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Insekten sind auch im Bergischen vom Aussterben bedroht

Die WochenPost sprach mit Biologe Dr. Jan Boomers über das schleichende Verschwinden von Schmetterling, Heuschrecke und Co.

Solingen. Der heimischen Insektenwelt geht es schlecht wie lange nicht. Aktuellen Studien zufolge ist die Zahl der einzelnen Insekten und die Zahl der Insektenarten in Deutschland in den letzten Jahren stark rückläufig. Die WochenPost sprach mit dem Biologen Dr. Jan Boomers von der Biologischen Station Mittlere Wupper über die Entwicklung.

Von Florian Meurer

Der Begriff »Insektensterben« hat kürzlich bundesweit Schlagzeilen gemacht. Ergebnisse einer Langzeitstudie sprechen von einem Rückgang bei der Zahl der Fluginsekten von bis zu 80 Prozent seit Ende der 1980er Jahre. Warum ist dieser Trend besorgniserregend?


Die Zahlen sprechen eigentlich für sich selbst. Insekten haben in der Natur wichtige Funktionen. Fluginsekten sorgen für die Bestäubung von Pflanzen. Manche Pflanzen- und Insektenarten leben in einer regelrechten Symbiose miteinander, bei denen es wechselseitige Abhängigkeiten gibt. Fällt eine Insektenart weg, zieht das Konsequenzen nach sich. Verschwinden Fluginsekten aus der Nahrungskette, bekommen danach auch Vögel und Fledermäuse Probleme.


Gibt es bestimmte Insektenarten, die in den letzten Jahren bereits aus unserer Region verschwunden sind?


Arten wie der Bunte Grashüpfer, der eigentlich eine Allerwelts-Heuschrecke ist, werden seltener. Neben Heuschreckenarten sind auch Libellen, Wildbienen und Tagfalter bedroht. Für Wuppertal hat man festgestellt, dass sich in den letzten 100 Jahren die Zahl der Tagfalterarten von 60 auf 30 halbiert hat. Bei Wildbienen gibt es eine große Abhängigkeit von artenreichen Wegrändern, Feldwegen und Sandflächen. Flächenverlust und Versiegelung bedrohen solche Lebensräume. Auch eine veränderte Nutzung privater Gärten wirkt sich auf Insekten aus. Im klassischen Garten eines Selbstversorgers gab es in früheren Zeiten mehr für Insekten nutzbare Pflanzen als in heutigen Gärten.


Welchen Einfluss hat dabei die Landwirtschaft?


Es gibt mehrere Ursachen für den Trend. Die Landwirtschaft ist eine davon. Aber auch die Stadtplanung und die Flächennutzung des Einzelnen sind wichtige Faktoren. Wir haben in unserer Region in der Landwirtschaft noch viele kleinräumige Strukturen und nicht so viele Monokulturen wie etwa im Münsterland. Häufig wird jedoch auch bei uns das Grünland zu intensiv gedüngt und teilweise fallen unwirtschaftliche Hangwiesen völlig aus der Nutzung und verbrachen. Daher können Landwirte viel tun, indem sie weniger düngen und extensiv wirtschaften. Hecken und Blühstreifen sollten nach Möglichkeit erhalten bleiben. Auf Herbizide wie Glyphosat oder Neonikotinoide als Pflanzenschutzmittel sollten sie verzichten. Aber ich sehe auch die Stadtplanung klar in der Pflicht. Es muss nicht auf jeder freien Fläche neue Wohnbebauung entstehen.


Welche ökologischen Probleme sind in der Region außerdem sichtbar?


Der andere Faktor neben dem Artenschwund ist der Klimawandel. Die Kombination aus beidem ist ein echtes Problem. Ab und zu hört man in diesem Zuge auch von neuen Arten, die bei uns einwandern. In der Ohligser Heide findet man jetzt etwa die Blauflügelige Ödlandschrecke, für die das Klima hier jetzt mild genug ist. Generell sollten uns solche Meldungen aber nicht über den Verlust an Arten hinwegtäuschen.


Was kann jeder Einzelne für den Schutz von Insekten tun?


Wer einen eigenen Garten hat, sollte ganzjährige Blühangebote schaffen. Man kann Pflanzen so auswählen, dass vom April bis in diese Jahreszeit etwas blüht. Außerdem brauchen Insekten Eiablageplätze. Ein kurzer Rasen bietet da wenig. Es ist sinnvoll, die Wiese auch mal höher stehen zu lassen. Es hilft auch, abgefallenes Laub zu einem Laubhaufen aufzuschichten. Im Staudenbeet sollte man in dieser Jahreszeit nicht alles komplett runterschneiden. Generell ist es nicht sinnvoll, einen Garten so zu gestalten, als wäre er ein Wohnzimmer.

 

 

BIOLOGISCHE STATION

Die Biologische Station Mittlere Wupper betreut im Bergischen Städtedreieck Naturschutzgebiete, setzt gesonderte Projekte im Naturschutz um informiert mit Exkursionen, Vorträgen und anderen Veranstaltungen zu Themen rund um die Bergische Natur. Weitere Infos gibt es unter: www.bsmw.de

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