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Die Meinungsfreiheit ist und bleibt eine große Baustelle

Solingens Menschenrechtspfad wurde erneuert – Daniela Tobias von der lokalen Amnesty International-Gruppe hat das Projekt begleitet

Solingen. (FM). Trotz vieler Fürsprecher sind die Menschenrechte in vielen Staaten bedroht. Die WochenPost sprach mit Daniela Tobias von der Solinger Amnesty International-Gruppe über die Erneuerung des 2012 entstandenen Solinger Menschenrechtspfades und die Situation der Menschenrechte weltweit.

Frau Tobias, wie ist die Idee zu einem Menschenrechtspfad an der Korkenziehertrasse damals entstanden?

 

Die ursprüngliche Idee gab es bei uns schon, bevor ich überhaupt dabei war. Die anderen wussten aber noch nicht, wo und wie sie sie umsetzen konnten. Ich habe dann ein Layout für die Tafeln entworfen. Der frühere Oberbürgermeister Norbert Feith bot die Fläche an der Korkenziehertrasse zur Nutzung an. Vergleichbare Tafeln hatte bereits vorher einmal eine Amnesty-Gruppe in Süddeutschland aufgestellt, bei denen aber nur Text auf den Tafeln stand. Wir wollten bei unserem Projekt vor allem Kinder und Jugendliche ansprechen. Damals hatten wir schon ein Buch über die Menschenrechte, in dem Zeichnungen der Grafikerin Yayo Kawamura verwendet werden. Wir haben dann gut ein Jahr für alle nötigen Planungsaufgaben gebraucht.

 

Wieso wurde die Erneuerung nötig und wie könnte man den Pfad weiterentwickeln?

 

Es gab immer wieder einzelne Beschädigungen und Schmierereien auf den Tafeln. Zum Teil haben wir sowas bisher selbst weggemacht. Die Schrift ist nach mehreren Jahren brüchig geworden und musste erneuert werden. Bei den Arbeiten haben sich die Solinger Firma Ätztechnik Herbert Caspers sowie zwei andere Firmen besonders engagiert. Sie haben den Pfad kostenlos für uns erneuert. Neben der Aufstellung der Tafeln selbst war eine unserer Ideen, einen Audio-Guide für den Pfad auf die Beine zu stellen. Das hat sich allerdings als sehr aufwendig herausgestellt. Unser Ziel wäre, dass man von Schild zu Schild gehen kann, und über einen QR-Code zu jeden Schild ein Audiofile abspielen kann.

 

Was sind bei der Durchsetzung der Allgemeinen Menschenrechte national und international derzeit die wichtigsten Themen?

 

Eine der großen Baustellen ist die Meinungsfreiheit. Im letzten Jahr gab es von Amnesty International zudem eine große Kampagne zum Thema Folterstopp. Dies wird auch angesichts von US-Präsident Donald Trump weiterhin wichtig bleiben. Er hatte die Folter ja begrüßt. In Deutschland setzen wir unseren Schwerpunkt mit einer Kampagne gegen Rassismus, der ja unter anderem im Bezug auf Flüchtlinge ein aktuelles Thema ist. Auch Rüstungsexporte und der Schutz der Privatsphäre bleiben aktuell. Allerdings ist es auch bei Amnesty so, dass man sich nicht mit allen Themen gleichzeitig befassen kann. Mit der Menschenrechtslage in der Türkei merken wir derzeit, dass viele Themen näher an uns heranrücken.

 

Welche Aktivitäten sind bei der Solinger Gruppe von Amnesty International gerade aktuell?

 

Wir laden regelmäßig zu unserer eigenen Kino-Reihe ein. Es werden aber nicht nur Filme über Menschenrechtsverstöße gezeigt, sondern das Publikum wird auch eingeladen, mit einem Referenten über das Gesehene zu diskutieren. Im Theater und Konzerthaus wird am 7. Oktober das in Kooperation mit Amnesty International entstandene Live-Hörspiel »Ready for Boarding« gezeigt, in dem es um Waterboarding geht. Auf Stadtfesten findet man uns regelmäßig mit Infoständen. Wir besuchen bei Interesse auch Schulen und pflegen den Kontakt zu Politikern.

 

Am 10. Dezember 2018 wird die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte 70 Jahre alt. Gibt es schon Pläne wie Sie diesen Tag feiern wollen?

 

Noch ist nichts geplant, aber es wird mit Sicherheit etwas geben. Wir können auf jeden Fall groß feiern, das ist kein Problem.

 

 

 

MITSTREITER GESUCHT

Die Arbeit am Menschenrechtspfad an der Korkenziehertrasse soll weitergehen. Regelmäßig sucht die Solinger Gruppe von Amnesty International Schulkassen und Jugendgruppen, die an einem Audio-Guide zum Pfad der Menschenrechte mitarbeiten wollen. Weitere Infos gibt es online unter: www.amnesty-solingen.de/mrp

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