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Auch sie kicken weltmeisterlich

Fußballtrainer Frank Brandes hat ein Grundschulturnier für Mädchen auf die Beine gestellt

Düsseldorf. (IT). Am 19. Juni findet nach vielen Jahren wieder ein Grundschul- Cup für Mädchenfußballmannschaften auf der Anlage der DJK TuSA 06 statt. Frank Brandes, Trainer im Verein, hatte die Idee gemeinsam mit Lehrer Dennis Dübgen entwickelt, nachdem ihm einige Ungereimtheiten beim Jan-Wellem-Cup aufgefallen waren.


Herr Brandes, wie kam es zur Idee eines stadtweiten Grundschul-Cups für Mädchen?

Der Jan-Wellem-Pokal der Grundschulen ist de facto ein Jungenturnier. Vereinzelt spielen dort einige Mädchen, das ist aber die Ausnahme. Meine Tochter hatte einen 30-sekündigen Einsatz vor einigen Jahren. Teilweise nennen selbst die Organisatorinnen den Pokal ein »Jungs-Turnier«. An einer Schule sollten im vergangenen Jahr zwei Mädchen, die bei uns spielen, nur über eine Nachrückerliste ins Team kommen. Und das, obwohl sie zum damaligen Zeitpunkt zusammen bereits mehr als 100 Tore in einer Saison erzielt hatten und von diversen Bundesligisten umworben wurden. Sie durften nicht mitmachen, weil die Klassenlehrerin entschied, dass zunächst alle Jungs, die gerne spielen wollten, berücksichtigt wurden. Das macht nicht nur sprachlos, sondern löst bei mir sofort die Frage nach Gleichberechtigung und Gleichstellung aus. 

Wie sieht es damit denn in den Vereinen aus? Hätten die nicht den Auftrag, den Sport anzukurbeln?

Ich kann nur für TuSA sprechen: In zwei Jahren haben wir einen starken Aufbau der Mädchenmannschaften - von U9 bis U13 - erlebt. Die Teams spielen mit großem Erfolg. Die U13 wurde Kreismeister, obwohl sie als jüngste Mannschaft der Liga an den Start gegangen ist. U9 und U11 spielen ebenfalls gegen ältere Teams und machen das sehr souverän. Das führt dazu, dass die Akzeptanz der männlichen Vereinskicker ebenfalls gestiegen ist - und das ist positiv. Wir möchten mit dem Grundschulturnier weitere fußballbegeisterte Mädchen finden.

Wie haben die Schulen auf Ihre Anfrage reagiert?

Insgesamt positiv. Eine Schule hat zum Beispiel sofort nach der Anfrage eine Fußballmädchen-AG gegründet, um für diesen einen Tag zu trainieren. 

Haben Sie das Gefühl, dass fußballbegeisterte Mädchen in der Schule grundsätzlich mit Vorurteilen zu kämpfen haben? 

Ja. Das berichten die Mädchen aus unseren Teams. Das sind die Erfahrungen meiner beiden Töchter. 

Wie äußern sich diese Vorurteile? 

Die Mädchen bekommen von den Jungs Stammtisch-Sprüche zu hören. Es passiert, dass ihnen die Bälle weggenommen werden - und zwar auch von den Lehrern. Es macht mich fuchsig, wenn eine Lehrerin zu den Mädchen sagt: »Ihr könnt das nicht, die Jungs sind besser.« Das ist erniedrigend. Viele sportliche Talente verlieren eben schnell die Freude in einem vorurteilsbelasteten Umfeld.

Welche Rolle spielt der Mädchenfußball generell in Düsseldorf? 

Würde man eine Fußballmädchen-pro-Einwohner-Quote erheben, stehen einige Kleinstädte sehr viel besser da. Es ist teilweise unglaublich, was manche Vereine da auf die Beine stellen. Die Tatsache, dass wir für unser Turnier 13 Schulen aufbieten können, zeigt aber klar das Interesse der Mädchen am Fußball.

Wird seitens der Stadt genug für die Förderung getan? 

Der Wille zur Förderung seitens der Stadt ist da. Viele Politiker haben aber leider keine Vorstellung davon, was in unserem Segment passiert und nötig wäre. So wurde eine Entscheidung für ein Mädchen- und Frauenleistungszentrum in Düsseldorf trotz Abstimmungstermin nicht getroffen und auf irgendwann vertagt. Das geht besser.

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