Volker Budinger

Anna Maria Kaufmann: »Rock ist bodenständig und wahrhaftig«

Düsseldorf. Die Sopranistin Anna Maria Kaufmann mit Düsseldorfer Wurzeln hat ein Rock-Album veröffentlicht

von Volker Budinger

Die kanadisch-deutsche Sopranistin Anna  Maria Kaufmann war jetzt für die Sendung »Volle Kanne« zu Gast im Düsseldorfer ZDF-Landesstudio und sprach über ihr neues rockiges Musik-Projekt. Wir haben sie gefragt, was die als »Christine« im »Phantom der Oper« bekannt gewordene Künstlerin, die sonst eher auf Musical und Operette spezialisiert ist, zum Rock gebracht hat – und was die Region um Düsseldorf, wo sie lange gelebt und studiert hat, für sie bedeutet.

Frau Kaufmann, Ihr neues Album »Rock goes Kaufmann« ist mal eine ganz andere Stilrichtung von Ihnen. Was hat dazu den Ausschlag gegeben?

Anna Maria Kaufmann:
Ich habe mit meinem Produzenten Christian Geller seit rund drei Jahren an diesem Konzept-Album gearbeitet. Es brachte viele Erinnerungen zurück aus meiner Kindheit und aus meiner Karriere.

Etwa an Peter Hoffmann, mit dem ich im »Phantom der Oper« gesungen habe, und der ja einer der ersten war, der Klassik und Rock verbunden hat. Auch der Musical-Komponist Andrew Lloyd Webber ist ein gutes Beispiel für die Verbindung aus Rock und Klassik.

Das wird im »Phantom der Oper« deutlich, oder in »Jesus Christ Superstar« oder auch in »Evita«, die ich alle gesungen habe. Bei diesen Erfahrungen habe ich ja schon meine Stimme anders anwenden müssen als »rein« klassisch.

Und in meiner Kindheit  in Kanada hat mein Bruder zum Beispiel viel »Queen« gehört. Meine Liebe zur Klassik kam dann eigentlich erst später richtig beim Musikstudium in Düsseldorf.

Rock liegt also eigentlich in meinen Wurzeln. Es bringt mich sozusagen »back to the roots«. Und es gibt einfach eine Menge Kraft und Energie. Das ist auch glaube ich der Grund, warum Rock so populär ist. Rock ist bodenständig und wahrhaftig. Und es ist wichtig, authentisch zu sein. Man kann nie authentisch genug sein.

Also haben alle Lieder auf dem Album auch eine Bedeutung aus ihrer Kindheit für sie? Es gibt ja eine große Bandbreite von Kurt Cobain bis AC/DC.

Kaufmann: Ich habe nicht alle Lieder selbst ausgesucht. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass ich mal »Highway to Hell« singen würde. Ich kannte auch »Warriors of the World« vor drei jahren noch nicht – und dann habe ich das richtig lieben gelernt.

Ich habe das erst mit Sopranstimme gesungen – und dann habe ich das geändert, dass es mehr so rockig klingt.

Und bei »Highway to Hell« war ich überrascht wie toll das Arrangement von Christian Geller klingt mit Orchester und Rockband – oder natürlich »Nothing else matters«. Das hat natürlich Metallica bereits großartig mit Orchester gespielt, weswegen ich schon lange davon geträumt habe, das auch mit Metallica zu singen. Vielleicht kommt das ja noch zustande.

Warum heißt es eigentlich »Rock goes Kaufmann« und nicht »Kaufmann goes Rock«?

Kaufmann: Das habe ich auch erst gefragt (lacht). Eigentlich klingt es etwas arrogant, wenn der Rock zu mir kommt. Ich komme ja eigentlich ganz vorsichtig eher zum Rock. Aber meine Leute haben gesagt, so rum klingt das besser.

Aber es gibt einfach die Verbindung zum Rock. Man darf das nicht falsch interpretieren. Ich habe auch mit offenem Herzen und tiefem Gefühl und echter Liebe zu dieser Musik das Album aufgenommen. Das ging auch ganz unverkrampft und natürlich. Die Aufnahmen waren in nur ein paar Tagen aufgenommen. Diese Musik liegt mir einfach gut.

»The last unicorn«, das auch auf dem Album ist,  fällt dabei etwas raus. Was hat es damit auf sich?

Kaufmann: Doch das pass gut da rein. Wir hatten nach Rockballaden gesucht und »Last Unicorn« war bislang noch nie gecovert.

Und es ist einfach schön. Wir spielen das live auf der Tour und alle lieben das Lied. Und je mehr ich es singe, umso mehr liebe ich es auch. Und da spielen die Gitarren ja auch richtig laut mit, es ist also definitiv ein Rocksong.

Mit der Tour meinen Sie  »Rock meest Classic« bei der Sie dabei sind. Wie kam es eigentlich zu dieser Zusammenarbeit?

Kaufmann: Das war ein schöner Zufall. Der Produzent der Show Manfred  Hertlein kam wegen einer Weihnachtstour auf mich zu und ich war da bereits seit längerem bei den Arbeiten zum Album. Dass er an »Rock meets Classic« arbeitete, war mir da noch gar nicht bewusst.

Dann habe ich ihm gesagt »Ich muss Dir was vorspielen« und hab ihm die ersten Aufnahmen zum Album präsentiert.

Davon war er so begeistert, das er meinte, »Es wäre cool, wenn Du auf Tour mit kommst«. So hat sich das ergeben.

Ist denn unabhängig davon auch eine Tour zum Album geplant?

Kaufmann: Etwas später wahrscheinlich ja. Ich möchte auf jeden Fall in dieser Richtung weiter machen. Ich hab sogar in Amerika eine kleine Band gegründet.

Ich übe natürlich meine Stimme weiter im klassischen Gesang, aber ich öffne mich dieser Musik jetzt total.

Man wird also in Zukunft noch öfter was von Ihnen hören in Richtung Rock?

Kaufmann: Ja, das hoffe ich.

Sie haben in Düsseldorf Musik studiert. Was bedeutet Ihnen die Stadt und die Region?

Kaufmann: Das ist die Region, wo ich als allererstes nach Deutschland kam. Das ist ein bisschen wie Heimat. Auch wenn ich jetzt in München wohne, hier fühle ich mich sehr wohl und heimisch.
Und die Menschen sind hier sehr natürlich. Das erinnert mich an meine erste Heimat in Kanada, wo ich herkomme.

Album, Tour und Verlosung

  • Das Album »Rock goes Kaufmann« ist bei Telamo erschienen. Es enthält unter anderem »Highway to Hell«, »Nothing else matters« und  »Black Hole Sun«.
    Weitere Infos unter www.anna-maria-kaufmann.net
  • Auf Tour ist Anna Maria Kaufmann noch bis zum 17. März mit der zehn Jahres-Jubiläums-Ausgabe von »Rock meets Classic«. In der Region ist sie mit dem letzten Termin am 17. März in Bochum. Mehr Infos unter www.rockmeetsclassic.de.
  • Wir verlosen 2x1 Exemplar des Albums »Rock goes Kaufmann« und auch 3x2 Tickets für »Rock meets Classic« in Bochum am 17. März.  Mitmachen ist ganz einfach unter www.wochenpost.de/gewinnspiele. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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