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Integration in der Region: Besser als gedacht?

Düsseldorf. Integration gelingt oft nur durch ein vernünftig arbeitendes Netzwerk, und den einen oder anderen Zufall. Das zeigt auch das schier unüberschaubare Feld der Akteure, die sich darum kümmern, dass Geflüchtete in Arbeit und Ausbildung integriert werden.

»NRW-Das machen wir!«, steht auf der Einladung zu einer Veranstaltung in Düsseldorf, die reale Integrationsbeispiele von Geflüchteten in Arbeit und Ausbildung aus verschiedenen Branchen wie IT, Pflege, Hotelgewerbe, Werbung, KFZ und Spedition vorstellt und die Betroffenen auch zu Wort kommen lässt. Zunächst gehört die Bühne den politischen Akteuren. So ist es an Düsseldorfs Stadtdirektor Burkhard Hintzsche, darzustellen, wie das auf unser Bundesland abgewandelte Kanzlerinnen-Motto gelebt wird. »Wir konnten viele zunächst provisorischen Unterkünfte nach und nach durch Wohnmodulanlagen ersetzen. Anfangs wurden wir oft vor ganz praktische Probleme gestellt«, sagt Hintzsche und stellt dar, wie man einmal nachts um drei Uhr in einen Supermarkt einbrechen musste, weil die Babynahrung ausgegangen war. Mittlerweile konzentriere man sich nicht auf die Probleme, sondern auf Chancen, die 4.500 geflüchtete Menschen in der Stadt bieten würden.

Erfolgsgeschichten

Und die liegen natürlich vor allem im Bereich des Arbeitsmarktes. Stichwort: Fachkräftemangel. Dementsprechend werden diverse Beispiele gelungener Integration präsentiert. Menschen, die seit längerer oder kürzerer Zeit in Deutschland leben und über Netzwerke wie »IQ« (Integration durch Qualifikation), »Hispi« (Hilfe in der sprachlichen Integration), oder »Flüchtlinge Willkommen in Düsseldorf e. V.« diverse Hürden bei der Anerkennung ihrer Abschlüsse, Umschulungen oder dem Erwerb der nötigen Sprachkenntnisse meistern konnten, stellen ihre Erfolgsgeschichten vor. Tenor: »Beharrlichkeit und Motivation zahlen sich irgendwann aus«.

Zufälle und Netzwerke

Ist das wirklich so? Oftmals sind es offenbar eher Zufälle, die dazu führen, dass eigentlich qualifizierte Arbeitskräfte in Deutschland ihren Beruf ausüben dürfen. Der syrische Tischler Fares Schammas hätte wohl immer noch keinen Job, wenn ihm die Handwerkskammer nicht über eine »Qualifikationsanalyse« den praktischen Nachweis seiner Fähigkeiten ermöglicht hätte. Hätte Krankenschwester Esther Wamala-Bollig aus Uganda keinen verständnisvollen Polizeibeamten gefunden, der entgegen der Vorschriften Fingerabdrücke von ihr nahm, würde sie heute noch auf ihren »Code Of Conduct« warten, der zwingend erforderlich ist, um ihren Dienst anzutreten. 

»Es klappt besser als wir dachten, aber noch immer nicht ganz so wie wir es uns wünschen«, gibt Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU) zu. Frank Schöler von der Flüchtlingshilfe Langenfeld weiß das und denkt, dass zu erfolgreicher Integration viel mehr gehört als das Vermitteln einer Arbeitsstelle. 

Viel Luft nach oben

Zum Beispiel die Förderung der sozialen Kontakte und das dauerhafte Erlernen der deutschen Sprache. Doch hier ist noch viel Luft nach oben: »Es gibt mittlerweile viele Flüchtlinge, die arbeiten. Selbst die Arbeitsagenturen sagen, dass zum jetzigen Zeitpunkt mehr Menschen in Arbeit sind, als erwartet. Wir sehen den Zusammenhang von Arbeit und Integration aber differenzierter. Viele Arbeitsplätze fördern Integration eben nicht. Häufig geraten die Menschen in prekäre Arbeitsverhältnisse.  Eine berufliche Weiterentwicklung ist nicht möglich. Gerade als Lagerarbeiter oder Gebäudereiniger gibt es kaum Möglichkeiten zum Austausch mit den Kollegen oder zum Spracherwerb. Man zeigt den geflüchteten Menschen einmal die Tätigkeit, die sie dann immer wiederholen müssen. Viele Menschen kommen so aus der Billig-Lohn-Spirale nicht mehr heraus.«

Kreisdirektor Martin M. Richter weist vor allem auf die Herausforderungen in einem Gebiet mit zehn unabhängigen Städten hin, die Flüchtlingshilfe mehr oder weniger eigenständig organisieren und mit entsprechenden Netzwerken versehen. »Unser Erfolg besteht darin, dass in allen zehn Städten erfolgreiche Integrationsarbeit geleistet wird«, sagt er.  

In Monheim zum Beispiel läuft viel über das Ehrenamt. Die Flüchtlingshilfe des SKFM versucht, Einheimische über Projekte wie die »Sprach-Bar« oder Begleitungen bei Behördengängen oder Arztterminen mit in die Arbeit einzubinden. Mit Erfolg: Die in Monheim lebenden Flüchtlinge sind mittlerweile offenbar zumeist so gut integriert, dass der SKFM die fünf Stellen für die Flüchtlingshilfe auf dreieinhalb reduzieren wird. 

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