz tolles Studio, das von der Atmosphäre her an die 80er erinnert. So etwas gibt es nur noch selten. Der Inhaber Ralf Quick hat die ersten H-Blockx Sachen gemacht, die ja auch einen tollen Sound haben. Wir wollten wieder echte Drums aufnehmen, mit einem Live-Sound. Das hat gut hingehauen.

Worum geht‘s denn auf dem Album?

Es geht im Grunde immer darum, zusammenzuhalten und für das Gute zu kämpfen. Das ist jetzt zwar etwas platt gesagt, aber im übertragenen Sinne schon richtig. Manchmal geht es darum, gegen Oberflächlichkeit anzugehen, aber auch darum, sich nicht alles gefallen zu lassen. Das kann die verschiedensten Formen annehmen. Tja, und dann ist da noch der Song über Lemmy

Der mittlerweile mit dem Rest der Original-Motörhead-Besetzung im Himmel musizieren dürfte. Alle drei Musiker sind innerhalb von zwei Jahren verstorben. Karma?

Gute Frage. Ich hoffe es zumindest. Es wäre zu schön. Ich beschäftige mich schon seit langer Zeit mit dem Thema »Rückführungen« und habe aktuell in einem Dokumentarfilm namens »Wiedergeburt« mitgespielt, für der sogar einen Publikumspreis bekommen hat.

Der Film handelt von Erfahrungen aus vorangegangenen Leben?

Ganz genau. Ich selbst habe schon einige Rückführungen mitgemacht, bei denen man frühere Inkarnationen von sich selbst erforscht. Das war interessant und erhellend. Wenn du an einen Ort kommst, an dem du noch nie zuvor gewesen bist und dich plötzlich dort auskennst, dann wird man schon nachdenklich. 

Wer bist Du denn in einem früheren Leben gewesen?

Niemand besonderes. Man denkt ja immer gleich an Krieger und Könige. Ich war einmal eine Magd in Ungarn und hatte ein ganz hartes Leben. Ein anderes Mal war ich ein Mann in Dubrovnik, der im Gefängnis gestorben ist. Das hat mich dann schon geschockt. Was man allerdings daraus lernt, ist die Tatsache, dass das Leben keinen Anfang und kein Ende hat, sondern immer weitergeht. 

Das kann man problemlos auch auf Deine Karriere beziehen. Aber mal Hand aufs Herz: Rechnen sich heutzutage Albumproduktionen überhaupt?

Es wird schwieriger, aber die Rock- und Metalfans sind immer noch große Anhänger von physischen, liebevoll aufgemachten Produkten. Deshalb stehe ich auch nach wie vor zu Picture-Discs, Boxen und CDs.

Nach der Veröffentlichung im August wirst Du wieder auf Tour gehen. Irgendwie hat man manchmal das Gefühl, dass Du einen Bogen um Deine Heimatstadt machst. Erneut ist kein Düsseldorf-Termin dabei.

Keine Sorge. Da ist für nächstes Jahr etwas Besonderes geplant, aber das werde ich hier noch nicht verraten.

Info: Doros neues Album

- Doros 20. Album heißt »Forever Warriors, Forever United«.

- Erscheinungstermin ist der 17. August.

- Es handelt sich um das erste Doppelalbum in der fast 35-jährigen Karriere der Düsseldorferin und wurde in verschiedenen Ländern aufgenommen.

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