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Wie die Nazis versuchten, die Kunst zu begraben

Das Zentrum für verfolgte Künste erinnert mit Neuankäufen an die Ausstellung »Entartete Kunst« 1937

Solingen. Vor 80 Jahren: Die NS-Aktion »Entartete Kunst« – unter diesem Titel startet das Zentrum für verfolgte Künste am 19. Juli sein nächstes großes Projekt, eine Ausstellung mit Neuerwerbungen der Bürgerstiftung für verfolgte Künste aus Bundesmitteln.

Das Datum ist kein Zufall: Am 19. Juli 1937 wurde die verunglimpfende Schau »Entartete Kunst« eröffnet. Über 700 beschlagnahmte Werke von mehr als 120 Künstler/innen wurden in München auf diffamierende Weise präsentiert. Schon die Anführungszeichen innerhalb des Ausstellungstitels sollten die Kunst und ihre Urheber herabwürdigen. Im Fortgang ihrer »Säuberungswelle« entfernten die Nazis rund 20.000 Werke von über 1.600 Kunstschaffenden als »degeneriert« und »volksverderbend« aus Museen und öffentlichen Sammlungen. So griffen die Nationalsozialisten maßgeblich in die Kulturgeschichte ein.

Das Versäumnis der Nachkriegsgesellschaft war es, die verfolgten Künstler/innen nicht wieder umfassend in den deutschen Kulturkanon zurückzuholen.

Ein Blick auf bis heute übergangene Künstler

Im Fokus der Ausstellung stehen die Neuerwerbungen der Bürgerstiftung für verfolgte Künste – Else-Lasker-Schüler-Zentrum – Kunstsammlung Gerhard Schneider. Der Ankauf wurde mit 1 Million Euro gefördert durch die Beauftragte der Bunderegierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Die erworbenen Werke stammen zum einen aus dem Oscar Zügel Archiv »Kunst und soziale Verantwortung«. Zügel ging 1934 aufgrund von Repressalien zunächst ins spanische und 1936 ins argentinische Exil. Auch nach 1945 kehrte er nicht wieder nach Deutschland zurück. Sein Werk ist künstlerisch wie inhaltlich von den Strömungen der Zeit zwischen den 1920er und den 1960er Jahren geprägt. Es finden sich neben Gemälden der neuen Sachlichkeit und der Abstraktion auch Arbeiten, die sich kritisch mit den politischen Verhältnissen innerhalb Nazi-Deutschlands, Europas und dem Kalten Krieg beschäftigen. Aus dem Oscar Zügel Archiv hat Katia Zügel, die Tochter des Künstlers, darüber hinaus weitere Werke als Schenkung der Bürgerstiftung überlassen.

Eine in Europa einzigartige Sammlung

Die Bürgerstiftung für verfolgte Künste konnte zum anderen Werke aus der Kunstsammlung Gerhard Schneider ankaufen. Eine Sammlung, die in Umfang und Schwerpunkt einzigartig in Deutschland, ja sogar in Europa ist. Der Sammler hat sich vor allem auf die weniger bekannten Künstler/innen, die in den Sog der Verfemung, der Beschlagnahmung und öffentlichen Diffamierung durch die Nationalsozialisten geraten waren, fokussiert.

Begleitausstellung

Die Ausstellung Vor 80 Jahren: Die NS-Aktion »Entartete Kunst« wird durch eine weitere Ausstellung ergänzt: »Malerei und Plastik in Deutschland 1936 – Die Geschichte einer verbotenen Ausstellung«. Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Schließung einer Hamburger Ausstellung, die anlässlich der Olympischen Spiele organisiert worden war. Die Vorgänge erscheinen wie ein Auftakt zur Aktion »Entartete Kunst«. 

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